Posts mit dem Label Einkaufen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Einkaufen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 19. Mai 2012

Swag Update


Zurzeit bleibt mir nicht viel Zeit für Berlin und ich habe dementsprechend, frankly speaking, nahezu nichts zu berichten. Dann sollte man die Klappe halten, ich weiss. So will ich denn auch nicht viele Worte verlieren. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn wie man erahnt: das Bild ist sowieso das wichtigste Mittel der virtuellen Identitätsproduktion. Deshalb ein kurzes Berlin-2012-Swag-Update.

Der Sneaker für 2012.


Mittlerweile nutze ich Spotify auch - musste ja auch hören, dass tout Berlin schon damit Musik hört. Ich könnte jetzt hier über mehrere Absätze referieren, wie ich Musik mit Spotify moralisch vertretbar zu hören gedenke. Vor allem könnte ich auch ein Gebot formulieren, weshalb auch DU so agieren solltest. Aber was hat das noch mit Swag zu tun?

Den Swag maximieren tun jedoch die folgenden drei elektronischen Alben sowie die Numero-Zusammenstellung 'Personal Space'. Sensationelle Musik und großartiges Artwork! Ebenfalls auf den Olymp gehört das neue Album von Claro Intelecto: 'Reform Club'. Alle Scheiben gibt es auch bei Spotify zu hören.





Schuhe, Musik - was fehlt jetzt noch? Klar: ukrainischer Birkenvodka von Nemiroff. Den kriegten wir vorgestern in einem russischen Restaurant in Berlin serviert. Exzellent! Immer eiskalt trinken. Was die Äpfel auf dem Foto zu suchen haben ist mir allerdings ein Rätsel. Pur nur.


Sonntag, 29. April 2012

Dong Xuan Center


Vergangene Woche waren wir in Vietnam. Ja, das geht. Ziemlich easy sogar, mit der Tram in etwa 40 Minuten glaube ich. Vietnam liegt in Berlin-Lichtenberg und heißt hier Dong Xuan. Auf einem Teil des Areals des früheren VEB (Volkseigener Betrieb; Rechtsform in der DDR) Elektrokohle Lichtenberg befindet sich seit sechs Jahren ein vietnamesischer bzw. asiatischer Handelskomplex.




Der Markt befindet sich heute in Form von vielen einzelnen Geschäften in mehreren neuen, langgezogenen Zweckbauten. Die Läden führen unterschiedlichste Produkte niedriger bis niedrigster Qualität. Es gibt endlos viele Kleider, es gibt Schmuck, Taschen, Reisegepäck, Frisöre (Haarschnitt für Herren 6 Euro), Lebensmittel, Imbisse. Auch Plastikblumen:






Aber warum eigentlich Vietnam? 1980 schloss die DDR mit der Sozialistischen Republik Vietnam eine Vereinbarung ab, welche Vietnamesen die Möglichkeit eröffnete, als Vertragsarbeiter in der an einem Fachkräftemangel leidenden DDR zu arbeiten. In der Folge wuchs die Zahl an vietnamesischen Vertragsarbeitern in der DDR auf etwa 60'000 Personen. Das klingt für heutige Verhältnisse nach nicht besonders vielen Menschen, aber in der DDR war nur 1 % der erwerbstätigen Bevölkerung ausländischer Herkunft. Die Genossen aus Vietnam stellten dabei die mit Abstand größte Ausländergruppe dar.

Heute ist der relative Anteil der Vietnamesen bezogen auf die Gesamtzahl ausländischer Ethnien in Berlin deutlich gesunken. Kein Wunder also, dass aus Dong Xuan zunehmend, so scheint es zumindest, Dong Ali wird oder Mohammed Xuan von mir aus. Das Warenangebot betrifft das aber vermutlich nicht wesentlich.

Besonders interessant an Orten wie dem Dong Xuan Center sind meines Erachtens denn auch die Eingebundenheit dieser Räume in internationale, (spät) kapitalistische Warenketten. Wie kommen die Waren in die Regale in Berlin-Lichtenberg? Und auch: Wie sauber (politisch korrekter: formell/informell) sind die Geschäfte hier? In den Medien wurde jedenfalls auch schon von einem Zentrum der vietnamesischen Mafia und des Menschenhandels berichtet. Wandelt man durch die Hallen merkt man davon natürlich nichts - außer der bemerkenswerten Feststellung, dass die Autos bei den Hinterausgängen teilweise doch der gehobenen Preisklasse angehören. Aber das bedeutet natürlich nichts; ein Geschäftsmann im schwarzen Porsche Cayenne könnte etwa auch - ohne das der Kunde das bemerkt - zehn einzelne und unterschiedlich gestaltete Geschäfte im Center besitzen. Oder aber sein Kapital stammt aus dem illegalen Zigarettenhandel in der ganzen Stadt und wird hier zwischen Berliner Plattenbauten herrlich sauber gewaschen. You never know.

Wie dem auch sei: das DXC ist ein interessanter und spezieller Ort, der viele Fragen in den Raum stellt - an dem man aber auch ganz entspannt die köstliche vietnamesische Küche geniessen kann.



Sonntag, 15. April 2012

Untitled


Die letzten Tage nahm ich frei. Nachfolgend seien einige geistreiche Aktivitäten der Berliner Freizeit genannt.

Restaurant 3 Minutes sur Mer: Hier haben wir im modern interpretierten und stilsicher möblierten Bistro getafelt (Fotos hier!). Das Essen - ein Entrecôte begleitet von Pommes Pont Neuf und einem raffinierten Bohnenragout, gefolgt von einer wunderbaren Crème Brûlée - war sehr gut. Gleiches gilt für die Getränke: ein Kir Royal, stimmig kühler Roséwein sowie als besonderes Qualitätszeichen die umsonst servierte Karaffe Leitungswasser. Auch der Service überzeugte durch Freundlichkeit und Zuvorkommenheit, leistete sich jedoch auch einige kleinere Fehler, was aber sympathischer ist als tadelloser und distanzierter Service. Grund zum Nörgeln gab einzig unser Tisch. Als unbekannte Neugäste setzte man uns nach der telefonischen Reservation an einen der schlechtesten Tische des zugegebenermassen kleinen Lokals. Wir sind halt an der Torstrasse in Berlin-Mitte, schon klar. Sollte ich wieder einmal dort reservieren, werde ich meine Bitte mit den Worten beginnen, dass ich gerne einen Tisch für drei Mitglieder des Soho House Berlin haben möchte. Dann werden wir sehen, ob wir wieder in der Mitte des Raumes oder an prominenterer Lage platziert werden. Der vermeintliche Serien-Schauspieler war jedenfalls keineswegs besser angezogen als unsere Wenigkeiten. Nevertheless: Ich empfehle das Lokal. Merci Sünni!



Ausstellung Pacific Standard Time: Wir besuchten bei typischem Aprilwetter ebenfalls eine Ausstellung über Kunst im Los Angeles der 1950er bis 1980er Jahre. Die Ausstellung findet bis Mitte Juni im Martin-Gropius-Bau statt, ich empfehle sie - und ich empfehle Soft Rock. Zu den Höhepunkten zählen Architekturfotos von Julius Shulman sowie einige Gemälde von Ed Ruscha, David Hockney sowie Lee Mullican.

Ist das an dieser Stelle nicht schön? Es passt wie die Faust aufs Auge:


Aber lassen wir das.

Voo Kreuzberg: Ferner besuchten wir ebenfalls diesen Konzeptladen an der Kreuzberger Oranienstrasse. Voo zählt mit Sicherheit zu den schönsten Läden die ich kenne. Sie bieten in wunderbarem Raumsetting Kleidung und Schuhwerk u. a. von Wood Wood, Vibskov oder New Balance an; es gibt Magazine, Schreibwaren, Schmuck, Wohnaccessoires und ausgezeichneten Kaffee an der hauseigenen Bar. Gegönnt habe ich mir noch das Berliner Zeitdokument in Buchform: Freunde von Freunden. Ich empfehle sowohl den Laden als auch den Blog Freunde von Freunden.

Farbfernseher: Letzten Donnerstag legten in diesem kleinen aber feinen Kreuzberger Lokal unweit des Kotti Slow Hands und Eli von Soul Clap Platten auf. Dopeness! Am Montag 30. April kommt fast die ganze Gang ins Watergate.




Freitag, 16. Dezember 2011

Home Decoration


Es gibt im Internet etwa 37'516 Blogs zu Home Decoration respektive Inneneinrichtung. Fast ebenso viele gibt es zum Thema Kochen und Rezepte oder aber auch zu Haustieren. Das sind aber noch nicht genug! Deshalb möchte ich sozial einen wertvollen Beitrag leisten und fünf Impressionen aus dem Advent teilen.

Unser Adventsfenster. Es ist eigentlich bedauerlich, dass wir - mit Ausnahme einer Schweden-WG, welche die für Skandinavien typischen elektrischen Kerzen (wie heißt das Ding nochmals?) im Fenster stehen hat - die einzige Wohnung mit Kerzenlicht im Fenster sind. Es geht dabei auch ganz und gar nicht um den religiösen Aspekt des Advents. Aber warum hat niemand das Bedürfnis, die eigenen vier Wände und den Innenhof etwas gemütlicher zu machen? Ach, diese Großstadt. Da wünscht man sich manchmal, Berlin würde zumindest für die dunkle Zeit des Jahres in Skandinavien liegen.


Das Backen von Güetzi darf natürlich nicht fehlen, zumal es draußen oft scheusslich ist (nicht wirklich besonders kalt, aber nass, windig und grau). Die Güetzi runden, gemeinsam mit einem feinen Schwarztee, die Schopenhauersche Lektüre ungemein wohltuend ab.


Auch im Dezember verschönern Blumen die Umgebung und erfreuen die Gemüter der sie Betrachtenden. So beispielsweise diese Amaryllis.


Je erbärmlicher zudem draussen das Wetter ist, desto höher ist der Wert einer herrlichen Decke einzuschätzen. Und was könnte im Advent 2011 schöner sein als eine Pendleton mit klassischem Navajo-Muster? Der Sekt darf dann auch nicht weit entfernt sein, aber nicht vor dem Mittag liebe Kinder!


Beim Schlendern im Kreuzberger Kreativkaufhaus Modulor haben wir ebenfalls dieses Navajo-Geschenkpapier für 2 Euro entdeckt. Gemeinsam mit einem simplen IKEA-Rahmen bringt es das Unterbewusstsein auf neue Höhen.


Mais oui.

Sonntag, 13. November 2011

Hipster's Paradise


Ehrlich gesagt wusste ich nicht, auf was ich mich mehr freuen sollte - auf die preislich reduzierten Markenkleider oder auf das sich abzeichnende soziokulturelle Spektakel in den weiten Industriehallen auf dem Berliner Arena-Gelände... Die Antwort bekam ich dann aber schneller als mir lieb war.

American Apparel, die sagenumwobene Bekleidungsmarke aus dem sonnigen Los Angeles, rief die Berliner auf zu einem Fabrikhallen-Ausverkauf. Schon auf den Werbeinseraten stand "freier Eintritt"; man konnte sich also denken, welche Inszenierung sich die Kalifornier wohl ausgedacht haben mögen. Hollywoodreif. Oder hat irgendjemand in seinem Leben schon mal Eintritt bezahlt, um in einem Laden Kleidung zu kaufen? In Ordnung, zugegeben, dieses Warehouse-Sale-Wochenende dürfte für die Gerüchten zufolge in finanziellen Nöten steckende Kultmarke erhebliche logistische Kosten bedeuten. Aber trotzdem: ich würde zweifellos keine 5 Euro Eintritt bezahlen für eine Halle voller Restposten. Aber man weiss ja: es gibt nichts was es nicht gibt. Vielleicht wäre es betriebswirtschaftlich sogar sinnvoll gewesen, einen bescheidenen Eintrittspreis zu verlangen - vorgetäuschte Exklusivität und so. Einige Leute wären dann zwar wohl empört draussen geblieben. Andere hätten sich aber vermutlich gesagt: "Mensch, wenn ich schon Eintritt bezahlt habe, will ich jetzt aber auch etwas kaufen. Sonst lohnt sich das ja nicht!" Herrlich. Vor dem Eingang standen auf jeden Fall Absperrungen und Türsteher, die ganz sicher nicht zur Zielgruppe von AA gehören.


Dass diese Veranstaltung ein Event sein würde und kein simpler Kleiderverkauf war spätestens nach dem Passieren der Schranken klar. Der Türsteher wollte mich zuerst gar nicht reinlassen, ich hätte zu breite Hosen an und trüge keine Jutetasche, bemerkte er. Kleiner Scherz am Rande, haha. Drinnen dröhnte um 10 Uhr morgens Elektro, wie die Jugend von heute sagen würde. Etwas streng für mein Gemüt. Aber wir sind ja in Berlin, also war wohl einfach After Hour.

Obwohl die Fabrik erst seit einer knappen Stunde geöffnet hatte tobte erwartungsgemäss bereits ein Kampf um die wenigen Filetstücke. Die Botschaft wurde offensichtlich erhört! Bei einigen Zeitgenossen hatte ich den Eindruck, dass sie im Takt der Musik Kleidungsstücke in ihre Warenkörbe packten, also mit mindestens 130 BPM. 


Die Frage, ob mich nun die angebotene Ware oder das aufgeführte Spektakel mehr in den Bann reissen würde, war, wie wahrscheinlich schon erraten werden konnte, nach wenigen Minuten geklärt. Beachtenswerte Mode fand ich kaum welche, zügige Hipster hingegen in einer noch selten gesehenen Dichte. Das war ja schön. Andererseits ist es aber machmal auch ernüchternd, wenn die Überraschung ausbleibt und sich das vermeintliche Klischee als ungeschminkte, gnadenlose Realität präsentiert. Aber: who cares, das Universum ist fair; schnappte sich einen Schal und stellte sich in die Warteschlange.


Nach der Hälfte der Warteschlange warf ich einen Blick zurück über meine Schulter. Es waren nun zirka 15 Minuten vergangen, in welchen man solch symbolreiche Sätze zu hören kriegte wie die folgenden beiden Beispiele:

a) "Mist, ich muss im Büro anrufen, es dauert hier länger, ich komme zu spät zur Arbeit."

b) "Diese Hose ist niedlich. Ich weiss halt nicht, ob sie passen wird."

Aber das ist ja nicht so wichtig, schliesslich bezahlt man geschätzte 70 % weniger als im Alltag. Dann kann man schon mal die Katze im Sack kaufen, wie Hans-Rudolf jeweils zu sagen pflegte - in der Schlange vor dem Asia-Imbiss, oben bei mir in den Bergen. Ein Blick nach vorne deutete auf eine weitere Viertelstunde anstehen.


Nach einer guten Stunde spätkapitalistischen Anschauungsunterrichts war ich um einen fantastisch psychedelischen Schal für neun statt 22 Euro reicher. Gut gemacht!



Montag, 3. Oktober 2011

Markthalle Neun in Kreuzberg

Am Wochenende waren wir auf unseren Streifzügen durch Berlin zu Gast in der "neuen alten" Markthalle Neun in Kreuzberg. Sie ist meines Erachtens ein sehr gut gelungenes Beispiel zeitgenössischer, lokaler Stadtentwicklung. Die Tatsache nämlich, dass an dieser historischen Stelle seit Samstag wieder wöchentlich Märkte stattfinden, ist doch einigermassen bemerkenswert.

 

Die Markthalle eröffnete vor 120 Jahren (1891) im Rahmen einer planmässigen Verlagerung vieler Wochenmärkte in vor schlechter Witterung und problematischer Hygiene besser geschützte Hallen. Heute gibt es von ursprünglich 14 solcher Hallen nur noch deren drei, denn im Unterschied zu vielen anderen Hallen wurde die Markthalle Neun während des Zweiten Weltkrieges nur vergleichsmässig geringfügig beschädigt. Deutlich mehr Schaden richtete gemäß der Historikerin Angela Martin dann 1977 der Einzug von Aldi an! Es folgten Drospa und KIK-Märkte und immer mehr Marktstände wurden verlassen.

Dann kam die Wende. Eine Projektgruppe arbeitete "(...) seit Anfang 2009 transparent und im offenen Dialog mit den AnwohnerInnen, dem Bezirk und dem Senat an der Entwicklung eines nachhaltigen Nutzungskonzepts für die Markthalle IX - ein Konzept im Sinne einer verantwortungsvollen Stadtentwicklung und den Interessen der Nachbarschaft." Die  Beteiligten haben sich in der Folge "(...) dafür eingesetzt, dass die Qualität des Nutzungskonzepts bei der Privatisierung der Eisenbahnmarkthalle eine Rolle spielen muss." So wurde erreicht, "(...) dass die historische Eisenbahnmarkthalle nicht durch den Höchstbietenden in eine weitere "Supermarkthalle" umgewandelt, sondern Gegenstand einer qualitätsbezogenen Ausschreibung wurde." (Markthalle9)

Seither wird aus einer Vision schrittweise Realität: "Eine Markthalle, die sich abgrenzt vom schnöden Discountereinheitsbrei und vielen kleinen Händlern eine Plattform bietet. Ein Ort mit Symbolcharakter für die bunte Vielfalt Kreuzbergs, seine wirtschaftliche Kreativität und soziale Integrationskraft." (Markthalle9)


Diese Vorhaben und das entsprechende Konzept werden, so scheint es, mit großem Erfolg umgesetzt. Unser Eindruck am Samstag war jedenfalls sehr positiv: angefangen mit der oben ersichtlichen Schaffung von Transparenz bezüglich Geschichte, Vision und Realisierung über die bisher gelungene Freilegung der ursprünglichen Architektur bis hin zu den verschiedenen Ständen und Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben auf dem ersten Wochenmarkt jedenfalls mit Freude Blumen,  köstlichen Zwiebelkuchen, ökologischen Federweißer sowie - und das ist ungewöhnlich für einen Markt - die aktuelle Ausgabe von Monocle gekauft.


Nur eine Sache finde ich im Augenblick ein wenig bedauerlich. Die Vision sieht vor (siehe oben), dass der Ort ein Symbolcharakter für die "Vielfalt Kreuzbergs" und die "soziale Integrationskraft" werden soll und dem "schnöden Discountereinheitsbrei" der Garaus gemacht werden will. Ich aber finde, dass gerade das Nebeneinander von Aldi und unabhängigen Marktständen einen besonderen Reiz ausübt. Ist nicht dies die Vielfalt Kreuzbergs und die soziale Integrationskraft? Das nämlich dem Besucher der Markthalle die Wahl gelassen wird zwischen eben diesen beiden Polen, die doch meines Erachtens die Vielfalt Kreuzbergs ausmachen. Nur Aldi ist ganz und gar nicht Kreuzberg. Aber nur Marktstand ist vielleicht auch ein wenig bevormundend und bildungsbürgerlich. Ich weiß es nicht genau. Ich weiß aber, dass die Markthalle auf mich in ihrem aktuellen Übergangszustand mehr Reiz ausübt als eine von Discountern "gesäuberte" - gentrifizierte (?) - Markthalle.

Übrigens: vor oder nach dem Marktbesuch kann man im zugehörigen Weltrestaurant Markthalle sehr guten Kaffe trinken.


Mir gefielen der Raum und die Einrichtung, mit Ausnahme der teilweise ziemlich schrecklichen Lampen, so gut, dass wir am Sonntag Abend mit unseren Gästen gleich hier essen gingen. Das Wiener Schnitzel war sehr lecker. Und das Meckatzer Sonntagsbier aus dem Allgäu war schlichtweg sensationell!


Samstag, 23. April 2011

Berlin: Shopping Guide

Meine drei Lieblingsgeschäfte in Berlin:

Die finnischen Glasmeister von Iittala (z. B. Münzstrasse 7) produzieren edle Kunstwerke in allen erdenklichen Farben und Formen. Meine Favoriten sind die Produkte aus der Alvar Aalto Kollektion (nach der gleichnamigen finnischen Design- und Architekturlegende; siehe Vase und Windlicht unten) sowie die Essence Serie von Alfredo Häberli (siehe Karaffe unten). Zweimal im Jahr, während der Sale-Zeiten, kann auch ich als Student guten Mutes den Gang an die Münzstrasse 7 antreten. Die Sales bei Iittala sind fantastisch!


Mein bevorzugtes Geschäft für Männermode nennt sich Trüffelschwein (Rosa-Luxemburg-Strasse 21). Die ausserordentlich sympathischen und kompetent wirkenden Mitarbeiter haben ein kleines Reich geschaffen, welches nicht nur eine sehr überzeugende Auswahl an Modeprodukten unterschiedlicher Häuser führt, sondern ebenfalls ein angenehmes Ambiente bietet, in dem man auch mal einen Espresso trinken kann. Eine meiner letzten Errungenschaften ist das unten abgebildete, italienische Hemd. Ansonsten gibt es im Trüffelschwein auch sehr schöne Schuhe, Taschen und Accessoires. Auch hier muss ich mich zurzeit leider noch überwiegend auf die Sale-Zeiten beschränken...


Das dritte Geschäft meiner Wahl ist der Laden von Wood Wood (Rochstrasse 4), auch dies ein Ort für die Sale-Zeiten des Jahres. Jedenfalls meistens: kürzlich habe ich mir aus speziellem Anlass die unten abgebildete Laptop-Tasche gegönnt. Ein herrliches Produkt aus Wildleder! Generell haben die Dänen von Wood Wood ausgefallene Mode aus dem eigenen Haus und von Leuten wie Henrik Vibskov sowie ebenfalls Schuhe und Accessoires im Angebot. Im Unterschied zum Trüffelschwein jedoch sowohl für Männer und Frauen.


Weitere sehr empfehlenswerte Geschäfte in Berlin:

SOTO (Torstrasse 72) für coole, vielfach skandinavische Mode - ähnlich wie das Trüffelschwein, jedoch noch ein bisschen eindeutiger auf den Hipster ausgerichtet und deshalb anstrengender. Paul's Boutique (z. B. Torstrasse 76) verkauft viel Cheap Monday, you gotta love that! Die besten Boots gibt es einfach ohne Zweifel bei Red Wings (Münzstrasse 8). Damit wird jeder Winter zum Kinderspiel. Den Gegenpart zu den harten Amis bieten die Japaner von Muji (Hackescher Markt 1). Purismus wie er lobenswerter kaum sein könnte; hier stimmt nicht nur das Design, sondern auch der Preis ist sehr fair. Ebenfalls puristisch im Sinne einer praktischen Schnörkellosigkeit sind die Kleidungsstücke bei American Apparel (z. B. Münzstrasse 19). Sweatshirts und Konsorten von AA kann man kaum zu viele haben. Soll es hingegen extravaganter und dandyhafter sein empfehle ich den Gang zum Chelsea Farmers Club (Schlüterstrasse 50 und Bleibtreustrasse 40). Hier kann man sich stilvoll britisch einkleiden und dazu Gin trinken. Für die Lektüre zu Hause auf der Couch: Do you Read me? und Pro m2 sind sehr feine Adressen. Dort kann man sich beispielsweise auch die aktuelle Ausgabe von Arch+ zum Thema Berlin kaufen:


Donnerstag, 3. März 2011

Im russischen Supermarkt

Moskau ist in vielen Belangen wirklich eine teure Stadt. So sind Lebensmittel beispielsweise meist teurer als in Berlin. Ich habe den Eindruck, dass wir uns hier eher auf Schweizer Niveau bewegen. Ein normales Glas Pesto Genovese beispielsweise hat bei mir gestern fast eine Herz-Kreislauf-Störung verursacht: 200 Rubel oder umgerechnet 5 Euro respektive etwas mehr als 6.50 Franken kostet das italienische Produkt von Barilla.

Im Gegensatz zu solchen exotischen Importen sind dafür die einheimischen Erzeugnisse herrlich preiswert. Angefangen beim Grundnahrungsmittel Vodka. Die Flasche Russian Standard, die ich gestern zwecks meiner eigenen Erquickung erworben habe, kostet 300 Rubel oder 7.60 Euro / 9.80 Franken. Meine Kommilitonen pöbelten mich danach aber an; ich sei ein Snob. Recht haben sie, denn es gibt auch russischen Vodka für zirka 150 Rubel die Flasche, also 3.80 Euro / 4.90 Franken. Aber ich will nicht auch noch erblinden verdammt. Zudem ist der Prozess der Identifizierung der individuell passenden Marke Vodka nicht gerade einfach:


Ein weiteres Beispiel: Ein Kilogramm vermeintlich frische, gefrorene Crevetten kostet 100 Rubel, umgerechnet 2.50 Euro / 3.30 Franken. Ich bitte um Verzeihung, aber ist das nicht skandalös?


Die Supermärkte sind übrigens immer sehr voll. Und sie sind rund um die Uhr geöffnet. Falls einmal der Vodka ausgehen sollte...

A propos, in meinem Buch über russische Gesichte habe ich folgenden bemerkenswerten Satz gelesen: "Boris Godunow versuchte ein Reformprogramm für Russland durchzusetzen, das mit einem Kampf gegen die Trunksucht begann." Nun

- war Boris Godunow ab 1598 Zar Russlands, und

- heute liegt die durchschnittliche Lebenserwartung russischer Männer bei 59 Jahren, was zurückzuführen ist auf

- den auch heute sehr hohen Alkoholkonsum; Vodka gilt allgemein als Problemlöser.

Was lernen wir daraus? Manche Dinge ändern sich eben doch nie. Weshalb? Ich bin nicht Sarrazin, ich weiss es nicht. Ich weiss sowieso bedenklich wenig. Welch Trübsal. Vodka her...

Sonntag, 24. Oktober 2010

Life-Enhancing

1: "Building Bern" war ein tolles Geschenk meines Vaters gegen Ende letzten Jahres. Vor ein paar Tagen habe ich die Sammlung durch den zweiten Band "Zürich wird gebaut" erweitert und komplettiert. Diese beiden Büchlein zeigen architektonische Werke aus den beiden Städten, und zwar jeweils im Zeitraum 1990-2010.


2: Mit dem Herbst kommen bei mir auch die Kerzen. Deshalb habe ich diese meines Erachtens sehr schönen Kerzenständer gekauft und sie zum Kastanienbaum im Innenhof gestellt. Erhältlich sind die "Blomster" genannten Objekte bei IKEA.


3: Nur noch ein paar Tage läuft die Ausstellung der berühmten Fotografin und Kunsthändlerin Marianne Breslauer. Das Poster habe ich mir in der Berlinischen Galerie gekauft, i love it!


4: Zurzeit ist es für mich nicht einfach, den Samstagabend ausser Haus zu verbringen. Der triviale Grund dafür ist die Serie "Breaking Bad", welche immer ab 22 Uhr auf ARTE läuft. Die Frage ist bloss: "Willst du kochen?"


5: Doch nicht nur Serien produzieren können die Amerikaner. Auch singen. Drei meiner aktuell bevorzugten Bands sind Glasser, Dylan Leblanc und Twin Shadow. Check out their music!



Mittwoch, 2. Juni 2010

I love CPH!

"Your arrival at Kastrup airport will tell you a lot about Copenhagen: it's impeccably designed and impossibly efficient, yet maintains an unflustered air. The standard of living is said to be higher here than in any other capital city, yet life expectancy is, perversely, among the lowest in Europe. The reason for this is that the Danes know how to live, in all senses of the word. Not only do they design handsome buildings, but they eat, drink and inhale with great enthusiasm." Hand aufs Herz, die Leute in der Redaktion der Wallpaper City Guides kennen die Wahrheit.

Letztes Wochenende haben wir eine privat durchgeführte - die Uni bietet leider keine entsprechenden Exkursionen - Studienreise nach Kopenhagen durchgeführt. Wir wollten die Stadt und insbesondere deren neue Architektur erkunden; nach Hamburg die zweite und nördlichste Perle im (meine Hypothese!) geheimen Band einer fabelhaften Städtetrilogie von Amsterdam über Hamburg nach Kopenhagen.

Ich will hier nun nicht zu weit abschweifen sondern bloss ein paar vergleichende Punkte zwischen Kopenhagen und meiner Homebase Berlin aufführen:

1) Eine halbe Stunde nach Ankunft am zentralen Kongens Nytorv wähnte ich mich bereits im Einkaufsparadies. Urban Outfitters, WoodWood, Illums Bolighus, Hardware... In einer Stunde sehe ich hier so viele schöne Geschäfte wie in Berlin in einem halben Jahr nicht.

2) Kopenhagen hat, wie Hamburg und Amsterdam, das Wasser vor der Haustür. Die Fotos zeigen den Nyhavn sowie einen Kanal im herrlichen Christianshavn. In Berlin läuft man Gefahr, die wenigen zentralen Flächen mit Wasseranstoss unsäglich zu verschandeln.


3) Das Badeschiff auf der Spree in Berlin ist super. Aber die Badeanstalten in Kopenhagen sind nicht weniger fantastisch. Das Foto unten zeigt beispielsweise das Seebad von White Arkitekter im Stadtteil Kastrup.

4) Dänisch ist eine herrliche Sprache, insbesondere das Wort 'bagage', Gepäck!
5) Der Flughafen in Kopenhagen ist der wohl einzige Flughafen der Welt, den ich freiwillig und mit Freude möglichst lange vor dem geplanten Abflug aufsuchen würde. Ich würde sogar ohne einen Flug gebucht zu haben nach CPH fahren. Es ist dort schöner und gemütlicher als in manchem Wohnzimmer. Schönefeld hingegen ist eine Schande.
6) Andererseits: Berlins Fast Food Nummer 1, der Döner, ist dem allgegenwärtigen Pölser - okay, das Wort ist Kult (!) - vorzuziehen.
7) Die Preise sind in Kopenhagen einfach übel hoch. Nach ein paar Tagen spätestens beginnt man Berlin diesbezüglich zu vermissen. Und auch die legendären Spätkauf-Läden sind ein erheblicher Standortvorteil Berlins. Ich will auch spätabends ein Pils für wenig Geld kaufen können und nicht vor verschlossenen Regalen oder Ladentüren stehen.
8) Das Nachtleben Berlins ist unschlagbar, auch wenn Kopenhagen eine schöne Mischung aus stilvollen Bars und freiheitlichem Christiania bietet.
Ein Fazit zu ziehen ist schwierig. Für mich ist Kopenhagen eine, wenn nicht die beste Stadt der Welt. Und das nicht erst seit dieser Reise. Für Studenten ist Berlin jedoch kaum zu überbieten. Deshalb lautet meine Empfehlung: Als Student lebe hier. Aber stelle sicher, dass du halbjährlich nach Kopenhagen fährst. Wenn möglich noch vor dem 13. Juni 2010, denn so kannst du noch die wunderbare Ausstellung 'Color in Art' im malerischen Kunstmuseum Louisiana besuchen. Falls dies zeitlich nicht mehr möglich ist, was bemitleidenswert wäre, denn du verpasst die auf dem Foto unten dargestellte Frühlingsszenerie, dann kaufe mindestens den Ausstellungskatalog.

Freitag, 22. Januar 2010

Chelsea Farmer's Club

Am Montag besuchten wir - bekanntlich nicht zum ersten Mal seit unserem Umzug nach Berlin - ein klassisches Konzert. Bemerkenswert daran ist insbesondere, dass es sich eigentlich um ein Unternehmensanlass der Lufthansa handelte. Für uns "Frequent Flyer" (*räusper*) war es natürlich kein Aufwand Karten zu kriegen. Wir hatten sogar deren fünf. Daran sieht man unschwer die Wertschätzung der Lufthansa uns gegenüber. In Sichtweite: Klaus "Bürgermeister" Wowereit und andere Berliner Topshots. Trotzdem kann ich mir eine leicht bösartige Bemerkung nicht verkneifen: Ich finde das Lufthansa-Firmenlogo in diesem herrlichen Konzertsaal am Gendarmenmarkt etwas übertrieben absolutistisch. Ansonsten wars ein gediegener Anlass mit sehr schöner Musik von Richard Wagner ("Ouvertüre zum 'Tannhäuser'").

Doch eigentlich wollte ich etwas anderes erwähnen; und zwar ist dies die Güte der folgenden Initialen: CFC! Stimmt, CFC steht einerseits für den Chelsea Football Club. Ein grossartiger Ballsportverein! Andererseits stehen diese drei Buchstaben jedoch ebenso für den nicht minderwertigen Chelsea Farmer's Club aus Berlin. Einen schönen Artikel hierzu veröffentlichte übrigens auch Das Magazin, und zwar hier. Aber was wollte ich nun eigentlich verkünden? Ach ja: Der CFC betreibt unter anderem ein wahrhaft wunderbares Bekleidungs- und Stilgeschäft im klassischen Westberlin. Ladies und Gentlemen finden dort herrliche Gummistiefel, Reisetaschen oder aber auch auch so liebreizende Dinge wie eine kleine aber feine Gin-Bar zur freien Selbstbedienung... Für den Fall eines plötzlichen Durstes - oder auch nur zur Beförderung des Wohlergehens. Ich persönlich konnte einer robusten, englischen Baumwollkrawatte sowie einer charmant gehäkelten Ansteckblume nicht widerstehen. Für das oben erwähnte Lufthansa-Konzert war das meines Erachtens eine hinreichend elegante Bekleidung:

Wenn man dieses Foto betrachtet, erscheint ein abschliessender Verweis auf den Dandy sinnvoll: "Ein verwandter Zweig der Berliner Aristokratie ist der Berliner Dandy (…). Der Dandy in diesem Sinne geht seinen eigenen Weg, ohne sich um das Allgemeine zu kümmern. Der Dandy ist in allen Genüssen des feinen Lebens erfahren, aber über alle Begeisterung und Schwärmerei erhaben.“ (Robert Springer (1816-1885))