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Mittwoch, 2. Mai 2012

Berlin Mayday


Three pictures out of Berlin-Kreuzberg Mayday 2012. Massive vibes!




Eigentlich ist der 1. Mai als Tag der Arbeit ein Anlass zu politischen Kundgebungen. In Teilen Berlins (allen voran Kreuzberg) werden oft von linken und linksradikalen Gruppen Demonstrationen veranstaltet. Dabei kommt es regelmäßig sowohl am 1. Mai als auch am Vorabend (Walpurgisnacht) zu teilweise erheblichen Randelen und Ausschreitungen. Hauptthema in der letzten Zeit war meines Erachtens die vermeintliche Gentrifizierung Berlins: Ärmere Haushalte werden dabei aus ihren angestammten Wohnvierteln durch zahlungskräftigere Zuzügler verdrängt.

Seit einigen Jahren wird nun eben auch massiv gefeiert - unter dem Motto "Tanzen statt Seine werfen!" Man kann davon halten was man will. Ich als kritischer Betrachter der Stadt bin ambivalent eingestellt zu dieser Entwicklung, sage aber jetzt hier weiter nichts dazu. Think about it! Ist nur Tanzen die Lösung oder sind Steine nötig? Braucht es überhaupt eine Lösung? Für was eigentlich? Peace, Love & Unity.

Sonntag, 15. April 2012

Untitled


Die letzten Tage nahm ich frei. Nachfolgend seien einige geistreiche Aktivitäten der Berliner Freizeit genannt.

Restaurant 3 Minutes sur Mer: Hier haben wir im modern interpretierten und stilsicher möblierten Bistro getafelt (Fotos hier!). Das Essen - ein Entrecôte begleitet von Pommes Pont Neuf und einem raffinierten Bohnenragout, gefolgt von einer wunderbaren Crème Brûlée - war sehr gut. Gleiches gilt für die Getränke: ein Kir Royal, stimmig kühler Roséwein sowie als besonderes Qualitätszeichen die umsonst servierte Karaffe Leitungswasser. Auch der Service überzeugte durch Freundlichkeit und Zuvorkommenheit, leistete sich jedoch auch einige kleinere Fehler, was aber sympathischer ist als tadelloser und distanzierter Service. Grund zum Nörgeln gab einzig unser Tisch. Als unbekannte Neugäste setzte man uns nach der telefonischen Reservation an einen der schlechtesten Tische des zugegebenermassen kleinen Lokals. Wir sind halt an der Torstrasse in Berlin-Mitte, schon klar. Sollte ich wieder einmal dort reservieren, werde ich meine Bitte mit den Worten beginnen, dass ich gerne einen Tisch für drei Mitglieder des Soho House Berlin haben möchte. Dann werden wir sehen, ob wir wieder in der Mitte des Raumes oder an prominenterer Lage platziert werden. Der vermeintliche Serien-Schauspieler war jedenfalls keineswegs besser angezogen als unsere Wenigkeiten. Nevertheless: Ich empfehle das Lokal. Merci Sünni!



Ausstellung Pacific Standard Time: Wir besuchten bei typischem Aprilwetter ebenfalls eine Ausstellung über Kunst im Los Angeles der 1950er bis 1980er Jahre. Die Ausstellung findet bis Mitte Juni im Martin-Gropius-Bau statt, ich empfehle sie - und ich empfehle Soft Rock. Zu den Höhepunkten zählen Architekturfotos von Julius Shulman sowie einige Gemälde von Ed Ruscha, David Hockney sowie Lee Mullican.

Ist das an dieser Stelle nicht schön? Es passt wie die Faust aufs Auge:


Aber lassen wir das.

Voo Kreuzberg: Ferner besuchten wir ebenfalls diesen Konzeptladen an der Kreuzberger Oranienstrasse. Voo zählt mit Sicherheit zu den schönsten Läden die ich kenne. Sie bieten in wunderbarem Raumsetting Kleidung und Schuhwerk u. a. von Wood Wood, Vibskov oder New Balance an; es gibt Magazine, Schreibwaren, Schmuck, Wohnaccessoires und ausgezeichneten Kaffee an der hauseigenen Bar. Gegönnt habe ich mir noch das Berliner Zeitdokument in Buchform: Freunde von Freunden. Ich empfehle sowohl den Laden als auch den Blog Freunde von Freunden.

Farbfernseher: Letzten Donnerstag legten in diesem kleinen aber feinen Kreuzberger Lokal unweit des Kotti Slow Hands und Eli von Soul Clap Platten auf. Dopeness! Am Montag 30. April kommt fast die ganze Gang ins Watergate.




Sonntag, 1. April 2012

Neukölln Hardcore


HC Punk Abrissboys Neukölln Night Out!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



Dirty Dancing Dinosaurs (Trashpunk, Berlin)







Doofe Kurzvideos zu den beiden anderen Bands: Dismembers (Hardcore, Berlin) und Bucket Flush (Hardcore, West Philly). Beim zweiten Video war ich leider nicht mehr fähig die Aufnahme scharf zu stellen... Ist aber vielleicht auch besser so. Whatever dude.

Samstag, 24. März 2012

Tresor Berlin


Letze Nacht waren wir erstmals und letztmals im Tresor Club. Warum erstmals - oder warum überhaupt? Damals, Ende der 1990er Jahre und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends, war der Tresor eines meiner tragischerweise unerreichbaren Sehnsuchtsziele. Ich war entweder zu jung oder hatte keine Freunde, die mit mir eine Begeisterung für Musik im Allgemeinen und subkulturelle elektronische Musik im Speziellen teilten. Überdies lag Berlin nicht vor meiner Haustür.

Der Tresor öffnete 1991 in der Nähe von Leipziger und Potsdamer Platz, wo während der Teilung Deutschlands die Berliner Mauer stand. Ich würde behaupten, dass der Tresor für die 90er Jahre das war, was das Berghain für die 00er Jahre (und darüber hinaus?) war: die globale Zentrale für Techno. Von diesem Ort verlief die legendäre und noch heute bestehende Achse in die Gründungsstadt des Techno, nach Detroit (USA). Das klang Ende der 90er Jahre ungefähr so (sehr geiler "Tresor 1998"-Mix von Silent Servant)!

2005 musste der ursprüngliche Tresor Club jedoch einem Neubau weichen und zügelte deshalb 2007 in ein altes Heizkraftwerk an der Spree. Und gestern legte nun einer der Protagonisten des Detroit-Techno ein 6-Stunden-Set hin: Jeff Mills.


Ich habe den Wizard schon mehrmals gesehen und dachte, diese Nacht wäre die beste Gelegenheit zumindest einmal den Tresor zu besuchen und vielleicht, ja vielleicht den Spirit des Tresor der 90er Jahre zu spüren.

Ein wenig skeptisch war ich ja schon im Voraus und die Vorzeichen für die Party waren schon in der Warteschlage relativ eindeutig. So war ich überzeugt davon, dass die kreischende Gruppe 18 Jahre alter Italiener und Italienerinnen vor uns an der Türe ein eindeutiges und teutonisch strenges "Nein!" vernehmen würden. Dem war mitnichten so und ich war - als bornierter Veteran - erstmals an diesem Abend tief schockiert. Was die Umstände nicht besser machte war der mit Zigarettenwerbung bedruckte 'Sonnenschirm' über der Eingangstüre. Condor to Mallora? Schlussendlich war auch die Tatsache, dass der Tresor im Jahre 2012 seinen Namenszug über dem Eingang hängen hat wenig ermutigend. Renate, AB, Loftus Hall, Berghain - ich kenne keinen vernünftigen Club, der heutzutage so auch sich aufmerksam macht. Faustregel ist eher: je unscheinbarer desto besser; es ist ein Versteckspiel, motiviert durch Distinktionsbestrebungen "for those who know", wie auch Jeff sagen würde.

Innen ging es leider ähnlich weiter: in der Mehrheit ein anstrengendes Publikum, Zigarettenverkaufsstände, vergleichsweise wenig begeisternde Klangqualität und eine Raumästhetik, die für mich einfach - es klingt lächerlich, ich weiss - zu sehr 90er Jahre ist. "It's soooo like 1990s, you know?" Die monumentale Industrieästhetik des Tresor spricht mich 2012 einfach nicht mehr wirklich an. Früher war das sensationell, sei es in einem Rohstofflager in Zürich oder eben in Berlin oder an irgend einem anderen deindustrialisierten Ort auf diesem Planeten. Und auch heute gibt es noch Orte, wo ich diese Raumsprache galanterweise noch durchgehen lasse, etwa im Berghain oder im Trouw in Amsterdam. Aber sonst sind kleinere Clubs und solche in alten Büros, Kantinen oder  Wohnhäusern heute irgendwie aufregender.

Wenn ich von dieser Vorliebe abstrahiere, anerkenne ich jedoch gerne die Qualität des Tresor-Dancefloors unten im Keller des Kraftwerks. Hier, auf einem von insgesamt drei Tanzbereichen, legte zudem hinter Gittern und in dickstem Nebel Vince Watson auf, seit Jahren einer meiner Favoriten auf dem weiten Feld des Techno.


Auch Jeff Mills ging ab! Und sogar Patrice Scott, ein von mir hoch geschätzter, zeitgeistiger DJ und Produzent aus Detroit, war da. Trotzdem und wie gesagt: erstmals und letztmals war ich gestern im Tresor. Die Diskrepanz zwischen meiner Idealvorstellung des Tresor - wie sie im kürzlich veröffentlichten und empfehlenswerten Buch "Der Klang der Familie" wunderbar zur Geltung kommt - und dem Zustand heute ist für mich einfach nicht stemmbar. Da male ich mir fortan lieber bei der Lektüre oder unter dem Einfluss damaliger Musik Bilder von früher aus und gehe statt dessen strikt in die heute tonangebenden Clubs.


Übrigens ist es schon schwer nachvollziehbar, wie ein Club, der sowohl zu seinen Anfangszeiten als auch heute von ein und demselben legendären Betreiber geführt wird, sich vermeintlich so stark verändern kann; von totalem Underground und musikalischem Innovationsraum hin zu Lucky Strike 'Sonnenschirm' und musikalisch mehrheitlich desinteressierten Berlin-Techno-Touristen. Da schmerzt schon ein wenig das Herz, wenn man aus "Klang der Familie" liest und zwei Stunden später metaphorisch eins auf die Fresse kriegt in der Realität anno 2012. Schnell zurück in den Untergrund oder auf die Lesecouch zu Hause.

Freitag, 3. Februar 2012

Trouw Amsterdam


Früher - von 2002 bis 2004 im Wesentlichen - haben wir, ein abartiges Kollektiv von vier oder fünf Burschen, legendäre Clubtouren durch die halbe Schweiz organisiert. Darüber haben wir auf unserer massiven Underground-Webseite jeweils berichtet. Dazu gab es Fotos von Menschen, die ihren Verstand verlieren, aus dem Club getragen werden, massive Raketen zünden oder drei Biere gleichzeitig trinken.

Diese Zeiten sind mehr oder weniger vorbei - und das ist auch gut so. (Belanglose Anmerkung: Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit würde jetzt sagen "Ich bin schwul, und das ist auch gut so!" Das klingt, zugegeben, schon besser als meine lapidare Aussage; aber nicht alle haben soviel zu bieten, das muss ich einsehen.) Ausgehen tun wir, in ähnlicher Gruppierung, jedoch noch immer ab und zu - wenn wir nicht eine Zigarre rauchen im Edelrestaurant oder um 22 Uhr im temperierten Wasserbett liegen, der Hüfte wegen.

Letztes Wochenende waren wir nun beispielsweise im Club Trouw in Amsterdam. Das war eine Nacht, die es wieder einmal so richtig in sich hatte. Ich will deswegen ein paar Bemerkungen dazu machen und das Lokal gleichzeitig mit Nachdruck empfehlen!

Nach der Show im Casa Rosso und einem Bier gegen den Durst nahmen wir also das Taxi in den Oost der Stadt. Der holländische Taxifahrer war ein Affe, er fuhr Umwege. Herrlich wie wir sind, haben wir das natürlich gemerkt, ihm aber trotzdem nichts gesagt und dem Driver noch mit einem Trinkgeld die Krone aufgesetzt. Der arme Teufel soll auch ein Erfolgserlebnis haben. Das Trouw liegt nun in derjenigen Ecke Amsterdams, die aussieht wie Berlin: streng. Aber wir mögen streng, klar. Kommen ja auch von den Bergen her, wo auch die Ställe streng riechen. Von ebensolcher Art (streng meine ich, nicht riechend) war dann allerdings auch die Warteschlange vor dem Club, trotz bereits im Internet gekauften Einlasskarten.

45 Minuten später war ich grantig, unterkühlt und zermürbt, dachte das wird nichts mehr. Wir haben uns dann aber urschweizerisch auf unsere Kernkompetenzen besonnen und gleich Wodka bestellt. Und Bier, alles immer gleichzeitig und engagiert, wie die Banker am Paradeplatz und die Kuhhirten auf der Alm. Dazu dann auf der oberen Tanzfläche UNDERGROUND RAW TECHNO, zu diesem Zeitpunkt vermutlich vom Berliner Lucy. I like that thug, dank u wel!

Die meiste Zeit verbrachten wir aber auf der unteren Tanzfläche im Keller des Gewerbe-/Industriekomplexes. Dort unten hatte das feine holländische Label Rush Hour einige Plattenleger aufgeboten, darunter den ebenfalls aus Berlin angereisten Hunee. Dieser Mann asiatischer Abstammung gehört zu meinen Favoriten hier in der deutschen Hauptstadt - und er zeigte mir auch im Trouw wieder, weshalb das so ist: he's got the soul! Wir gingen ab. Und das schöne ist: wir waren nicht alleine! Womit wir, neben der Musik, zum zweiten entscheidenden Punkt kommen hinsichtlich der Erzeugung einer großartigen Atmosphäre: dem Publikum. Die Holländer - es hatte dem Anschein nach wenige Touristen im Trouw - waren locker, feierfreudig, stilvoll und in der Regel ohne anstrengende Hipsterallüren, kommunikationsfreudig, begeisterungsfähig und ab und an sogar richtig gutaussehend (was man sonst, ihr wisst es alle, eher über die Schweizer zu sagen pflegt, zumindest hinter vorgehaltener Hand).

Wie dem auch sei, ich mag jetzt nicht mehr schreiben. Höre Miles Davis und das verlangt mehr Aufmerksamkeit. Doch, noch kurz zwei Dinge. Erstens: Die industrielle Architektur war sehr schön, die räumlichen Rahmenbedingungen demnach auch der positiven Atmosphäre dienlich. Ich stehe ja diesbezüglich mittlerweile (oder momentan?) eigentlich mehr auf eine andere Raumgestaltung, aber hier war es völlig in Ordnung. Man ist ja offen, wenn man die Sommerferien im Kuhstall verbringt. Zweitens: um 5 Uhr war leider Schluss. Das ist ja in Ordnung, brenzlig wird es bloss, weil dann alle gleichzeitig an die Garderobe strömen. Ich bin Maradona noch jetzt dankbar, dass ich im Gedränge nicht fast erstickt bin. Das war grenzwertig. Aber da die Holländer auch hier locker blieben ging das.

Fazit über das Trouw, in den Worten meines Begleiters Marcel (seines Zeichens aufstrebender Private Banker): "Das Einfache können sie nicht, das Unmögliche ausgezeichnet." Der Mann hat recht.

Anbei noch ein paar Fotos der Trouw-Partyboys. Ok!






Montag, 16. Januar 2012

Loftus Hall Berlin


Letzten Freitag ging ich aus. Das ist eine Schlagzeile wert in diesen Zeiten intensiver Introspektion und auf geistige Routen beschränktes Reisen. Anlass war nicht nur der Besuch von zwei Freunden, sondern ebenfalls die Eröffnung eines neuen Clubs vor ein paar Monaten. Der Name des Clubs: Loftus Hall. Zuerst ein paar keineswegs zynische Worte zur Oberfläche, danach zum Hintergrund.

Wie ich gelesen habe bezieht sich der Name auf ein gespenstisches Schloss in Irland. Ich weiss nicht genau wie die Betreiber auf diesen Namen kommen. Entweder sind sie Iren oder Mystiker oder beides, was ja auch nicht verwunderlich wäre bei diesen verrückten Kelten.



Wie dem auch sei. Der Eintritt ist mit sechs Euro an diesem Abend das, was man üblicherweise fair nennt. Die Getränke sind vernünftig und das Rauchen ist erlaubt - um nicht zu sagen erwünscht. Über das Publikum lässt sich spekulieren, dass es (Stand Januar 2012, Änderungen sind zu erwarten) vornehmlich in der Umgebung wohnt, in Kreuzkölln also oder Neukreuz wie ich es smarterweise zu nennen pflege. Studentisch, dezent alternativ und international könnte man die sympathische Gemeinschaft ebenfalls beschreiben. Der Frauenanteil war an diesem Abend nicht besonders Achtung gebietend, jedoch bei weitem auch nicht armselig, wie das bedauerlicherweise oft genug bei Anlässen der elektronischen Musikszene der Fall ist oder zumindest war. Apropos Musik: Tanzmichmal war der zweifelhafte Name des lokalen DJ-Kollektivs. Ich muss ehrlich sein, ich fand sie öde. Aber das liegt natürlich an meiner psycho-sozialen Verfassung. Doch dazu unten mehr.

Trefflich in der Loftus Hall sind insbesondere zwei Dinge: die Beleuchtung und das Interieur.  Über ersteres will ich nichts sagen, denn ich habe nur noch ein paar Minuten bevor ich meine abendliche Suppe zubereiten will. Das Interieur aber ist von folgender Beschaffenheit: Holzvertäfelung, Gardinen, schummriges Licht, Plastikpflanzen, erbärmliche Möbel. Mit einem Wort: super. So sieht das aus:



Ach Gottchen, da ist mir ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Das oben ist nicht die Loftus Hall in Kreuzkölln. Das ist der Sternen im Schweizer Simmental. Links im Bild sitzt der herrliche "Schibä", ein Weissenburger Urgestein und Experte für Kräuter. Wir waren gemeinsam Bier saufen im Dezember, göttlich. So sieht die Loftus Hall tatsächlich aus:


Nun also ist es soweit. Der Sternen in meinem alpinen Heimattal oder die Berliner Arbeiter-Eckkneipe lassen sich visuell nicht mehr von einem hippen Club unterscheiden. Das musste ja so kommen nach Jahren der Fokussierung auf Industrie. Was sagt uns das? Ich weiss es nicht. Aber vermutlich hängt es mit einem gesellschaftlichen Megatrend zusammen. Die Sehnsucht nach dem Warmen, Überschaubaren; aber auch der schon seit einiger Zeit grassierende Retrowahn. Beschreiben kann ich das nicht, besonders nicht unter Zeitdruck wegen meiner Suppe. Aber ich weiss, dass es für mich alles zusammen passt: Kapitulation des Rationalismus, Schopenhauer, Loftus Hall, Hipster und ihre gänzlich unfuturistische, sondern nostalgische Garderobe. Und wenn man den Faden weiterspinnen will wird Sherry das nächste It-Getränk. Oder ist es das etwa schon und ich Stubenhocker habe es bloss nicht mitgekriegt?

Was mich an dieser Entwicklung bei aller Freude besorgt ist, dass die traditionellen Kunden von Lokalen, die nun eben aussehen wie die Loftus Hall, von einer Plage von Studenten und Hipstern verdrängt werden könnten. Fallbeispiel: Das Bäreneck in Neukölln. Vor zwei Jahren ging man rein, schämte sich und soff sein Bier und war der einzige Nicht-Stammgast. Heute gehst du rein und guckst Fussball mit einer wachsenden Zahl von Jungen sowie den Stammgästen. Ein Idealzustand, eine glänzende Mischung der sozialen Schichten und Schnauzen. In zwei Jahren gehst du rein und es gibt keine Stammgäste mehr - ihr zweites zu Hause wurde ihnen von den Conquistadores weggenommen, die Gardinen dienen nicht mehr dem Sichtschutz sondern verkommen zum bloss noch ästhetisch wertvollen Retrogegenstand.

Ach ja, wie gesagt: Ich fand den House der Tanzmichmal etwas öde. In diesen prächtigen Räumlichkeiten bevorzuge ich Psychemagik. Die runden das Bild ab. Und nicht das ich falsch verstanden werde: ich liebe die Loftus Hall!

Sonntag, 18. Dezember 2011

Wohnzimmerkonzert mit Blomstre


Impressionen vom Abschlusskonzert der ersten Wohnzimmerkonzerte-Tour von Blomstre und  Starlight Through the Rain. Wir schreiben den 17. Dezember 2011 in Bern.






Am Sonntag fällt der Schnee. We just chillin.


Montag, 5. Dezember 2011

Grill Royal


Für ein hervorragendes Rinderfilet mit raffiniert und pikant gewürztem Blumenkohl und Brokkoli, begleitet von einer wunderbaren Sauce Béarnaise, empfehle ich in Berlin das Grill Royal. Sogar unser Heinz Horrmann ist des Lobes voll habe ich gehört.


Doch die Freude hört nicht beim Essen auf. Was einem läppischen Studenten wie mir Eindruck macht ist dann eben auch das urbane, kosmopolitische Flair dieses Lokals. Das ist die Neue Mitte Berlins - oder aber NYC oder London. Ich liebe ja Kreuzberg und Neukölln, aber noch mehr liebe ich es, wenn es glamouröse Orte neben heruntergekommenen Läden gibt. Wood Wood oder Burberry und Flohmarkt. Old Fashioned und Sterni. Oder eben Grill Royal und Bäreneck.


De Venoge, russische Mafiosi, Kellner mit Rolex, Whisky Sour stilvoll aus einem Double Old Fashioned von Libbey. Ein guter Ort um zum Feiern. Merci P und K!


Dienstag, 1. November 2011

There is so much good music out there it is just crazy lazy daisy


Es ist Herbst und ich mag es. Ein schöner Satz, sprühend vor Einfallsreichtum. Schön sind auch die Schneebeeren, die zurzeit ihre giftigen Früchte tragen und die man im Park herrlich pflücken kann um den Herbst in die Wohnung zu bringen.


Tatsache ist aber, dass ich nur eine kümmerliche Ahnung habe von Botanik. Schade eigentlich, ist es doch eine wie ich meine ausserordentlich stilvolle Eigenschaft über umfassende Pflanzenkenntnisse zu verfügen. Glücklicherweise schaue ich schon auf mehrere Jahre Gartenarbeit bei meiner Grossmutter zurück. Ich muss diese körperliche und seelische Ertüchtigung in Zukunft unbedingt wieder aufnehmen.

Was wollte ich eigentlich? Ach ja, richtig: ein paar aktuelle Alben aus dem Bereich der elektronischen Musik empfehlen. An und für sich habe ich ja Grund zur Annahme, dass diese Empfehlungen sowieso kaum jemand liest. Und von den Wenigen die es trotzdem tun wird wahrscheinlich keine einzige Person eines der Alben auch tatsächlich kaufen. Entweder weil er/sie denkt ich würde besser das Maul halten oder weil er/sie aus fragwürdigen Gründen keine Musik kauft oder - und hier wäre Lob angebracht - die Alben schon in seiner/ihrer zivilisierten Sammlung führt. Letzten Endes ist auch das egal, wie immer. So weiss ich in 37 Jahren zumindest noch, was mir im Herbst 2011 gefallen hatte.


Das oben abgebildete Cover gehört zum Album "Wander/Wonder" vom US-Amerikaner Balam Acab, bürgerlich Alec Koone. Was ist das für Musik? Vom Stile her vielleicht Electronica mit Einflüssen von Ambient, R'n'B und Intelligent Techno. Keine Ahnung, wirklich. Pitchfork hat die Arbeit aber eigentlich schon gemacht und schreibt: "It's pretty (...). It's the sort of music that exists at the intersection between art and design, but it manages to avoid feeling sterile. (...) W/W is pastoral, more likely to bring to mind sunlight slanting through a window that overlooks a rural garden. (...) This is functional music that highlights the simple pleasure of artfully arranged sound, the kind of gorgeous and evocative record that fills up the room and shifts your perception for 37 minutes and then brings you gently back to the surface." Sehr schön formuliert von Pitchfork, das sind Profis. Und siehe da, welch erhabener Zufall, ist doch in diesen Worten auch das Gartenthema präsent.


Wollen wir hingegen etwas mehr in Richtung Tanzfläche steuern bieten sich meines Erachtens die aktuellen Werke zwei meiner grundsätzlich bevorzugten DJs und Produzenten an: Lawrence aus Hamburg und Scuba aus London, wohnhaft in Berlin und Organisator der eindrücklichen Sub:Stance-Reihe in Berghain/PB.

Lawrence ist ein Meister des deepen House und mir somit von Natur aus ein Freund im Herzen. Sein Mix punktet bei mir jedoch nicht nur mit der Musik, sondern ebenso mit dem Titelbild der Zusammenstellung. Ein prächtiges Cover!

Scuba wiederum war einmal eines der Aushängeschilder von Dubstep. Diese Musik ist aber in den letzten Jahren unter ihrer schweren Basslast quasi implodiert und in tausend Fraktale zerfallen. Ein Fall für Mandelbrot. Sein Mix ist nun jedenfalls entsprechend seiner Berliner DJ-Sets eine Reise durch die Gefilde des UK-Bass, der Berliner Schule und der House-Musik. Und ich muss sagen, dass ich bei den ersten Hörproben ein bisschen enttäuscht war. Mittlerweile gefällt mir das Set aber immer besser, und das spricht meistens für die Qualität eines Werks, wenn es nämlich mit der Zeit wächst wie die Frucht einer Schneebeere.

Der Grund meiner anfänglichen Enttäuschung liegt vermutlich auch darin, dass ich Scuba kürzlich im Plastic People in London erlebt habe und er dort ein "englischeres" Set zum Besten gab. Mehr UK Garage, mehr Stilwechsel, mehr Hymnen. Sein All-Nighter war herrlich und eine Demonstration seiner immensen Fähigkeiten sowie seiner Stilsicherheit auch bei einer erheblichen Breite an Stilen. Die DJ Kicks klingt jetzt eher nach Berghain, was bedeutet, dass UK Garage beispielsweise keine explizite Berücksichtigung findet. Doch solange er die Reise mit seiner sensationell kitschigen Eigenproduktion "Adrenalin" abschliesst bin ich jederzeit mit im Boot. Da kommen Erinnerungen auf an den Keller in Shoreditch und die Euphorie und die zur Himmelsdecke erhobenen Hände! Auf jeden Fall mit jedem weiteren Hörgang ein wunderbarer Mix.



Auch wenn ich oft kein besonders grosser Freund von Hipstertum bin - ich glaube dahinter vielleicht fälschlicherweise oftmals jämmerliche Borniertheit zu erahnen - mag ich doch die neue Musik von New Look sehr gerne. Was hört man? Elektronischen Pop mit sehr schönen Vocals und Anleihen an Grime und (Post) Dubstep, vielleicht? Ich würde das Album jedenfalls uneingeschränkt zum Kauf empfehlen. Es klingt in meinen Ohren bereits jetzt nach einen zukünftigen Klassiker.


Mittwoch, 12. Oktober 2011

Themen einer Studentenparty in Berlin

Letztes Wochenende wollte mein noch junger und ergo ungeheuerlich dynamische Mitbewohner eine Party bei uns zu Hause organisieren. Mehr wider- als willig stimmte ich zu, schleppte Bier und stellte Musik für den Abend zusammen. Geblieben sind mir, wenn ich nach ein paar Tagen spontan zurück denke, vor allem drei Dinge:

1) Ja, man kann Caipirinha auch aus 0,5-Liter-Biergläsern trinken. Stil ist hier nicht die Frage. Qualität aber schon, und die gewährleistete unser Chef de Bar Iannis aus Lausanne ohne Wenn und Aber.


2) Zwischen zwei Runden entwickelte sich eine angeregte Debatte über Country-Musik. Ich hatte mit den löblichen Zielen a) der Erheiterung meines Gemüts, b) der Erzeugung von Gesprächsstoff und c) der Idee einer "Weiterbildung für intellektuelle Studenten" einige Stücke währschafter Country-Musik in meine Playlist des Abends integriert. Man macht ja schliesslich auch Bildungsreisen mit Freude? Warum sollte ein derartiger Aspekt nicht auch auf einer ansonsten Hundsverlocheten Sinn machen?

Wie dem auch sei. Die Punkte a) und b) konnten so ohne weiteres umgesetzt werden. Dass jemand anders ausser mir nachhaltig an Country-Musik Gefallen entwickelte muss jedoch stark in Frage gestellt werden. Schelte von allen Seiten war die Reaktion der Narren. Doch weiss ich wahrlich nicht, was an solcher Musik auszusetzen sei.



3) Dann war wahrlich Zeit für die nächste Runde.


God natt killar!

Mittwoch, 7. September 2011

Electronic Music Journeys


Resident Advisor, ein Informations- und Unterhaltungsportal erster Güte für elektronische Musik und Clubkultur, hat vor nicht allzu langer Zeit eine Serie von Videos über Städte und deren elektronische Musikszenen gestartet. Wer regelmässig mein Blog besucht weiss, dass ich sehr viel Wert lege auf die Verknüpfungen von Stadt und Musik. Und da ich die drei bisher entstandenen Filme als durchaus empfehlenswert beurteile, möchte ich an dieser Stelle unbedingt darauf aufmerksam machen.

Was ich beispielsweise bemerkenswert - aber keineswegs überraschend - finde, ist die Zunahme an "Hipstertum" von Detroit über Bristol bis Berlin. Wenn ich mir einen Beitrag wünschen dürfte, dann wäre es, glaube ich, erstmal Neapel. Etwas wunderbar abseitiges und nicht so offensichtliches wie wohl bald Chicago, London, NYC oder Glasgow. Hamburg wäre auch schön! Ich liebe den Deep House der Hansestadt. Aber egal jetzt, schaut euch die Beiträge an!

Real Scenes: Bristol from Resident Advisor on Vimeo.


Bristol ist seit Jahren ein Reiseziel von mir. Ich muss es endlich mal dorthin schaffen! Kann doch nicht so schwierig sein...

Real Scenes: Detroit from Resident Advisor on Vimeo.


Kyle Hall ist die Zukunft. Mike Huckaby ist ein Held. Kauft euch alle seinen Remix von "Change" von Norm Talley von der EP "Detorit Beatdown Remixes 1:1". Pure Bliss! Pure Detroit! Pure Space! Pure Love! Und wer jetzt sagt "Geht ja nicht ab Dicker!" schick' ich zum Mond.

Real Scenes: Berlin from Resident Advisor on Vimeo.


Ach, Börlin.


Und übrigens, die Serie sollte wie oben angedeutet fortgesetzt werden. Am einfachsten hier.

Sonntag, 21. August 2011

Vision 2011: Nachwirkungen

So waren die Sichtverhältnisse.


Man muss den Tatsachen einfach ins Auge sehen, sofern möglich.


Auch andere Dinge sehen nicht mehr blendend aus.


Dieser DJ vom Zürcher Club Hive hat am Sonntag in der Früh, wohl um zirka 8-9 Uhr, tatsächlich einmal etwas langsamer und spannender aufgelegt als die allermeisten seiner Kollegen. Selbstredend waren wir dann plötzlich fast die einzigen auf dem 'Dancefloor'. Das ist einfach eine Schande.


Der Niesen bleibt aber immer prächtig!


Es wäre Zeit zu schlafen.

Vision 2011: Kritik



Nach langen Jahren habe ich mich dieses Wochenende wieder einmal an ein Openair-Festival getraut: das Vision Festival in den Schweizer Alpen. Nachfolgend eine kurze Bewertung.

Standort: Verdient das Prädikat 'Herausragend'. Das Festival fand oberhalb des Thunersees im Berner Oberland statt. Die Aussichten auf die Berge sind herrlich - ganz besonders bei diesem Hochsommerwetter.


Publikum: Genügend. Eigentlich finden sich an der Vision relativ viele gute Leute aus allen Teilen der Schweiz und dem näheren Ausland ein. Zudem ist es auch kein reines Hipster-Festival, bei dem es in erster Linie darum gehen würde wahnsinnig cool zu sein. So weit so gut. Das zentrale Problem mit dem Publikum ist aber ein altbekanntes. Wie ist es möglich, dass so viele Leute keinen Bezug zur Landschaft haben und ihren Müll überall liegen lassen? Zudem scheinen die Leute zum Teil ein wenig einfältig zu sein in ihrem Musikgeschmack...


Musik: Knapp ungenügend. Die Musik war nicht grundlegend schlecht. Was mich aber wirklich enttäuscht, ist die Einfältigkeit. Das Festival hat drei Floors, doch fast überall läuft ein Einheitsbrei aus Tech-House und nächsten Verwandten. Gerade in dieser landschaftlichen Szenerie wäre ein wenig mehr Abwechslung, zum Beispiel auch in Richtung Cosmic, Balearic, NuDisco oder auch schon andere Spielarten von House und Techno, gewiss kein Fehler. Schon geschätzte zwei Stunden nach Festivalbeginn spielten die meisten Acts 'Bretter'. Und auch mit aufgehender Sonne war eine leichte Anpassung der Musik an die äusseren Umstände gänzlich unbemerkbar. Das ist schwach! Aber ich muss wohl einsehen, dass ich mit dieser Meinung eher einer Minderheit angehöre. Viele Vision-Gänger konsumieren entweder ihre Substanzen und wollen dann konstante und verlässliche 4/4-Beats oder aber wollen einfach raven und interessieren sich nicht für elektronische Musik abseits des 'Abgehens'. Es war zuweilen lächerlich, wie die Acts immer wieder die Bassline raus nahmen und das Publikum jedes mal kreischte, wenn der Rhythmus wieder einsetzte. Dies ist allerdings nicht ein Kritikpunkt an der Musik sondern am Publikum. An der Streetparade stimmt das so, aber an der Vision? Ein wenig mehr Sophistication hätte ich schon erwartet auf wohl über 1000 MüM.


Organisation: Gut. Freilich verschwimmen die verschiedenen Bewertungsbereiche teilweise ineinander. Logistisch war die Organisation meines Erachtens top. Aber eben: Die musikalische Programmierung wäre meines Erachtens ausbaufähig. Und vor allem: weshalb dieses erbärmliche Rugenbräu Bier? Wohl weil es ein regionales Produkt ist. Aber ich, als Wahldeutscher, musste mich ernsthaft fremd schämen. Wie kann man den Gästen, gerade auch aus dem Ausland, eine solche Brühe zumuten?

Nun, wir gingen trotzdem ab...


Am Sonntag sah die Welt dann allerdings schon etwas anders aus...