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Samstag, 26. Mai 2012

Kosmonauten des Underground


Es ist Samstag Abend und ich arbeite. Aber, wie schon Roger Schawinski wusste: Who cares? Zwar habe ich zwei der drei nachfolgenden Bücher an dieser Stelle schon kurz erwähnt, doch will ich nochmals gesammelt drei Werke empfehlen, deren Lektüre eine hervorragende Übersicht über die Berliner Technoszene liefert. Ich schreibe - ganz nebenbei, nicht? - meine Masterarbeit zu diesem Thema. Sauglatt, nicht, nicht?

Anfangen würde ich wohl mit dem neuesten Buch 'Der Klang der Familie', welches die zeitlich am weitesten zurück liegende Phase abdeckt: vor und insbesondere nach dem Mauerfall 1989. Die Autoren Denk und von Thülen haben Zitate aus zahlreichen Interviews zu einer sehr schön lesbaren Collage vereint. Mit diesem Buch erhält man ein lebhaftes Bild der Anfänge. Back to the roots.


Nach einer Verschnaufpause, die wird für die Lektüre des zweiten Buches nötig sein, folgt Anja Schwanhäußers Ethnografie der Szene: 'Kosmonauten des Underground'. Die Autorin leistet eine wunderbar tiefgreifende Beschreibung eines sehr relevanten und charakteristisch prägenden Teils der ganzen Berliner Szene für elektronische Musik: der im Stadtraum umherschweifenden, driftenden Akteure des Techno-Underground. Eindrücklich wie sie Fäden verknüpft - Urbanität, Postmoderne, Bourdieu und das Neue Kleinbürgertum, Drogen, Subkultur. Man könnte die Aufzählung noch lange weiterführen. Ein fantastisches Buch, basierend auf ihrer Dissertation an der Humboldt. Nach der Lektüre hat man ein reiches und wertvolles Verständnis der Szene. (P.S.: was zur Abrundung aus heutiger Sicht fehlt ist sicherlich das schwule Element. Ostgut/Berghain und so.)


Damit kann nun das letzte und zweifellos bekannteste der drei Bücher in Angriff genommen werden. Es stammt vom angesehenen Journalisten Tobias Rapp und beschreibt vorwiegend die Entwicklungen der Nullerjahre. Natürlich kann man das leicht verdauliche und unterhaltsame Buch 'Lost and Sound' auch für sich genommen lesen. Im Dreierpack jedoch rundet sich das Bild erst richtig ab. Denn: wir reden von einer kontinuierlichen Entwicklung. Eines geht ins Andere. Alles macht Sinn.


Nach der Darlegung der Anfänge, einem detaillierten Blick in die Seele der Szene sowie einer Fortschreibung der Entwicklungen in den 2000er Jahren will ich nun versucht sein, ebenfalls einen den Zeitgeist fassenden und daran anknüpfenden, bedauerlicherweise bescheidenen Beitrag zu leisten: die Koordinierung und Regelung der Clubszene im Spannungsfeld der städtischen Entwicklung. Die Troika von Clubbetreiber, Politiker und Beamten - mit dem vermeintlichen Intermediären zwischendrin. Denn eins ist klar: Berlin befindet sich im stetigen Wandel. Die Stadt wird bürgerlicher und die Szene, die einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Herausbildung des famosen Neuen Berlins hatte - und immer noch hat - sieht sich, wieder mal und in zunehmendem Maße, bedroht. Im Hintergrund sprechen wir von Kämpfen um und Spielen im Stadtraum. Was passiert, was ist zu tun?

Mittwoch, 23. Mai 2012

Berlin Beatmakers


Ab Mitte der 90er Jahre bis zirka 2002 galt meine musikalische Aufmerksamkeit - nachdem ich aus der Thunderdome-Hardcore-Ecke kam - überwiegend dem HipHop. Nicht nur, denn der hundertprozentige Fokus auf eine Musikrichtung war mir noch nie möglich. Doch prägten diese Musik sowie die damit einhergehenden Verhaltensweisen und Modeerscheinungen ganz wesentlich mein Leben. Man kann es auch anders ausdrücken, weniger affig: Ich sah aus wie ein Vollpfosten, mochte Wu-Tang und wollte meine gefälschte Rolex eines Tages durch eine echte ersetzen.

Irgendwie verschwanden diese Neigungen mit der Zeit. Schliesslich durchläuft auch ein Berner Oberländer unterschiedliche Identitätsphasen, auch wenn das für den Städter zuweilen unwahrscheinlich erscheinen mag im Angesicht eines Menschen aus den Bergen. Wie dem auch sei, die Lebenswelt des HipHop und die meinige hatten, so durfte ich seligerweise erkennen, in zunehmendem Maße etwa gleich viel gemein wie Franz und Hans. Jeder weiss demnach wie die Antwort lautet: Nichts.

Doch es kam wieder anders auf der ewigen Achterbahnfahrt des Lebens. 2003 uahaha! Ich war in Barcelona, Sonar Festival. Dort ging ich in einen Plattenladen und bat nach der Empfehlung des Hauses. Man gab mir das erste Album von Little Brother und ich war sofort wieder 'totally in the game dude like really, awesome'. Das Album war wie eine Erleuchtung. Es gibt, so durfte ich feststellen, auch - wie soll ich sagen - smoothen HipHop. Hatte ich in der Source irgendwie nicht mitgekriegt.

Seither höre ich zwar auch immer wieder mal Gangster-Bretter. Doch meine Seele fühlt sich, da gibt es keine Zweifel, insbesondere von den Produktionen von Little Brother, Pete Rock, J Dilla, Teebs und Konsorten geschmeichelt. Wen erstaunt es: ich komme von den Heiligen Höhen der Alpen, nicht aus dem Märkischen Viertel. Bei uns gab es keine Gangster sondern friedliche Kühe. Ja, spannend, ich weiss.

Jetzt komme ich zum Punkt, versprochen! Ich dachte seit Jahren: Mit dem deutschen HipHop kannst du nicht ernsthafterweise eine längere und innigere Beziehung aufbauen mit einer Seele wie der meinigen. Zu prollig, zu hart, zu lustig, zu wtf. In den letzten Jahren lag mein Blick vor allem auf Los Angeles. World Beatmaker Capital. Jetzt aber weiss ich seit kurzem, dass auch hier in Berlin sehr nüchterne Beats produziert werden. Es scheint sogar so etwas wie eine Szene zu geben, vielleicht?! Jedenfalls gibt es nicht nur Low End Theory sondern es gibt/gab auch BeatGeeks - regelmässig im Monarchen am Kotti in Kreuzberg.

Check 'em out y'all. Etwa Dexter mit seinem Beitrag für die Serie Hi-Hat Club. Er stammt zwar glaube ich aus Heilbronn, seine Beats sind jedoch so gut das könnte auch Berlin sein. Sorry.


Oder hier der vermeintliche Beatmaker-König Berlins: Suff Daddy. Er trägt immer das selbe Padres-Cap und macht klatsche Beats. Aktuelles Album: Suff Sells. Cheers!


Weiter geht es mit Flako. Er ist meines Wissens Chilene, lebt jedoch auch hier in Berlin. Sein 2011er Werk The Mesektet klingt dope! (P.S. Bleibe heute in der Sprache der Szene. Für die Creds.)


Wie gesagt, ich bin mit diesen Produzenten noch nicht lange vertraut. Es gibt wahrscheinlich noch einiges zu entdecken, viele Namen dürften hier dementsprechend noch fehlen. Ein spannendes Label ist auf jeden Fall Melting Pot Music. Und ein aktuelles Interview mit Suff Daddy gibt es hier:


Warum nur muss er über Berlin-Hipster ableiern? HipHop ist doch der neue Hipstersound. Wir gehen alle ins Bäreneck und jammern. Golf Wang ASAP was wosch de mann? Roll a phat one.

Samstag, 19. Mai 2012

Swag Update


Zurzeit bleibt mir nicht viel Zeit für Berlin und ich habe dementsprechend, frankly speaking, nahezu nichts zu berichten. Dann sollte man die Klappe halten, ich weiss. So will ich denn auch nicht viele Worte verlieren. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn wie man erahnt: das Bild ist sowieso das wichtigste Mittel der virtuellen Identitätsproduktion. Deshalb ein kurzes Berlin-2012-Swag-Update.

Der Sneaker für 2012.


Mittlerweile nutze ich Spotify auch - musste ja auch hören, dass tout Berlin schon damit Musik hört. Ich könnte jetzt hier über mehrere Absätze referieren, wie ich Musik mit Spotify moralisch vertretbar zu hören gedenke. Vor allem könnte ich auch ein Gebot formulieren, weshalb auch DU so agieren solltest. Aber was hat das noch mit Swag zu tun?

Den Swag maximieren tun jedoch die folgenden drei elektronischen Alben sowie die Numero-Zusammenstellung 'Personal Space'. Sensationelle Musik und großartiges Artwork! Ebenfalls auf den Olymp gehört das neue Album von Claro Intelecto: 'Reform Club'. Alle Scheiben gibt es auch bei Spotify zu hören.





Schuhe, Musik - was fehlt jetzt noch? Klar: ukrainischer Birkenvodka von Nemiroff. Den kriegten wir vorgestern in einem russischen Restaurant in Berlin serviert. Exzellent! Immer eiskalt trinken. Was die Äpfel auf dem Foto zu suchen haben ist mir allerdings ein Rätsel. Pur nur.


Donnerstag, 10. Mai 2012

Berlin Springtime 2012 Lunch Break Series


I am totally into Conceptual Art. Like, really. Do you dig Beuys? I don't, really. I hate his pieces of fat. That is disgusting. I love Bruce Nauman though. Why? He lives in New Mexico - I wish I'd live in the desert, too.

Das Konzept? Ehm. Wtf. Ich bestreite allerdings nicht, dass es Konzepte gibt. They might be recorded somewhere on a MiniDisc-player in outer space.







Konzeptessen, identisch arrangiert, mittags, Berlin only, April und Mai. Plate by IKEA of Sweden, food by BB, photography by CLH. Listen to 2080 and feel the art.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Berlin Mayday


Three pictures out of Berlin-Kreuzberg Mayday 2012. Massive vibes!




Eigentlich ist der 1. Mai als Tag der Arbeit ein Anlass zu politischen Kundgebungen. In Teilen Berlins (allen voran Kreuzberg) werden oft von linken und linksradikalen Gruppen Demonstrationen veranstaltet. Dabei kommt es regelmäßig sowohl am 1. Mai als auch am Vorabend (Walpurgisnacht) zu teilweise erheblichen Randelen und Ausschreitungen. Hauptthema in der letzten Zeit war meines Erachtens die vermeintliche Gentrifizierung Berlins: Ärmere Haushalte werden dabei aus ihren angestammten Wohnvierteln durch zahlungskräftigere Zuzügler verdrängt.

Seit einigen Jahren wird nun eben auch massiv gefeiert - unter dem Motto "Tanzen statt Seine werfen!" Man kann davon halten was man will. Ich als kritischer Betrachter der Stadt bin ambivalent eingestellt zu dieser Entwicklung, sage aber jetzt hier weiter nichts dazu. Think about it! Ist nur Tanzen die Lösung oder sind Steine nötig? Braucht es überhaupt eine Lösung? Für was eigentlich? Peace, Love & Unity.

Sonntag, 22. April 2012

Catch the fire!


Fünf Mixes nur für dich:

Heiko H. Gogolin mit Sincerely Yours. He calls it folkstep, I call it tasteness.

Weiter mit einem HomeCookin' Mix. Psychedelisch und so, wa? Supa dupa!

Nun F. P. (mein Gott hat der Stil!) mit Ready 4 Airplay. Early 90s Yachtness Soft Rock Southern California Love. Loving Arms forever! Country Music forever! USA forever.

Jetzt Teshcast von Yor. Von Julia Holter über Omar S und Claro Intelecto zu Throbbing Gristle. Nuff said. Seth Troxler sagte, zu recht: "In Germany, they can't say 'Techno', they say 'Teshno'.

Schlussendlich Night's Fallin von Elin. House! Catch the fire.


Sonntag, 15. April 2012

Jacob Bloom Spotted!


I spotted Jacob Bloom in Berlin! He is a young beat-maker out of Switzerland. Check out his first two productions on the iPad right here on Soundcloud. He's gonna be big in 2014 - you heard it here first! Watch out for more.






We just chillin'.

Sonntag, 1. April 2012

Neukölln Hardcore


HC Punk Abrissboys Neukölln Night Out!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



Dirty Dancing Dinosaurs (Trashpunk, Berlin)







Doofe Kurzvideos zu den beiden anderen Bands: Dismembers (Hardcore, Berlin) und Bucket Flush (Hardcore, West Philly). Beim zweiten Video war ich leider nicht mehr fähig die Aufnahme scharf zu stellen... Ist aber vielleicht auch besser so. Whatever dude.

Montag, 26. März 2012

Urs Blank im Berliner Forst


Gestern waren wir am südöstlichen Stadtrand von Berlin im Wald. Ich glaube, das waren Kiefern. Aber ich bin ein miserabler Dendrologe - es ist zum Heulen.


Geistig schon halbwegs im sandigen Berliner Boden versinkend, musste ich augenblicklich an Martin Suter denken. Gehe auch du unter Bäumen wandeln und lese "Die dunkle Seite des Mondes".

Dazu rate ich
- im Gehölz verweilend den Klängen des Waldes zu lauschen,
- im Sessel hängend den Mythologien dieses Mixes zu folgen.

Urs Blank ist der vermutlich beste Name der Welt.

Sonntag, 4. März 2012

SV Babelsberg International


Gestern Samstag war ich, ganz Mode- und Schönwetterfan, endlich wieder bei einem Spiel des SV Babelsberg 03. Leider gibt es über das Spielgeschehen kaum etwas zu berichten. Ich kann mich, ehrlich gesagt, an keine einzige gefährliche Torchance der Gastgeber erinnern und auch der Spielaufbau hatte im wahrsten Sinn des Wortes Sand im Getriebe; 3. Liga Glamour. Die Gäste aus Chemnitz wiederum verzeichneten immerhin einen Lattenschuss. Zu mehr reichte es aber, erfreulicherweise, auch ihnen nicht. Wer nun 1 und 1 zusammenzählt weiß, dass daraus 0 und 0 resultiert. Herrlich logisch, nicht wahr?

Interessanter war es auf den Rängen. Diese Globalisierung ist einfach bemerkenswert: sie erreicht heutzutage - Vladimir Putin mag es immer noch nicht glauben - nicht nur russische Städte und Steppen (Gott segne sie!), sondern auch die Niederungen des europäischen Fussballs. Auf der Babelsberger Nordkurve hört der gepflegte Biertrinker die folgenden Sprachen gegrölt: Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und, ohne Kohl, Deutsch! Und ich spreche nicht von den Sprachen der Zuschauer, die sprechen meines Ermessens alle Deutsch oder eine dieser Sprache verwandte Ausdrucksweise. Ich spreche von den Chorälen der Fans.

Aber eben, die Kurven werden ja auch kaum mehr von Kutten dominiert. Die sucht man im 152. Todesjahr meines geliebten Schopenhauers vielerorts vergeblich. Heute stehen nach Italien schielende Ultras neben von England inspirierten Casuals, Hools und Fools. Und mittendrin: die von Südamerika träumenden Pazifisten und Antifaschisten. Nur eins erklärt sich mir einfach nicht auf Anhieb: weshalb um Himmels Willen Französisch? Ist es die Revolution? Ist es vielleicht die Liebe zum französischen Duschen? Oder gar die Hoffnung auf Francois Hollande, der, ich kann es kaum fassen, nur noch halb so schwer ist wie damals, als er noch mit Ségolène verheiratet war. Und noch was: warum kein Russisch? Ist das vielleicht auf der Ostkurve en vogue? Davai 03! Und beim nächsten Mal sollte ich vielleicht auch ein Berner Lied anstimmen.

Aus den Stadien in Italien oder England oder Russland kenne ich diesen babylonischen Sprachenknäuel nicht. Dort singt man, wenn ich mich nicht irre in meinen greisen Tagen, einfach in der Landessprache. C'est tout. Ich kenne das sonst nur aus der Schweiz, und dort fand ich es verständlich weil wir so ein kleines und daher oftmals auch nach außen orientiertes Land sind. Wir müssen uns Inspirationen quasi aus dem Ausland holen, oder sie werden durch Immigration zu uns gebracht, v. a. aus Italien. Aber warum singt Babelsberg in fünf Sprachen? Wie dem auch sei, gestern gegen Chemnitz war diese kosmopolitische Kurve auf jeden Fall besonders wohltuend. Und dann hing dort im Westen auch noch ein Banner der Bulldogs vom GCZ. Oje.

Leider habe ich keine Fotos. Das Spiel war wie gesagt nüscht. Aber die teilweise herrlichen Leute hätte ich gerne fotografiert. Habe mich aber nicht getraut und deshalb gibt es jetzt  fünf zufällige Fotos und drei göttliche Listen.






Drei Mixes die ich gerade höre: Bossa Nova and beyond from Brazil, Soft Rock und Yachtness aus den USA sowie Bass Musik von der Insel.

Drei Tumblrs: Substance, Minimal Me und Newy-rk.

Zur Förderung hypnagogischer Erfahrungen oder zum Spliff oder so, mir egal: Grouper, Big Deal, Washed Out.

Freitag, 10. Februar 2012

Get Deep


Ich bin oft mit der Berliner S-Bahn unterwegs. Dabei lese ich den Economist oder ich höre Musik - entweder oder, in der Regel. Dies sind drei aktuelle elektronische DJ-Mixes, die mich dabei durch das winterliche Berlin begleiten. Ich lasse die Musik unkommentiert für sich sprechen.


Im Wedding mit John Osborn.


Am Ostkreuz mit Edward.


Am Hauptbahnhof mit Linkwood.

Montag, 23. Januar 2012

Cosmic Yacht


Im Dezember habe ich für meine Freundin ein Mixtape zusammengestellt. Und weil ich weiss, dass mein Bruder auch etwas mit Musik am Hut hat und ein herrlicher Pleger ist, habe ich es ihm später auch geschenkt. Er hat die Zusammenstellung nun seligerweise in das digitale, internet-fähige Format veredelt und hochgeladen. Du kannst sie hier hören!


Die Musik ist gemacht für die kosmische Yacht. Sie ist für (Neo) Hippies und "Mötter"; stark beeinflusst von Schopenhauer, C. G. Jung, Tree of Life, Urs Blank, Psychemagik (!) und dem wunderbaren Blog AOR Disco. Gewidmet meiner Freundin und meinem Bruder.

Montag, 16. Januar 2012

Loftus Hall Berlin


Letzten Freitag ging ich aus. Das ist eine Schlagzeile wert in diesen Zeiten intensiver Introspektion und auf geistige Routen beschränktes Reisen. Anlass war nicht nur der Besuch von zwei Freunden, sondern ebenfalls die Eröffnung eines neuen Clubs vor ein paar Monaten. Der Name des Clubs: Loftus Hall. Zuerst ein paar keineswegs zynische Worte zur Oberfläche, danach zum Hintergrund.

Wie ich gelesen habe bezieht sich der Name auf ein gespenstisches Schloss in Irland. Ich weiss nicht genau wie die Betreiber auf diesen Namen kommen. Entweder sind sie Iren oder Mystiker oder beides, was ja auch nicht verwunderlich wäre bei diesen verrückten Kelten.



Wie dem auch sei. Der Eintritt ist mit sechs Euro an diesem Abend das, was man üblicherweise fair nennt. Die Getränke sind vernünftig und das Rauchen ist erlaubt - um nicht zu sagen erwünscht. Über das Publikum lässt sich spekulieren, dass es (Stand Januar 2012, Änderungen sind zu erwarten) vornehmlich in der Umgebung wohnt, in Kreuzkölln also oder Neukreuz wie ich es smarterweise zu nennen pflege. Studentisch, dezent alternativ und international könnte man die sympathische Gemeinschaft ebenfalls beschreiben. Der Frauenanteil war an diesem Abend nicht besonders Achtung gebietend, jedoch bei weitem auch nicht armselig, wie das bedauerlicherweise oft genug bei Anlässen der elektronischen Musikszene der Fall ist oder zumindest war. Apropos Musik: Tanzmichmal war der zweifelhafte Name des lokalen DJ-Kollektivs. Ich muss ehrlich sein, ich fand sie öde. Aber das liegt natürlich an meiner psycho-sozialen Verfassung. Doch dazu unten mehr.

Trefflich in der Loftus Hall sind insbesondere zwei Dinge: die Beleuchtung und das Interieur.  Über ersteres will ich nichts sagen, denn ich habe nur noch ein paar Minuten bevor ich meine abendliche Suppe zubereiten will. Das Interieur aber ist von folgender Beschaffenheit: Holzvertäfelung, Gardinen, schummriges Licht, Plastikpflanzen, erbärmliche Möbel. Mit einem Wort: super. So sieht das aus:



Ach Gottchen, da ist mir ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Das oben ist nicht die Loftus Hall in Kreuzkölln. Das ist der Sternen im Schweizer Simmental. Links im Bild sitzt der herrliche "Schibä", ein Weissenburger Urgestein und Experte für Kräuter. Wir waren gemeinsam Bier saufen im Dezember, göttlich. So sieht die Loftus Hall tatsächlich aus:


Nun also ist es soweit. Der Sternen in meinem alpinen Heimattal oder die Berliner Arbeiter-Eckkneipe lassen sich visuell nicht mehr von einem hippen Club unterscheiden. Das musste ja so kommen nach Jahren der Fokussierung auf Industrie. Was sagt uns das? Ich weiss es nicht. Aber vermutlich hängt es mit einem gesellschaftlichen Megatrend zusammen. Die Sehnsucht nach dem Warmen, Überschaubaren; aber auch der schon seit einiger Zeit grassierende Retrowahn. Beschreiben kann ich das nicht, besonders nicht unter Zeitdruck wegen meiner Suppe. Aber ich weiss, dass es für mich alles zusammen passt: Kapitulation des Rationalismus, Schopenhauer, Loftus Hall, Hipster und ihre gänzlich unfuturistische, sondern nostalgische Garderobe. Und wenn man den Faden weiterspinnen will wird Sherry das nächste It-Getränk. Oder ist es das etwa schon und ich Stubenhocker habe es bloss nicht mitgekriegt?

Was mich an dieser Entwicklung bei aller Freude besorgt ist, dass die traditionellen Kunden von Lokalen, die nun eben aussehen wie die Loftus Hall, von einer Plage von Studenten und Hipstern verdrängt werden könnten. Fallbeispiel: Das Bäreneck in Neukölln. Vor zwei Jahren ging man rein, schämte sich und soff sein Bier und war der einzige Nicht-Stammgast. Heute gehst du rein und guckst Fussball mit einer wachsenden Zahl von Jungen sowie den Stammgästen. Ein Idealzustand, eine glänzende Mischung der sozialen Schichten und Schnauzen. In zwei Jahren gehst du rein und es gibt keine Stammgäste mehr - ihr zweites zu Hause wurde ihnen von den Conquistadores weggenommen, die Gardinen dienen nicht mehr dem Sichtschutz sondern verkommen zum bloss noch ästhetisch wertvollen Retrogegenstand.

Ach ja, wie gesagt: Ich fand den House der Tanzmichmal etwas öde. In diesen prächtigen Räumlichkeiten bevorzuge ich Psychemagik. Die runden das Bild ab. Und nicht das ich falsch verstanden werde: ich liebe die Loftus Hall!

Sonntag, 18. Dezember 2011

Wohnzimmerkonzert mit Blomstre


Impressionen vom Abschlusskonzert der ersten Wohnzimmerkonzerte-Tour von Blomstre und  Starlight Through the Rain. Wir schreiben den 17. Dezember 2011 in Bern.






Am Sonntag fällt der Schnee. We just chillin.