Posts mit dem Label Kulinarisches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kulinarisches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 19. Mai 2012

Swag Update


Zurzeit bleibt mir nicht viel Zeit für Berlin und ich habe dementsprechend, frankly speaking, nahezu nichts zu berichten. Dann sollte man die Klappe halten, ich weiss. So will ich denn auch nicht viele Worte verlieren. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn wie man erahnt: das Bild ist sowieso das wichtigste Mittel der virtuellen Identitätsproduktion. Deshalb ein kurzes Berlin-2012-Swag-Update.

Der Sneaker für 2012.


Mittlerweile nutze ich Spotify auch - musste ja auch hören, dass tout Berlin schon damit Musik hört. Ich könnte jetzt hier über mehrere Absätze referieren, wie ich Musik mit Spotify moralisch vertretbar zu hören gedenke. Vor allem könnte ich auch ein Gebot formulieren, weshalb auch DU so agieren solltest. Aber was hat das noch mit Swag zu tun?

Den Swag maximieren tun jedoch die folgenden drei elektronischen Alben sowie die Numero-Zusammenstellung 'Personal Space'. Sensationelle Musik und großartiges Artwork! Ebenfalls auf den Olymp gehört das neue Album von Claro Intelecto: 'Reform Club'. Alle Scheiben gibt es auch bei Spotify zu hören.





Schuhe, Musik - was fehlt jetzt noch? Klar: ukrainischer Birkenvodka von Nemiroff. Den kriegten wir vorgestern in einem russischen Restaurant in Berlin serviert. Exzellent! Immer eiskalt trinken. Was die Äpfel auf dem Foto zu suchen haben ist mir allerdings ein Rätsel. Pur nur.


Donnerstag, 10. Mai 2012

Berlin Springtime 2012 Lunch Break Series


I am totally into Conceptual Art. Like, really. Do you dig Beuys? I don't, really. I hate his pieces of fat. That is disgusting. I love Bruce Nauman though. Why? He lives in New Mexico - I wish I'd live in the desert, too.

Das Konzept? Ehm. Wtf. Ich bestreite allerdings nicht, dass es Konzepte gibt. They might be recorded somewhere on a MiniDisc-player in outer space.







Konzeptessen, identisch arrangiert, mittags, Berlin only, April und Mai. Plate by IKEA of Sweden, food by BB, photography by CLH. Listen to 2080 and feel the art.

Sonntag, 29. April 2012

Dong Xuan Center


Vergangene Woche waren wir in Vietnam. Ja, das geht. Ziemlich easy sogar, mit der Tram in etwa 40 Minuten glaube ich. Vietnam liegt in Berlin-Lichtenberg und heißt hier Dong Xuan. Auf einem Teil des Areals des früheren VEB (Volkseigener Betrieb; Rechtsform in der DDR) Elektrokohle Lichtenberg befindet sich seit sechs Jahren ein vietnamesischer bzw. asiatischer Handelskomplex.




Der Markt befindet sich heute in Form von vielen einzelnen Geschäften in mehreren neuen, langgezogenen Zweckbauten. Die Läden führen unterschiedlichste Produkte niedriger bis niedrigster Qualität. Es gibt endlos viele Kleider, es gibt Schmuck, Taschen, Reisegepäck, Frisöre (Haarschnitt für Herren 6 Euro), Lebensmittel, Imbisse. Auch Plastikblumen:






Aber warum eigentlich Vietnam? 1980 schloss die DDR mit der Sozialistischen Republik Vietnam eine Vereinbarung ab, welche Vietnamesen die Möglichkeit eröffnete, als Vertragsarbeiter in der an einem Fachkräftemangel leidenden DDR zu arbeiten. In der Folge wuchs die Zahl an vietnamesischen Vertragsarbeitern in der DDR auf etwa 60'000 Personen. Das klingt für heutige Verhältnisse nach nicht besonders vielen Menschen, aber in der DDR war nur 1 % der erwerbstätigen Bevölkerung ausländischer Herkunft. Die Genossen aus Vietnam stellten dabei die mit Abstand größte Ausländergruppe dar.

Heute ist der relative Anteil der Vietnamesen bezogen auf die Gesamtzahl ausländischer Ethnien in Berlin deutlich gesunken. Kein Wunder also, dass aus Dong Xuan zunehmend, so scheint es zumindest, Dong Ali wird oder Mohammed Xuan von mir aus. Das Warenangebot betrifft das aber vermutlich nicht wesentlich.

Besonders interessant an Orten wie dem Dong Xuan Center sind meines Erachtens denn auch die Eingebundenheit dieser Räume in internationale, (spät) kapitalistische Warenketten. Wie kommen die Waren in die Regale in Berlin-Lichtenberg? Und auch: Wie sauber (politisch korrekter: formell/informell) sind die Geschäfte hier? In den Medien wurde jedenfalls auch schon von einem Zentrum der vietnamesischen Mafia und des Menschenhandels berichtet. Wandelt man durch die Hallen merkt man davon natürlich nichts - außer der bemerkenswerten Feststellung, dass die Autos bei den Hinterausgängen teilweise doch der gehobenen Preisklasse angehören. Aber das bedeutet natürlich nichts; ein Geschäftsmann im schwarzen Porsche Cayenne könnte etwa auch - ohne das der Kunde das bemerkt - zehn einzelne und unterschiedlich gestaltete Geschäfte im Center besitzen. Oder aber sein Kapital stammt aus dem illegalen Zigarettenhandel in der ganzen Stadt und wird hier zwischen Berliner Plattenbauten herrlich sauber gewaschen. You never know.

Wie dem auch sei: das DXC ist ein interessanter und spezieller Ort, der viele Fragen in den Raum stellt - an dem man aber auch ganz entspannt die köstliche vietnamesische Küche geniessen kann.



Sonntag, 15. April 2012

Untitled


Die letzten Tage nahm ich frei. Nachfolgend seien einige geistreiche Aktivitäten der Berliner Freizeit genannt.

Restaurant 3 Minutes sur Mer: Hier haben wir im modern interpretierten und stilsicher möblierten Bistro getafelt (Fotos hier!). Das Essen - ein Entrecôte begleitet von Pommes Pont Neuf und einem raffinierten Bohnenragout, gefolgt von einer wunderbaren Crème Brûlée - war sehr gut. Gleiches gilt für die Getränke: ein Kir Royal, stimmig kühler Roséwein sowie als besonderes Qualitätszeichen die umsonst servierte Karaffe Leitungswasser. Auch der Service überzeugte durch Freundlichkeit und Zuvorkommenheit, leistete sich jedoch auch einige kleinere Fehler, was aber sympathischer ist als tadelloser und distanzierter Service. Grund zum Nörgeln gab einzig unser Tisch. Als unbekannte Neugäste setzte man uns nach der telefonischen Reservation an einen der schlechtesten Tische des zugegebenermassen kleinen Lokals. Wir sind halt an der Torstrasse in Berlin-Mitte, schon klar. Sollte ich wieder einmal dort reservieren, werde ich meine Bitte mit den Worten beginnen, dass ich gerne einen Tisch für drei Mitglieder des Soho House Berlin haben möchte. Dann werden wir sehen, ob wir wieder in der Mitte des Raumes oder an prominenterer Lage platziert werden. Der vermeintliche Serien-Schauspieler war jedenfalls keineswegs besser angezogen als unsere Wenigkeiten. Nevertheless: Ich empfehle das Lokal. Merci Sünni!



Ausstellung Pacific Standard Time: Wir besuchten bei typischem Aprilwetter ebenfalls eine Ausstellung über Kunst im Los Angeles der 1950er bis 1980er Jahre. Die Ausstellung findet bis Mitte Juni im Martin-Gropius-Bau statt, ich empfehle sie - und ich empfehle Soft Rock. Zu den Höhepunkten zählen Architekturfotos von Julius Shulman sowie einige Gemälde von Ed Ruscha, David Hockney sowie Lee Mullican.

Ist das an dieser Stelle nicht schön? Es passt wie die Faust aufs Auge:


Aber lassen wir das.

Voo Kreuzberg: Ferner besuchten wir ebenfalls diesen Konzeptladen an der Kreuzberger Oranienstrasse. Voo zählt mit Sicherheit zu den schönsten Läden die ich kenne. Sie bieten in wunderbarem Raumsetting Kleidung und Schuhwerk u. a. von Wood Wood, Vibskov oder New Balance an; es gibt Magazine, Schreibwaren, Schmuck, Wohnaccessoires und ausgezeichneten Kaffee an der hauseigenen Bar. Gegönnt habe ich mir noch das Berliner Zeitdokument in Buchform: Freunde von Freunden. Ich empfehle sowohl den Laden als auch den Blog Freunde von Freunden.

Farbfernseher: Letzten Donnerstag legten in diesem kleinen aber feinen Kreuzberger Lokal unweit des Kotti Slow Hands und Eli von Soul Clap Platten auf. Dopeness! Am Montag 30. April kommt fast die ganze Gang ins Watergate.




Sonntag, 26. Februar 2012

Treptower Klause


Unser Viertel Alt-Treptow ist, man muss es zugeben, wahnsinnig langweilig. Nichts geht hier; oder noch nicht, müsste ich sagen, wenn ich denn bei einem Trendmagazin arbeiten würde oder mein Blog für Szenemenschen schreiben würde. Treptow ist im Kommen! Jein. Denn trotz aller alternativ-kulturellen Ödnis bestätigen Ausnahmen die Regel. Und diese Ausnahme kennt man hier als Treptower Klause, ein kleines aber feines Restaurant an der Karl-Kunger-Strasse.


Gestern waren wir dort essen, und das ist eine Notiz wert wie ich zu meinen geneigt bin. Wann geht schon jemand in Treptow essen? Wann fährt jemand für Badeferien in die Schweiz? Eben, niemand, niemals. Solche Geschehnisse von der Art eines Schwarzen Schwans sind höchst bemerkenswert. Auch wenn es hier, übrigens und unter anderem, auch einen Mexikaner gibt, der meistens sogar ziemlich gut besucht ist. Aber ich vermute, dass die Gäste beim Mexikaner Vorstädter sind, die hier am Wochenende essen kommen und dann zu Hause erzählen, sie hätten sich ins Berliner Nachtleben gestürzt - in einem stilvoll mit Plastikpalmen eingerichteten Restaurant mit Cocktails für 2,40 Euro etwa. Das geht völlig in Ordnung, klar. Ich stehe sogar insgeheim ja auch auf Kitsch und Trash, aber die Erläuterung dieser zunehmend ans Tageslicht tretenden Neigung führt jetzt zu weit.

Die Treptower Klause wird im Internet von Gastrokritikern schon mal beschrieben als Enttäuschung - was das Interieur betrifft, wohl verstanden. Wahrscheinlich fehlen die Palmen. Uns gefiel sie ausgezeichnet, diese reduzierte aber nicht abweisende, klassische aber nicht spiessige Raumgestaltung. Dazu liess die Gastgeberin Jazzmusik ertönen; Jazz der sehr ansprechenden und ungefähr folgenden Sorte:


Ist dieses Jazzstück nicht himmlisch, by the way? Nun, nicht nur Interieur und Musik wussten zu gefallen, sondern ebenfalls die Kernkompetenzen eines Restaurants überzeugten uns: Küche und Service. Wir gönnten uns, zur Feier des Lebens würde ich sagen, zuerst Aubergineninvoltini mit Walnussfüllung, Ziegenkäse und Kirschtomaten. Als Hauptspeisen folgten einmal ein gebratenes Filet vom Kabeljau mit Beilagen sowie einmal das Gulasch vom Uckermärker Weiderind mit Kartoffelgnocchi. Für Nachspeisen hatten wir, trotz vernünftigem Preis-/Leistungsverhältnis (schreckliches Wort eigentlich!), kein Geld mehr.

Dafür liessen wir uns noch Wein kredenzen. Und damit kommen wir auch schon zur Güte des Service, denn wir liessen uns unsere Weine entsprechend der Hauptgänge empfehlen. Mir wurde zu meinem Gulasch ein sizilianischer Nero d'Avola, genannt Colosi, angeraten. Und dieser Wein: wundervoll! Ich habe mir gleichen Abends nach ein paar Gläsern Grappa noch ein paar Flaschen bestellt zum vorzüglichen Preis von 7,19 Euro pro Flasche. Ein Rotwein mit 90 Parker-Punkten für 7,19, das ist vermutlich einer der höchsten Return-on-Investments meiner noch jungen aber doch schon erfahrungsreichen Karriere als Investor. Lasse auch du dich beliefern, hier. In den deutschen Supermärkten kriegt man kaum vernünftigen Wein.



Auch abgesehen von der Weinempfehlung wusste der Service durch dezente Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und ein Mangel an Blasiertheit sehr zu gefallen. Nur zwei kleine Punkte würde ich ausgesprochen verhalten kritisch äussern wollen. Erstens würde, wie so oft in Deutschland, die Hälfte des Öls für die Vorspeise ausreichen. Gestern in der Klause war es bei weitem nicht tragisch; im Unterschied etwa zu letztem Frühling auf der Ostseeinsel Usedom, wo mir fast das Herz stehen blieb beim Anblick von in Öl ertrunkenem Fisch auf meinem Teller. Zweitens würde der Treptower Klause mit ihrem Stil meines Erachtens ein Fokus auf saisonale Produkte sehr gut zu Gesichte stehen. Klar: Paprika, beziehungsweise Peperoni wie ich sie zu nennen pflege, schmeckt gut und verleiht Farbe, aber ich persönlich mag es sehr, im Februar etwas der Jahreszeit entsprechendes zu essen und mich auf die sommerlichen Gemüsesorten zu freuen. Alles zu seiner Zeit. Aber das ist natürlich kein wirklicher Kritikpunkt, sondern eher ein Gedankenanstoss vielleicht.

Nichtsdestotrotz kann man in Treptow einen sehr schönen gastronomischen Abend verbringen!

Mittwoch, 25. Januar 2012

City Chicken!


Eines meiner Lieblingsrestaurants in Berlin ist das City Chicken, ein arabisches und auf Hähnchen spezialisiertes Lokal. CC liegt an der Sonnenallee in Neukölln, seit ein paar Jahrzehnten die arabische Meile der deutschen Hauptstadt.

Die Spezialität des Hauses ist ein halbes Hähnchen mit Salat, Pommes, zweierlei Saucen (Hummus und Knoblauch) sowie Fladenbrot. Es ist fast nicht mit Würde zu beschreiben wie saftig das Poulet ist und wie köstlich die Beilagen schmecken. Mit einer Ausnahme: den Salat lasse ich, im Unterschied zu meinem Kumpel, in der Regel weg, womit sich der Preis von 5 auf 4,50 Euro reduziert. Ich bin gesundheitsbewusst, herrlich.


Der Genuss hört mitnichten beim Essen auf. Das CC ist zu jeder bisher von mir frequentierten Tages- und Nachtzeit gut bis bestens besucht. Und die Gäste spiegeln schon ziemlich schön den Stadtteil Neukölln wieder: Viele lebhafte, die arabische Sprache sprechende Immigranten und Secondos sowie zunehmend auch weniger laute, neue Neuköllner - also Studenten und dergleichen.


Ich fühle mich in Neukölln wohl. Hier ist: Großstadt, Realität, Welt. Auf der anderen Seite: wer bezahlt die Differenz zwischen den 4,50 Euro und dem wahren Preis? Ich vermute es sind in erster Linie die Hähnchen und die Umwelt. Irgendjemand bezahlt immer.

Sonntag, 1. Januar 2012

Eine gute Partie


Neujahrsgrüße und Félicitationen von den Traumschwiegersöhnen.



Das stilvolle und die Epoche prägende Silvesterprogramm dieser eine durchwegs gute Partie darstellenden Jünglinge: philosophische Lektüre, ein Bier saufen im Sternen, Abendessen im wunderbaren Restaurant Hirschen zu Erlenbach, gepflegte Konversation vor dem Kaminfeuer mit Moet & Chandon Imperial Champagner (rebellisch aus dem Weissweinglas getrunken - wer die Regeln kennt darf sie brechen). Danke M für die schöne Zeit.

Freitag, 23. Dezember 2011

La Vie Bourgeoise


Vorgestern hatte ich mich im Sattler, dem Kiezkiller-Café in der Berner Länggasse, mit einem guten Freund getroffen. Wir unterhielten uns gepflegt über die Schweiz und über Berlin. Einvernehmlich kamen wir zum Schluss, dass eine bemerkenswerte Besonderheit Berlins darin liegt, dass diese Stadt nicht komplett dem bürgerlichen Leben verfallen ist. Klar: die These, wonach Berlin auch in den nächsten Jahren eine zunehmende Verbürgerlichung erfahren dürfte enthält nur ein geringes intellektuelles Wagnis. Wenn man auf der einen Seite Schweizer Städte wie Bern und auf der anderen Seite Berlin anno 2011 vergleicht, sind die Unterschiede aber dennoch frappierend. Flaniert der Besucher durch Berner Gassen und Straßen sieht er kaum Objekte oder Menschen, die von einer vereinfacht gesprochen "bürgerlichen Gleichförmigkeit" abweichen. Als Indikatoren dieses Phänomens mögen Art und Beschaffenheit von Autos und Kleidern sowie aber auch von Frisuren und Gesichtsausdrücken herangezogen werden.

Uns beiden gefällt die Tatsache, dass "la vie bourgeoise" in Berlin zwar auch gelebt werden kann, überdies jedoch ebenfalls mannigfaltige Optionen für andere Lebensstile greifbar sind. Als Angehöriger einer "nicht-bürgerlichen Klasse" muss sich ein menschliches Wesen in Berlin zumindest keineswegs als Alien führen; die Palette an Lebensentwürfen ist breiter als in Kleinstädten und solchen mittlerer Größe. Ein Mensch, der nicht arbeiten will? Ein Mensch, dem die Aussicht auf eine vorgezeichnete Laufbahn Sorgen bereitet? Ein Mensch, der Mammut-Jacken kategorisch kritisiert? Ein Mensch, der am Sonntag lieber dem Techno huldigt und sich dafür bei niemandem erklären oder gar entschuldigen will? Dieser Mensch hat es dem Anschein nach leichter im grossen B als im kleinen B. Umgekehrt bietet natürlich das kleine B ebenfalls besondere Vorzüge, deren Diskussion jedoch nicht Gegenstand dieser Zeilen sind.

So ist denn ein ganz wesentliches Qualitätsmerkmal einer modernen westlichen Stadt der in ihr verfügbare Freiraum. Ein Freiraum, der nicht nur die räumliche Dimension umfasst, sondern in erster Linie eine "sozio-psychische" Dimension.

Nun muss ich zwecks der Vermeidung unseliger Missverständnisse anfügen, dass ich das bürgerliche Leben wiederum nicht zu verteufeln gedenke. Mögen zum Beweise dessen die folgenden Fotografien des gestrigen Tages gereichen; Fotografien, die "une journée bourgeoise et gracieuse" dokumentieren. Dazu gehören distinguierte Kleidung und ein ebensolcher Habitus, anregende Lektüre (zum Beispiel: "Thinking, Fast and Slow" von Daniel Kahnemann), der Gang in die örtliche Käserei, Rachmaninov, Speis und Trank sowie, natürlich und unverzichtbar, die gepflegte Konversation in der Nähe eines erheiternden Kaminfeuers.







Mittwoch, 21. Dezember 2011

Classic Bern


If you should ever plan to visit the lovely city of Bern in December I would deeply recommend the following classy activities. Start your day with a civilized walk in the historical old town. As the hours pass by you might want to drink something. Head to the Münster and order Glühwein. Its only tasty when hot so drink as fast as you can.



Hungry now? Move to restaurant Tramway. The patriotic cook here doesn't want to feed you, MF wants to kill you. Moreover, if you're lucky you will run into local high achievers such as this tremendously handsome young man.




After war (fight and win!) there is no better thing than a game of ice hockey. And of course some coffee and schnapps. Bern boasts the biggest ice hockey crowd in all of Europe with an average of almost 16'000 fools attending the home games.


You have now officially been pimped.

Stadterneuerung: Zürich-West (Part 3)


Wie immer wenn ich in der Schweiz bin will ich ein paar Tage nach Zürich. Vielleicht macht es die Umstellung leichter; von der 3- oder 4-Millionen-Stadt Berlin über die "little big city" bis in die Berner Heimat. Eigentlich geht es ja bloss darum, dass ich diese Stadt einfach ziemlich gerne mag - es ist tatsächlich auch gefühlsmässig eine richtige Stadt, zudem in vielen Belangen eine der besten der Welt wie ich finde - und zudem ein herrlicher Mensch dort lebt. Gründe genug.


Von der Terrasse vor der Universität eröffnet sich ein sehr schöner Blick auf die winterliche Altstadt (oben) sowie gegen Westen (unten). Dort sieht man am Horizont den Prime Tower (PT), über den ich auf diesem Blog schon mindestens einmal berichtet habe. Bei meiner letzten Betrachtung des PT vor ein paar Monaten war ich noch der Meinung, dass mir dessen abstrakte Struktur als Solitär zu wuchtig sei. Ich hätte tendenziell für den Bau eines Clusters argumentiert. Inzwischen bin ich jedoch gegenteiliger Auffassung: gerade weil er so skulptural geformt ist verträgt er vermutlich keine nachbarschaftliche Konkurrenz. Ich kann mir eine lose Kette von Hochhäusern im Limmattal vorstellen, weniger jedoch einen CBD-Cluster oder ähnliches. Dies liegt aber nicht nur an der prägnanten Form des PT, sondern ebenfalls an der geringen Fläche Zürichs zwischen den Hügelzügen. Letztere bewirken überdies, dass eine  Gebäudehöhe von 100 bis maximal 150 Metern nicht überschritten werden sollte.


Ich denke, wir sollten in der Schweiz sehr vorsichtig sein mit dem Bau von Hochhäusern. Dies betrifft nicht nur die Architektur, sondern noch in bedeutenderer Art und Weise städtebauliche Überlegungen. Die Städte sind so kompakt, dass Hochhäuser - besonders, wenn sie so radikale architektonische Verkündungen darstellen wie der PT - schnell ein über lange Zeit entstandenes Gefüge abwerten oder sogar sprengen können. Im Falle des aktuell höchsten Gebäudes des Landes bin ich der Meinung, dass dies nicht geschieht; der PT liegt topographisch etc. an idealer Lage. Und aus manchen Winkeln und bei gewissen Witterungsbedingungen macht er in der Tat eine sehr gute Figur.


Ganz in der Nähe gibt es, wie ich hier ebenfalls bereits geschildert habe, zum Glück auch noch Areale, die nicht "entwickelt" wurden und statt dessen eine temporäre Nutzung erfahren. Einer dieser Orte ist das Restaurant Rosso, wo man vorzüglich und in Halbaffen wie mich ansprechendem Ambiente speisen kann. Denn es ist ja so: Türme wie den PT mag ich vor allem so lange gerne, wie ich nebenan in einem Restaurant wie dem Rosso oder in anderen einfacheren Lokalen einkehren kann. Befinden sich hingegen nur noch polierte Filialen in der Umgebung weicht die Entzückung rasch einer Ernüchterung. Und das wollen wir ja nicht, nicht wahr? Harmonie und Freude im Kosmos ist das Ziel.


Nun, am Dienstag hatten wir noch kurz die Gelegenheit, oben im PT ein Znüni zu uns zu nehmen. Das Restaurant, die Bistro-Bar und die Lounge sind natürlich alle in ziemlich vorhersehbarer Art und Weise ausgestattet. Schliesslich liegen in den Etagen darunter u. a. auch die Büros des Wealth Management der Deutschen Bank. Es könnte aber alles bedeutend schlimmer sein (das ist also quasi ein Kompliment, man berücksichtigt ja den Kontext nach Möglichkeit), und so wähnten wir uns beim Blick hinaus zufrieden in Russland. Dabei ist es doch nur Züri! Schebegäil.



Freitag, 16. Dezember 2011

Home Decoration


Es gibt im Internet etwa 37'516 Blogs zu Home Decoration respektive Inneneinrichtung. Fast ebenso viele gibt es zum Thema Kochen und Rezepte oder aber auch zu Haustieren. Das sind aber noch nicht genug! Deshalb möchte ich sozial einen wertvollen Beitrag leisten und fünf Impressionen aus dem Advent teilen.

Unser Adventsfenster. Es ist eigentlich bedauerlich, dass wir - mit Ausnahme einer Schweden-WG, welche die für Skandinavien typischen elektrischen Kerzen (wie heißt das Ding nochmals?) im Fenster stehen hat - die einzige Wohnung mit Kerzenlicht im Fenster sind. Es geht dabei auch ganz und gar nicht um den religiösen Aspekt des Advents. Aber warum hat niemand das Bedürfnis, die eigenen vier Wände und den Innenhof etwas gemütlicher zu machen? Ach, diese Großstadt. Da wünscht man sich manchmal, Berlin würde zumindest für die dunkle Zeit des Jahres in Skandinavien liegen.


Das Backen von Güetzi darf natürlich nicht fehlen, zumal es draußen oft scheusslich ist (nicht wirklich besonders kalt, aber nass, windig und grau). Die Güetzi runden, gemeinsam mit einem feinen Schwarztee, die Schopenhauersche Lektüre ungemein wohltuend ab.


Auch im Dezember verschönern Blumen die Umgebung und erfreuen die Gemüter der sie Betrachtenden. So beispielsweise diese Amaryllis.


Je erbärmlicher zudem draussen das Wetter ist, desto höher ist der Wert einer herrlichen Decke einzuschätzen. Und was könnte im Advent 2011 schöner sein als eine Pendleton mit klassischem Navajo-Muster? Der Sekt darf dann auch nicht weit entfernt sein, aber nicht vor dem Mittag liebe Kinder!


Beim Schlendern im Kreuzberger Kreativkaufhaus Modulor haben wir ebenfalls dieses Navajo-Geschenkpapier für 2 Euro entdeckt. Gemeinsam mit einem simplen IKEA-Rahmen bringt es das Unterbewusstsein auf neue Höhen.


Mais oui.