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Sonntag, 8. April 2012

Barockes Dresden


Kürzlich waren wir in Dresden oder - wie man die Stadt auch kennt - der Faust des Ostens. Hier geht es massiv hart zur Sache, vor allem in Gorbitz, which sucks as they say.

Ein Kommilitone war so galant, uns am ersten Tag des Aufenthalts seine Heimatstadt zu zeigen. Den zweiten Tag verbrachten wir dann im historischen Zentrum der Stadt. Hier ist ortskundige Betreuung weniger von Nöten und so konnte der Gute weiter reisen in die Sächsische Schweiz. Herrlich muss es sein dort, das verrät schon der zauberhafte Name.

Allzu viel möchte ich jetzt nicht schreiben. Es ist Ostern und damit Zeit zu Ostern. Uahaha, logisch, nicht wahr? Deshalb ein Kommentar im Allgemeinen und ein paar Anmerkungen zu den Fotografien im Speziellen. Im Allgemeinen: Dresden hat einen schönen Stadtkern, darum herum aufgrund seiner bewegten Geschichte eine interessante und aufschlussreiche städtische Bebauung, die Stadt liegt recht charmant im Elbtal, wird bewohnt von herrlichen Sachsen und ist das perfekte Ausflugsziel für betagte Bildungs- und Kulturbürger. Also nichts wie hin. Und, fast hätte ich es vergessen: Dynamo Dresden heisst der lokale Fußballverein. Die Stadt liebt ihn, andere bevorzugen den SV03. Abrissboooooys! P.S. Die Kaninchen und das Rassegeflügel überzeugen durch Ausstrahlung und Abstammung.

Nun zu den Bildern. Auf den ersten beiden Abbildungen ist der Innenhof des Zwingers ersichtlich. Dieser Gebäudekomplex ist, sofern ich das aufgrund meiner bisherigen Erfahrung beurteilen kann, eines der prächtigsten Beispiele des Barock. So will ich mal mein Haus im Grünen bauen, herrlich.



Die nächste Fotografie zeigt ziemlich genau das, was dieser Canaletto, ein venezianischer Künstler, um die Mitte des 18. Jahrhunderts gesehen und mit beträchtlichem Talent gemalt hat: das barocke Dresden. Einladend ist auch der Gleithang der Elbe. Für das Foto musste ich etwas Geduld beweisen - ständig rannten alles andere als barock gekleidete Jogger durch das Bild. Das sind die Probleme der Ersten Welt.


Der hohe Kuppelbau links im Bild oben gehört zur bekannten Frauenkirche. Wer die Details über dieses Bauwerk erfahren will braucht nicht hier zu suchen sondern geht zu Wikipedia, zum Beispiel. Unten ist sie auch ersichtlich. Die protestantische Kirche wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges durch Bombenangriffe zerstört und wurde 2005 wiedereröffnet. Auffällig sind die einzelnen, durch ihre dunklere Farbgebung optisch erkennbaren Steine. Dies sind originale Trümmersteine.


Prinzipiell bin ich kein Verfechter von Rekonstruktionen alter, zerstörter Gebäude. In diesem Fall mache ich aber gerne eine Ausnahme. Flankiert wird der barocke Prachtbau übrigens von nur auf den ersten Blick alt aussehenden Wohn- und Geschäftshäusern. Auch diese Gebäude wurden nach der unvorstellbaren Zerstörung des Krieges historisierend neu gebaut.


Yeah Yeah Yeah: To Each His Own! Übrigens habe ich im großen Bildungstest der ZEIT nicht besonders brilliert. Hier meine Ergebnisse, wobei man je nach Anzahl richtiger Antworten Laie, Könner oder Experte sein kann: Politik -> Laie, Feuilleton -> Laie, Magazin (Gesellschaft, Lifestyle) -> Könner, Wissenschaft -> Könner, Reisen -> Könner,  Wirtschaft -> Experte. Anzumerken ist, dass ich nur dann geraten habe, wenn ich dachte ich läge womöglich richtig und wenn ich zum Beispiel zwei von vier möglichen Antworten ausschliessen konnte. Hatte ich bei einer Frage keine Ahnung, dann habe ich nicht geraten, denn das hat nichts mit Bildung zu tun und würde daher die Resultate zwar zu meinen Gunsten verfälschen, sie aber halt trotzdem verfälschen. Ich bin ehrlich und das ist löblich! Kränken tut mich höchstens das Resultat im Feuilleton; deutsche Innenpolitik interessiert mich hingegen einfach zu wenig. Ich wusste etwa nicht, welcher von vier bekannten Herren nur eine Oper, hingegen aber viele Sinfonien komponiert hat. Es ist Beethoven! Dabei lese ich das scheiss Feuilleton meistens. Ich muss noch an meiner Zugänglichkeit zur Hochkultur arbeiten. Vielleicht sollte ich nochmals nach Dresden in den nächsten Wochen...

Freitag, 6. April 2012

Faust des Ostens


Dresden-Gorbitz, White Russian, Henkell an der Hotelbar, Rassegeflügel, Faust des Ostens.







Samstag, 25. Februar 2012

Cityscapes: Cairo


Mein Kumpel Renard war auf einem Fieldtrip in Ägypten. Er hat ein paar ausgezeichnete Fotos gemacht.






Sonntag, 12. Februar 2012

Cityscapes: Busan







Die Fotos - aufgenommen von verschiedenen Fotografen - stammen von skyscrapercity.com.

Dienstag, 31. Januar 2012

Stadterneuerung und -erweiterung: Amsterdam


Reurbanisierungen von mehr oder weniger innenstadtnahen Industrie- und Gewerbebrachen sind zumindest in Westeuropa gegenwärtig von immenser Bedeutung. Innerhalb von sagen wir mal zwei bis drei Jahrzehnten erhalten zahlreiche relevante Städte (zum Beispiel auf dem Städteband Kopenhagen - Hamburg - Amsterdam - Rotterdam) ein teilerneuertes Gesicht. Besonders interessant daran finde ich u. a. die relativ kurze Zeitspanne, in welcher diese ambitionierten Stadterneuerungen und -erweiterungen realisiert werden. Dies dürfte es bereits in naher Zukunft ermöglichen, auf eine relativ kompakte städtebauliche Phase zurückzublicken. Wie wird man darüber urteilen? Werden diese Entwicklungen ein ähnlich schlechtes Image erhalten wie beispielsweise viele Objekte der Nachkriegsarchitektur der 50er und 60er Jahre - kalt, gesichts- und herzenslos, "verslumt", abgegrenzt? Oder werden die Gebiete zu prosperierenden und begehrten Stadtlagen? Ich will hier nun weder eine allgemeine Hypothese aufstellen noch ein erstes Fazit ziehen, sondern, wie es schon Tradition ist auf diesem einfach gestrickten Blog, einzelne Projekte kurz portraitieren. Heute aus gegebenem Reiseanlass: Amsterdam.

Unten ersichtlich ist das 2005 in Betrieb genommene Muziekgebouw aan 't IJ der dänischen Architekten 3xNielsen. Wie der Name erahnen lässt handelt es sich dabei um ein Konzerthaus - meines Wissens für moderne und zeitgenössische klassische Musik (paradoxe Bezeichnung, aber ich wüsste nicht, wie ich es sonst beschreiben sollte). Der Seitenflügel mit der Aufschrift Bimhuis ist ein sehr bekannter Jazzclub und ich habe den Eindruck, dass die Parallelen zu den neuen Kulturhäusern (Operaen, Skuespilhuset) in Kopenhagen immens sind: allesamt typische und modische Beispiele für innerstädtische Reurbanisierung durch grosse Kulturveranstaltungsorte. Renard Teipelke, ein Kollege aus einem Praktikum in Berlin, hat das Thema auf einem anderen Blog bereits in allgemeiner Art und Weise aufgenommen. Hinter dem Leuchtturmprojekt, also in östlicher Richtung, erstreckt sich entlang des Wassers in den östlichen Hafengebieten ein langer Gürtel von zeitgenössischen Büro- und Wohnbauten. Als einzelne Objekte sind sie meines Erachtens relativ gelungen. Gleichzeitig riegeln sie das dahinter liegende Stadtgebiet ziemlich radikal vom Wasser ab.


Diesem Riegel vorgelagert sind Java und KNSM (Koninklijke Nederlandse Stoomboot Maatschappij oder so - steht für eine Schifffahrtsgesellschaft aus der guten alten Zeit; KNSM hatte hier ihren Sitz und ihre Docks). Nach dem Verschwinden der alten Nutzung besiedelten zuerst Hausbesetzer das Gebiet, in den 1990er Jahren wurde es dann wieder neu überbaut. Ich finde es dort heute mehrheitlich langweilig.

Schnell geht es aber über die Brücke nach Sporenburg und Borneo, ebenfalls Docks, wo früher vermutlich Waren aus den niederländischen Kolonien gelöscht wurden. Hier trifft der Stadtwanderer auf die städtebaulich sehr interessanten Meteoriten. Dabei handelt es sich um Superblocks inmitten kleinerer, jedoch sehr dicht nebeneinander gebauten Wohnhäusern (auf dem verlinkten Bild von Mimoa sind der "Whale" und "Pacman" zu sehen). Die Meteoriten bestehen aus jeweils mindestens 150 Wohnungen, wovon zahlreiche Einheiten Sozialwohnungen sind. Das erklärte Ziel dieser Bebauung dürfte somit nicht nur eine hohe Bevölkerungsdichte, sondern ebenso eine soziale Mischung der Bewohner sein. Wie der nachfolgend abgebildete Turm auf Sporenburg heisst ist mir nicht bekannt. Es ist aber saugeil. Genauso wie die Einfamilienhäuser an der Scheepstimmermanstraat.


Mit der Tram kann man von hier aus auf das Neuland IJburg fahren. Dieser Stadtteil entsteht seit zirka zehn Jahren auf neu geschaffenen künstlichen Inseln im IJmeer und soll in Zukunft Lebensraum für etwa 45'000 Menschen bieten. Dort zu wandern kann, wie in vielen anderen zeitgenössischen Stadtentwicklungsgebieten, manchmal ganz schön surreal anmuten (siehe nächstes Foto). Immerhin gibt es auf IJburg jedoch jetzt schon (!) zahlreiche Geschäfte und sogar einige Cafés. Letzten Freitag hat sogar ein DJ aufgelegt in der einen Yuppie-Spunte! Problematisch könnte hier aufgrund der Neugewinnung des Landes jedoch die Ökologie im IJmeer sein. But there is no such thing as a free lunch, man kann es nur immer wieder betonen.


Da auch Amsterdam aus allen Nähten zu platzen scheint wird nicht nur im Osten der Innenstadt entwickelt und gebaut. Besonders interessant ist gegenwärtig auch Amsterdam Noord. Auf dieses Gebiet komme ich vielleicht noch mal gesondert zurück, unterscheidet es sich zurzeit doch noch beträchtlich vom östlichen Hafengebiet und IJburg. Auf der Fahrt mit der Fähre vom Bahnhof in einen westlichen Teil von Noord passiert das Schiff aber beispielsweise das neue EYE Film Institute (das weisse Konstrukt im oberen der beiden Fotos) sowie die Westerdoks (Foto ganz unten). Während das Filminstitut von Delugan Meissl aus Wien wiederum ein prächtiges Beispiel für diese oben angesprochenen Kulturbauten darstellt, wirken die Gebäude in den westlichen Docks auch wiederum riesengross - verglichen v. a. mit den Gebäudestrukturen des Amsterdam aus der goldenen Zeit des 17. Jahrhunderts.



Meine beiden bevorzugten Bauten konnte ich nicht zufriedenstellend fotografieren. Es handelt sich um den Komplex auf dem Silodam (drei Bauten von 1898, 1952 sowie 2002) sowie die Kraanspoor. Die Holländer sind doch verrückte Kiffer Alter.

Montag, 30. Januar 2012

Mokum


Die letzten vier Tage war ich in Amsterdam. Auch du sollst die Erhabenheit der europäischen Stadt des 17. bis 19. Jahrhunderts erblicken und sie andächtig studieren.







Freitag, 20. Januar 2012

Cityscapes: Incheon


Beeindruckend dieser ostasiatische Optimismus: der Songdo International Business District im südkoreanischen Incheon wird fleissig gebaut, doch die Straßen sind noch leer (zum Vergrössern der Fotos einfach darauf klicken). Does it look like the future to you?




Die Fotos - aufgenommen von verschiedenen Fotografen - stammen von skyscrapercity.com.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Das andere Berlin


Ehe ich alles schon wieder vergessen habe - so läuft das mit meinem Kopf - möchte ich noch kurz über unseren sonntäglichen Spaziergang im Westen von Berlin berichten. Was heisst über den Spaziergang? Über das Gesehene und Ersonnene natürlich.

Wir entschieden uns, motiviert durch unseren Anspruch, jeden Bezirk mindestens einmal besucht zu haben, spontan für einen Ausflug nach Steglitz-Zehlendorf im Südwesten der Stadt. Man könnte auch schreiben: wir entschieden uns, in das andere Berlin zu fahren.

Vieles hier stammt aus der Zeit von 1900 bis 1910/1920; so auch unser Ausgangspunkt: der Bahnhof Berlin-Nikolassee. Das Gebäude würde man architekturhistorisch wahrscheinlich dem Historismus zuordnen, Wikipedia spricht trefflich von einer Bürgergotik. Herrlich - und wahr. 


Man staune nicht bloss über die wahnsinnige Architektur an sich, sondern ebenfalls über die Tatsache, dass man einen Bahnhof architektonisch so überschwänglich gestaltete. Offensichtlich hatte die Eisenbahn im Berlin dieser Zeit einen hervorragende Bedeutung. Anders lässt sich kaum erklären, dass ein Bahnhof aussieht wie eine Mischung aus Kirche und Schloss, traditionell Zentren von Ansehen und Macht. Aber nun gut, es war ja auch eine Zeit bürgerlichen Aufstrebens und massiver technischer Errungenschaften. Da kann ein Bahnhof oder eine Fabrik schon mal die Kirche oder das Schloss früherer Zeiten darstellen. Heute sind es ja die Bürotürme und Wohntürme grosser globaler Konzerne beziehungsweise rohstoffreicher und/oder prestigehungriger Städte. Wie dem auch sei: auf jeden Fall kein Vergleich zu dem beispielsweise gegenwärtig sich im Bau befindlichen Bahnhof am Ostkreuz, ein zweckmässiges und aktuelle Trends wie Transparenz wiederspiegelndes Bauwerk. Der Glanz der Bahn war ganz offensichtlich schon strahlender.

Schlendert man in östlicher Richtung durch die Strassen von Berlin-Nikolassee, präsentieren sich dem Flaneur derartige orts- und stiltypische Anblicke:


Die allermeisten Gebäude sind gross bis erschütternd gewaltig, aus meiner Sicht aber architektonisch oftmals misslungen. Allerdings, und das ist schon auch auffällig, sind die Range Rover bei weitem nicht repräsentativ. Viele der Autos entsprechen eher der kleinen bis mittleren Kategorie. Was soll das? Entweder sind die grossen Schlitten versteckt, oder aber die Dimension der Häuser passt in vielen Fällen heutzutage nicht mehr zur Dimension der Geldbeutel. Mit anderen Worten: die meisten solchen Häuser werden heute von mehreren Parteien geteilt, eher selten sieht man bei den Eingängen nur ein einziges Klingelschild und dafür mehrere dicke Schlitten. Die Häuser mögen also vielfach von zu Reichtum gelangten Grossbürgern gebaut und erworben worden sein. Aber was für 1910 galt, gilt nicht mehr unbedingt für 2012. Berlin geht es wirtschaftlich bekanntlich nicht blendend - in Frankfurt würden die Autos vor den Häusern vermutlich eher den Dimensionen der Häuser entsprechen. Abgesehen davon wüsste ich auch gerne, ob viele Leute, die es heute in Berlin zu Geld bringen, sich tatsächlich in dieser Gegend niederlassen wollen würden.

Sowieso stellte ich mir die Frage, wie die Leute denken und an was sie glauben; die Leute, die hier in Nikolassee oder Zehlendorf in einer Zwischenwelt aus Stadt und Wald leben. Mein Profil des typischen Bewohners, abgeleitet aus Landschaft, Architektur und Garten- sowie Grundstückszäunen, wäre: naturverbunden, traditionell bis konservativ in den Werten, interessiert an Geschichte und klassischer Bildung, nicht abgeneigt gegenüber der nicht allzu fernen städtischen Hochkultur (klassische Musikhäuser und Opern vor allem), auf Sicherheit, Ruhe und Besitzstandswahrung bedacht, mittleren bis höheren Alters, deutsch oder allenfalls russisch. Genau, Rechtsanwälte.



Nein im Ernst jetzt. Mir gefällt die Gegend - einerseits. Andererseits fühle ich mich in derartigen Gegenden manchmal etwas beunruhigt. Es wirkt alles fast zu harmonisch und vor allem zu homogen. Was versteckt sich dann hinter den Fassaden, wenn an der Oberfläche alles super ist?

Jedenfalls regt ein ausgedehnter Spaziergang durch die Pracht und Nostalgie im Südwesten Berlins zu allerlei Gedankengängen über die Stadt und die Welt an. Und am Ende erwartet den Erschöpften nochmals ein Höhepunkt der grundsätzlich schon reichen städtischen Bahnhofsarchitektur: der Bahnhof am Mexikoplatz in Berlin-Zehlendorf. Ein Prachtstück des Jugendstils! Und ein Symbol der Avantgarde für den aus Nikolassee eintreffenden Stadtwanderer.


Freitag, 13. Januar 2012

Cityscapes: Paris


Auch nach diesem Blogpost mit Stadtanblicken von Paris komme ich wieder zum Schluss, dass ich zurzeit - Meinungen können sich, Gott sei Dank, immer wieder neuen Erkenntnissen anpassen - ein großer Verfechter der zeitgenössischen europäischen Geschäftsviertel bin. Mit Geschäftsviertel meine ich, was man im Englischen mit Central oder International Business District oder teilweise auch mit Edge City bezeichnen würde. Es sind dies also die ab den 1980er Jahren ausserhalb der historischen Zentren der Metropolen realisierten Geschäftsviertel mit Hochhausbebauung. Das Beispiel aus Paris ist die nachfolgend ab dem dritten Foto abgebildete "Défense", in London ist es "Canary Wharf", in Moskau die "City".

Einer von mehreren Gründen, weshalb ich diese seelenlosen Verkörperungen des globalen Kapitalismus mag, liegt darin, dass sie meiner bescheiden ausgereiften Meinung nach den ökonomischen Wohlstand erhöhen. Zu erläutern, weshalb das zumindest unter gewissen Perspektiven so sein mag, führt an dieser Stelle zu weit. Für einen Einblick lese man das empfehlenswerte und schnell lesbare Buch "The Gated City" von Ryan Avent vom Economist. Ich hab es für das iPad im Apple Store für 1 Euro gekauft... Das - genau wie einen Drink mit der richtig dosierten Mischung der einzelnen Zutaten - nennt man fair.







Die Fotos - aufgenommen von verschiedenen Fotografen - stammen von skyscrapercity.com.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Cityscapes: Berlin (Part 2)


Meinen letzten Blogpost über Berlin (Grill Royal) schrieb ich am 5. Dezember des vergangenen Jahres, also vor über einem Monat. Was hat das zu bedeuten? Nun, ich war über zwei Wochen in der Schweiz. Und wenn ich in Berlin bin, dann sitze ich die meiste Zeit zu Hause, höre Musik, lese Bücher und Magazine, arbeite an meiner Masterarbeit, whatever. Abgesehen von einem Winter-Schlussverkauf-Ausflug in die gefährliche Mitte (Woolrich love! Missouri-Trailerpark-Wannabe!) war der Dezember mein Schopenhauer-Monat.

Unbedingt (!) empfehlenswert ist das Buch "Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie" von Rüdiger Safranski. Da berichtet ein Meister respektvoll und sensibel von einem Meister. Für Schopenhauer, der selbst Phasen seines Lebens in Berlin verbrachte, war die Stadt eine Sandwüste; besonders viele löbliche Worte scheint er für die deutsche Hauptstadt nicht zu finden.

Interessant finde ich - übertragen auf Berlin - ein von Safranski zitierter Reisebericht über Weimar aus der Zeit der Romantik. Dort heisst es: "Dem wallfahrtenden Kunstjünger, dem enthusiastischen Freunde der Musen geht bei seinem Eintritt in diese Stadt eine Zauberin voran, ihm erscheint Weimar herrlich, wie das schöne Heiligtum der Musen (...). Aber daran haben (...) Bauart, Häuser, Straßen und Verzierungen keinen Teil; dies ist das körperliche, jenes das poetische Weimar, das der Eintretende im Geist erschaut."

Ähnliches denke ich manchmal im Falle von Berlin, dass es nämlich von zentraler Bedeutung ist, sich dieser beiden (und anderer) Teile einer Stadt bewusst zu sein. Unseligerweise sind jedoch nicht alle "Eintretenden" dieser Anschauung des Poetischen mächtig, wodurch für jene ein ganz wesentlicher Reiz der Stadt verborgen bleibt. Hinsichtlich der körperlichen Schönheit kann es die Stadt - zumindest auf der großen, gesamtstädtischen Ebene - nicht mit Paris oder Rom aufnehmen. Hier bin ich jedoch abschliessend der Meinung, dass im gegenwärtigen Berlin eine bemerkenswerte Verbindung von körperlicher und poetischer Beschaffenheit der Stadt festzustellen ist. In anderen Worten: die spezifische poetische Beschaffenheit der Stadt ist untrennbar an die spezifische körperliche Beschaffenheit der Stadt gekoppelt. Beide Teile befinden sich gemeinsam in einem fortwährenden Tanz - zu den Klängen von "Flying Through the Fog" von Basic Soul Unit.






Die Fotos - aufgenommen von verschiedenen Fotografen - stammen von skyscrapercity.com.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Stadterneuerung: Zürich-West (Part 3)


Wie immer wenn ich in der Schweiz bin will ich ein paar Tage nach Zürich. Vielleicht macht es die Umstellung leichter; von der 3- oder 4-Millionen-Stadt Berlin über die "little big city" bis in die Berner Heimat. Eigentlich geht es ja bloss darum, dass ich diese Stadt einfach ziemlich gerne mag - es ist tatsächlich auch gefühlsmässig eine richtige Stadt, zudem in vielen Belangen eine der besten der Welt wie ich finde - und zudem ein herrlicher Mensch dort lebt. Gründe genug.


Von der Terrasse vor der Universität eröffnet sich ein sehr schöner Blick auf die winterliche Altstadt (oben) sowie gegen Westen (unten). Dort sieht man am Horizont den Prime Tower (PT), über den ich auf diesem Blog schon mindestens einmal berichtet habe. Bei meiner letzten Betrachtung des PT vor ein paar Monaten war ich noch der Meinung, dass mir dessen abstrakte Struktur als Solitär zu wuchtig sei. Ich hätte tendenziell für den Bau eines Clusters argumentiert. Inzwischen bin ich jedoch gegenteiliger Auffassung: gerade weil er so skulptural geformt ist verträgt er vermutlich keine nachbarschaftliche Konkurrenz. Ich kann mir eine lose Kette von Hochhäusern im Limmattal vorstellen, weniger jedoch einen CBD-Cluster oder ähnliches. Dies liegt aber nicht nur an der prägnanten Form des PT, sondern ebenfalls an der geringen Fläche Zürichs zwischen den Hügelzügen. Letztere bewirken überdies, dass eine  Gebäudehöhe von 100 bis maximal 150 Metern nicht überschritten werden sollte.


Ich denke, wir sollten in der Schweiz sehr vorsichtig sein mit dem Bau von Hochhäusern. Dies betrifft nicht nur die Architektur, sondern noch in bedeutenderer Art und Weise städtebauliche Überlegungen. Die Städte sind so kompakt, dass Hochhäuser - besonders, wenn sie so radikale architektonische Verkündungen darstellen wie der PT - schnell ein über lange Zeit entstandenes Gefüge abwerten oder sogar sprengen können. Im Falle des aktuell höchsten Gebäudes des Landes bin ich der Meinung, dass dies nicht geschieht; der PT liegt topographisch etc. an idealer Lage. Und aus manchen Winkeln und bei gewissen Witterungsbedingungen macht er in der Tat eine sehr gute Figur.


Ganz in der Nähe gibt es, wie ich hier ebenfalls bereits geschildert habe, zum Glück auch noch Areale, die nicht "entwickelt" wurden und statt dessen eine temporäre Nutzung erfahren. Einer dieser Orte ist das Restaurant Rosso, wo man vorzüglich und in Halbaffen wie mich ansprechendem Ambiente speisen kann. Denn es ist ja so: Türme wie den PT mag ich vor allem so lange gerne, wie ich nebenan in einem Restaurant wie dem Rosso oder in anderen einfacheren Lokalen einkehren kann. Befinden sich hingegen nur noch polierte Filialen in der Umgebung weicht die Entzückung rasch einer Ernüchterung. Und das wollen wir ja nicht, nicht wahr? Harmonie und Freude im Kosmos ist das Ziel.


Nun, am Dienstag hatten wir noch kurz die Gelegenheit, oben im PT ein Znüni zu uns zu nehmen. Das Restaurant, die Bistro-Bar und die Lounge sind natürlich alle in ziemlich vorhersehbarer Art und Weise ausgestattet. Schliesslich liegen in den Etagen darunter u. a. auch die Büros des Wealth Management der Deutschen Bank. Es könnte aber alles bedeutend schlimmer sein (das ist also quasi ein Kompliment, man berücksichtigt ja den Kontext nach Möglichkeit), und so wähnten wir uns beim Blick hinaus zufrieden in Russland. Dabei ist es doch nur Züri! Schebegäil.