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Samstag, 17. März 2012

Mittwoch, 7. März 2012

Mokum Boys Club


Follow them on Tumblr! They do amazing 3-day-sets at Berghain. Since 1947 and they still look fresh.





"God damn, how real is this?" (ASAP Rocky)

Paul auf Ijburg? Awesomeness.

Fotos von meinem Bruder.

Montag, 16. Januar 2012

Loftus Hall Berlin


Letzten Freitag ging ich aus. Das ist eine Schlagzeile wert in diesen Zeiten intensiver Introspektion und auf geistige Routen beschränktes Reisen. Anlass war nicht nur der Besuch von zwei Freunden, sondern ebenfalls die Eröffnung eines neuen Clubs vor ein paar Monaten. Der Name des Clubs: Loftus Hall. Zuerst ein paar keineswegs zynische Worte zur Oberfläche, danach zum Hintergrund.

Wie ich gelesen habe bezieht sich der Name auf ein gespenstisches Schloss in Irland. Ich weiss nicht genau wie die Betreiber auf diesen Namen kommen. Entweder sind sie Iren oder Mystiker oder beides, was ja auch nicht verwunderlich wäre bei diesen verrückten Kelten.



Wie dem auch sei. Der Eintritt ist mit sechs Euro an diesem Abend das, was man üblicherweise fair nennt. Die Getränke sind vernünftig und das Rauchen ist erlaubt - um nicht zu sagen erwünscht. Über das Publikum lässt sich spekulieren, dass es (Stand Januar 2012, Änderungen sind zu erwarten) vornehmlich in der Umgebung wohnt, in Kreuzkölln also oder Neukreuz wie ich es smarterweise zu nennen pflege. Studentisch, dezent alternativ und international könnte man die sympathische Gemeinschaft ebenfalls beschreiben. Der Frauenanteil war an diesem Abend nicht besonders Achtung gebietend, jedoch bei weitem auch nicht armselig, wie das bedauerlicherweise oft genug bei Anlässen der elektronischen Musikszene der Fall ist oder zumindest war. Apropos Musik: Tanzmichmal war der zweifelhafte Name des lokalen DJ-Kollektivs. Ich muss ehrlich sein, ich fand sie öde. Aber das liegt natürlich an meiner psycho-sozialen Verfassung. Doch dazu unten mehr.

Trefflich in der Loftus Hall sind insbesondere zwei Dinge: die Beleuchtung und das Interieur.  Über ersteres will ich nichts sagen, denn ich habe nur noch ein paar Minuten bevor ich meine abendliche Suppe zubereiten will. Das Interieur aber ist von folgender Beschaffenheit: Holzvertäfelung, Gardinen, schummriges Licht, Plastikpflanzen, erbärmliche Möbel. Mit einem Wort: super. So sieht das aus:



Ach Gottchen, da ist mir ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Das oben ist nicht die Loftus Hall in Kreuzkölln. Das ist der Sternen im Schweizer Simmental. Links im Bild sitzt der herrliche "Schibä", ein Weissenburger Urgestein und Experte für Kräuter. Wir waren gemeinsam Bier saufen im Dezember, göttlich. So sieht die Loftus Hall tatsächlich aus:


Nun also ist es soweit. Der Sternen in meinem alpinen Heimattal oder die Berliner Arbeiter-Eckkneipe lassen sich visuell nicht mehr von einem hippen Club unterscheiden. Das musste ja so kommen nach Jahren der Fokussierung auf Industrie. Was sagt uns das? Ich weiss es nicht. Aber vermutlich hängt es mit einem gesellschaftlichen Megatrend zusammen. Die Sehnsucht nach dem Warmen, Überschaubaren; aber auch der schon seit einiger Zeit grassierende Retrowahn. Beschreiben kann ich das nicht, besonders nicht unter Zeitdruck wegen meiner Suppe. Aber ich weiss, dass es für mich alles zusammen passt: Kapitulation des Rationalismus, Schopenhauer, Loftus Hall, Hipster und ihre gänzlich unfuturistische, sondern nostalgische Garderobe. Und wenn man den Faden weiterspinnen will wird Sherry das nächste It-Getränk. Oder ist es das etwa schon und ich Stubenhocker habe es bloss nicht mitgekriegt?

Was mich an dieser Entwicklung bei aller Freude besorgt ist, dass die traditionellen Kunden von Lokalen, die nun eben aussehen wie die Loftus Hall, von einer Plage von Studenten und Hipstern verdrängt werden könnten. Fallbeispiel: Das Bäreneck in Neukölln. Vor zwei Jahren ging man rein, schämte sich und soff sein Bier und war der einzige Nicht-Stammgast. Heute gehst du rein und guckst Fussball mit einer wachsenden Zahl von Jungen sowie den Stammgästen. Ein Idealzustand, eine glänzende Mischung der sozialen Schichten und Schnauzen. In zwei Jahren gehst du rein und es gibt keine Stammgäste mehr - ihr zweites zu Hause wurde ihnen von den Conquistadores weggenommen, die Gardinen dienen nicht mehr dem Sichtschutz sondern verkommen zum bloss noch ästhetisch wertvollen Retrogegenstand.

Ach ja, wie gesagt: Ich fand den House der Tanzmichmal etwas öde. In diesen prächtigen Räumlichkeiten bevorzuge ich Psychemagik. Die runden das Bild ab. Und nicht das ich falsch verstanden werde: ich liebe die Loftus Hall!

Freitag, 23. Dezember 2011

La Vie Bourgeoise


Vorgestern hatte ich mich im Sattler, dem Kiezkiller-Café in der Berner Länggasse, mit einem guten Freund getroffen. Wir unterhielten uns gepflegt über die Schweiz und über Berlin. Einvernehmlich kamen wir zum Schluss, dass eine bemerkenswerte Besonderheit Berlins darin liegt, dass diese Stadt nicht komplett dem bürgerlichen Leben verfallen ist. Klar: die These, wonach Berlin auch in den nächsten Jahren eine zunehmende Verbürgerlichung erfahren dürfte enthält nur ein geringes intellektuelles Wagnis. Wenn man auf der einen Seite Schweizer Städte wie Bern und auf der anderen Seite Berlin anno 2011 vergleicht, sind die Unterschiede aber dennoch frappierend. Flaniert der Besucher durch Berner Gassen und Straßen sieht er kaum Objekte oder Menschen, die von einer vereinfacht gesprochen "bürgerlichen Gleichförmigkeit" abweichen. Als Indikatoren dieses Phänomens mögen Art und Beschaffenheit von Autos und Kleidern sowie aber auch von Frisuren und Gesichtsausdrücken herangezogen werden.

Uns beiden gefällt die Tatsache, dass "la vie bourgeoise" in Berlin zwar auch gelebt werden kann, überdies jedoch ebenfalls mannigfaltige Optionen für andere Lebensstile greifbar sind. Als Angehöriger einer "nicht-bürgerlichen Klasse" muss sich ein menschliches Wesen in Berlin zumindest keineswegs als Alien führen; die Palette an Lebensentwürfen ist breiter als in Kleinstädten und solchen mittlerer Größe. Ein Mensch, der nicht arbeiten will? Ein Mensch, dem die Aussicht auf eine vorgezeichnete Laufbahn Sorgen bereitet? Ein Mensch, der Mammut-Jacken kategorisch kritisiert? Ein Mensch, der am Sonntag lieber dem Techno huldigt und sich dafür bei niemandem erklären oder gar entschuldigen will? Dieser Mensch hat es dem Anschein nach leichter im grossen B als im kleinen B. Umgekehrt bietet natürlich das kleine B ebenfalls besondere Vorzüge, deren Diskussion jedoch nicht Gegenstand dieser Zeilen sind.

So ist denn ein ganz wesentliches Qualitätsmerkmal einer modernen westlichen Stadt der in ihr verfügbare Freiraum. Ein Freiraum, der nicht nur die räumliche Dimension umfasst, sondern in erster Linie eine "sozio-psychische" Dimension.

Nun muss ich zwecks der Vermeidung unseliger Missverständnisse anfügen, dass ich das bürgerliche Leben wiederum nicht zu verteufeln gedenke. Mögen zum Beweise dessen die folgenden Fotografien des gestrigen Tages gereichen; Fotografien, die "une journée bourgeoise et gracieuse" dokumentieren. Dazu gehören distinguierte Kleidung und ein ebensolcher Habitus, anregende Lektüre (zum Beispiel: "Thinking, Fast and Slow" von Daniel Kahnemann), der Gang in die örtliche Käserei, Rachmaninov, Speis und Trank sowie, natürlich und unverzichtbar, die gepflegte Konversation in der Nähe eines erheiternden Kaminfeuers.







Montag, 14. November 2011

Neoromantik


Vergangenes Wochenende waren wir im Kino. Wir wollten uns unbedingt Melancholia ansehen, den aktuellen Film des dänischen Regisseurs Lars von Trier. Ich mochte den Film, fand ihn aber gleichzeitig auch bedrückend. Ist ja aber irgendwie auch verständlich, schliesslich dröhnt der Planet Melancholia unaufhaltsam auf unsere Erde zu und droht alles zu zerstören. Zerstören? Jein. Das kommt jetzt eben auf die Leseart an. 


In meiner Leseart weist der Film beträchtliche Parallelen auf zu Tree of Life, dem ebenfalls erst kürzlich aufgeführten Film von Terrence Malick. So wird das Leben in beiden Filmen im Kosmos eingebettet - im grossen Ganzen und im Entstehen und Vergehen von Leben. Dies geschieht einerseits auf visueller Ebene, denn beide Filme blenden immer wieder Bilder oder Filmsequenzen des Universums und anderer extraterrestrischer Phänomene ein. Andererseits geschieht es aber beispielsweise auch durch die Darstellung der Frage, wie die Menschen gewissen unausweichlichen Dingen wie dem Tod und der Liebe gegenüberstehen; wie sie also ihre Rollen in eben jenem ewigen Kreislauf aus Entstehen und Vergehen wahrnehmen.


Interessanterweise zeigen nun auch unter diesem Aspekt beide Filme einander sehr ähnliche Muster. Im Falle der Hauptfiguren von Melancholia leiden in Anbetracht des unaufhaltsamen Schicksals allen voran der wissenschaftsgläubige John und dessen im Alltag erfolgreiche und pragmatische Frau Claire. Bei Tree of Life wiederum sehen wir insbesondere Brad Pitt in der Rolle des strengen und autoritären Familienvaters Mister O'Brien mit dem Verlust seines Sohnes und dem Zustand der Gesellschaft hadern. Allgemein interpretiert zeigen die beiden Filme deshalb meines Erachtens das Scheitern respektive Leiden und die Überforderung rationaler und vernunftorientierter Menschen. Die in der "normalen Welt" depressive Justine erträgt das Schicksal als instabile und emotionale Person im Angesicht von Melancholia jedenfalls wesentlich besser als ihr Lebensumfeld. Und auch in Tree of Life liegt die Erlösung für Herrn O'Brien quasi im Loslassen vom Rationalen.

Ist es Zufall, dass gerade in dieser Zeit zwei solche Filme produziert werden, die dann auch noch ausgezeichnet und vom Publikum sehr gut angenommen werden? Oder steckt dahinter vielleicht ein Unbewusstes? Etwas was die Kollision zweier Planeten potentiell nicht als Zerstörung betrachtet, sondern als etwas Unbewertetes? Wird hier sowohl durch die bloße Produktion solcher Filme als auch durch deren Inhalt bewusst oder unbewusst auf eine Abkehr von der Fokussierung auf das Rationale hingewiesen?

Die "westliche" Welt der Gegenwart wird geprägt von ökonomischen und politischen Krisen, von Markt- und Staatsversagen wie der Ökonom sagen würde. Dazu kommt, man vergisst es fast, die vermeintlich menschgemachte Krise der Natur. Diese Krisen und die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen übersteigen dabei aufgrund ihrer immensen Komplexität das Vernunftvermögen von vermutlich fast allen Menschen. Dies kann von den Individuen wiederum und vorrangig unbewusst als Scheitern der Rationalität und Vernunft aufgefasst werden. Das Resultat wäre dann wahrscheinlich die schrittweise Abwendung der Menschen von diesen Paradigmen.


Wie kann diese Abkehr aussehen? Ein Beispiel könnte vielleicht das urbane Gärtnern darstellen. Was ist nämlich die Motivation der urbanen Gärtner? Ich weiss es natürlich nicht, vermute aber, dass es mit einer Sehnsucht nach Natur und Erdverbundenheit zu tun haben könnte. Dahinter, also hinter dieser Sehnsucht, steht möglicherweise eine Abwendung vom Rationalen und Vernünftigen, eine Hinwendung vom überfordernden Komplexen hin zum erfahr- und lebbaren Einfachen. Oder von mir aus eben gerne auch zum Mystischen, zum Wunderlichen, zum Emotionalen und Ungeordneten. Zu was auch immer; Hauptsache es sprengt die Maximen der Rationalität und Vernunft.

Bei mir selbst beobachte ich ebenfalls seit einigen Monaten eine große Lust auf die Lektüre von Arthur Schopenhauer. Ich rufe deshalb den Dezember auch gleich zum Schopenhauer-Monat aus. Zudem platziere ich meine Wette auf die Formung einer Epoche der Neoromantik - falls die Welt nicht vorher untergeht. Oder glaubt wirklich jemand ernsthaft daran, dass es Zufall ist, dass Melancholia ganz oft in einem blauen Farbton daher kommt und Tristan und Isolde eine dermassen prominente Rolle einnehmen? Arthur doesn't care anymore anyway.


Dienstag, 8. November 2011

Unbedingt bloggen!


Zwei abschliessende Erinnerungsfotos aus London im Oktober 2011. Von erheblicher Relevanz für die Welt!!!

Foto 1: Drei Menschen, von links nach rechts oder umgekehrt.



Foto 2: Eine Ode an den großen Al Bundy, Inspirationsquelle und Vorbild.



Dienstag, 25. Oktober 2011

Der irritierte Flaneur


Wenn man viel im Osten ist, muss man - sofern man die Stadt wirklich auch nur annähernd in ihrer Gesamtheit verstehen will - auch mal in den Westen. Das gilt für Berlin genauso wie für London.

Also gingen wir im adeligen London flanieren. Das wäre ja eigentlich eine prächtige Freitzeitbeschäftigung. Wären da bloss nicht die endlosen Ströme bedenklich nachlässig gekleideter Touristen. Das sind dann eben die Rückseiten einer World Tourism City, einer Stadt mit 45 Millionen Übernachtungen im Jahr 2010 (Rang 1 in Europa, Berlin liegt mit 20 Millionen auf Rang 3, Paris mit 34 Millionen auf Rang 2).

War der Londoner Osten ehemals fast ausschliesslich Arbeitergegend und der Westen Heimat des Adels, ist auf den Straßen in Zeiten massiver Urbanisierung und globaler Umstrukturierungen eine Umkehr der Stile zu beobachten: das Stadtbild historischer Adelsviertel verkommt zu einer Fassade, bevölkert von vermeintlich funktional und unvorsichtig gekleideten Touristen. Der Osten als neuer Standort global operierender Konzerne und junger Kreativer mausert sich demgegenüber urplötzlich zur Schaubühne teurer Anzüge und hipper Untergrundmode.

Stimmt natürlich nicht. Respektive höchstens für einzelne hochfrequentierte Orte zeitgenössischen Tourismus wie die Gegend um Westminster Abbey oder den sowieso wenig charmanten Buckingham Palace. Belgravia (unterstes Foto) hingegen ist davon beispielsweise weit entfernt. Und geniesst der Flaneur dort bei La Bottega erstmal ein Stück fantastischen Zitronenkuchens sieht die Welt gleich wieder deutlich nobler aus.






Die Fassaden sind natürlich immer noch prächtig. Man muss bloss aufpassen welche Motive man wählt, sonst zeigt sich ganz schnell die ganze Realität aus gebautem und bepflanztem Raum sowie  (!) Touristen.

Entschuldigung, dieser Text ist bösartig. Ich sehe auch öfter als mir lieb ist senil aus. Und Kleidung ist nicht alles. Aber eben auch nicht nichts. Zumindest nicht auf irdischen Argumentationsebenen, nicht wahr?

Montag, 29. August 2011

Fremdgehen

Zurzeit schreibe ich regelmässig für ein zweites Blog einige Artikel zu Themen wie Place Management und Branding sowie Urban Development. In der letzten Zeit habe ich dort die drei folgenden englischen Artikel verfasst.

Der aktuellste Artikel beleuchtet die städtebauliche Entwicklung in Örestad, einem neuen Stadtteil der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Zwar habe ich auf diesem Blog auch schon mehrfach zu diesem Gebiet geschrieben, doch behandelt mein neuster Post noch andere Aspekte im Zusammenhang mit dem Bereich 'Urbanism'.
Der zweite Artikel handelt von Schweizer Städten und deren Versuch, die Innenstadtlagen konsequent zu ästhetischen Freilichtmuseen zu entwickeln. Die Leitfäden, welchem Design eine Außenbestuhlung von Gastronomiebetrieben gerecht werden soll, sind meines Erachtens - wie eigentlich alles im Leben, nicht wahr (?) - eine zweiseitige Geschichte. Alles ist immer eine Frage der Perspektive und Argumentationsebene.

Schlussendlich habe ich in einem dritten Artikel noch einige Worte zu Destination Branding durch die Filmindustrie verloren. Denn, mal ehrlich: gibt es jemanden, der Neuseeland nicht mit der Filmtrilogie 'Herr der Ringe' in Verbindung bringt? Der (touristische) Jackpot für die Kiwis! Andere Orte, andere Filme oder TV-Serien, anderes Image. Fazit: Die Habaschen in Hollywood sollten lernen, dass auch ihr Tun böse Konsequenzen haben kann. Deshalb plädiere ich ja auch schon seit Jahren dafür, dass es nur noch Filme mit positiver Message geben sollte. Alles andere können wir uns volkswirtschaftlich in diesen schweren Zeiten einfach nicht mehr leisten. (*Räusper!*)

Samstag, 25. Juni 2011

Stadtentwicklung in Kreuzberg

Seit Anfang Juni arbeite ich nun für einige Monate bei einem tollen Berliner Büro für Stadtentwicklung und -forschung. Vorbei ist das wundervolle Studentenleben! Und dementsprechend reduzieren sich natürlich auch die Möglichkeiten zum privaten Bloggen. Doch heute möchte ich die sich bietende Gelegenheit ergreifen und von einer konkreten Erfahrung aus meiner letzten Arbeitswoche berichten.

Eine meiner Kernaufgaben ist die Mitarbeit an einer Potentialanalyse (Fokus: Besucher / Touristen) für den Wrangelkiez im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Dieser Kiez befindet sich ganz in meiner Nähe und liegt im östlichen Kreuzberg. Sein Herz bildet das Schlesische Tor, welches in der nachfolgenden Karte oben links abgebildet ist. Von hier aus führt die bekannte Oberbaumbrücke über die Spree hinüber nach Friedrichshain. An seinem südlichen Ende grenzt der Kiez an den berüchtigten Görlitzer Park; im Osten verlief einige Jahrzehnte lang eine massive, unsägliche Mauer.


Durch seine Lage im unmittelbaren Mauergebiet stand der Wrangelkiez lange Zeit im stadtentwicklungspolitischen Abseits. Er lag zwar einerseits im kapitalistischen West-Berlin, jedoch andererseits direkt an der Grenze zu der realsozialistischen Bedrohungszone. Mit anderen Worten: Der Kiez war kein Raum für langfristige Investitionen und ambitionierte Wertschöpfungsstrategien.

Nicht zuletzt deshalb zogen v. a. Alternative und Ausländer (sprich: überwiegend türkische Gastarbeiter und deren Familien) in die zunehmend prekären Altbauten in Kreuzberg 36. Im Schatten der Mauer entwickelte sich ein lokalspezifisches Milieu und die bekannte 'Kreuzberger Mischung' aus Wohnen und kleinen Produktions- und Handwerksstätten sowie Kulturbetrieben. Kreuzberg 36 und damit der Wrangelkiez wurden auf diese Weise zu einem Ort alternativer sozial-politischer Strömungen und Gruppierungen; zum Beispiel die unheimlich gefährlichen und wahnsinnigen Punks.

Nun ist bekannt, dass die Mauer seit über 20 Jahren abgetragen ist. Das bedeutet: die Stadt hat eine sehr stark strukturgebende Komponente verloren - um nicht zu sagen: abgeschafft - und bot deshalb in diesen beiden vergangen Jahrzehnten Raum für massive Veränderungen. Auch die ehemalige 'Insel Wrangelkiez' - gestern im Niemandsland, heute zentral gelegen - verändert sich gerade in den letzten Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit. Der Kiez ist heute hip! Zwar gibt es noch die Alteingesessenen, aber sie registrieren bei ihrem Spaziergang durch den Kiez heute zunehmend szenige Kneipen und Clubs (z. B. Watergate) sowie verdächtige Firmenanschriften (z. B. Beatport oder Native Instruments). Und sie begegnen dabei zu jeder Tages- und Nachtzeit Horden von Hipster-Touristen oder Leuten wie mir. Leute die zwar hier wohnen, dies aber a) erstens seit relativ kurzer Zeit tun und b) die erwähnten szenigen Kneipen besuchen und deren Existenz zumindest grundsätzlich begrüssen.


Der Wrangelkiez befindet sich demnach in einem Prozess der Gentrifizierung: ein Stadtteil erfährt eine sozioökonomische Umstrukturierung mit ökonomischer Aufwertung und im Zuge dessen werden Gruppen mit niedrigem Sozialstatus (also oftmals Arme, Alte und Ausländer, das Triple A) verdrängt. Denn dieser Prozess bedeutet ohne entsprechende Gegensteuer auch steigende Mieten - und Berlin ist eine Stadt mit vielen Mietern, die sich überdies vergleichsweise tiefe Mieten gewohnt sind; die Veränderungsmöglichkeiten 'nach oben' sind deshalb prozentual gesehen sehr hoch.

Dies also ist kurz gesprochen die Basis für unsere Studie. Und es war auch die Basis für eine Veranstaltung, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit letzten Donnerstag besucht habe. Der Anlass hiess 'Kiez im Wandel' und es diskutierten u. a. der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg sowie interessierte Anwohner. Doch an Diskussion war erstmal nicht zu denken: die ersten 40 Minuten des zweieinhalbstündigen Runden Tisches waren Ausdruck der 'Kreuzberger Mischung'. Kaum wollte nämlich einer der anwesenden politischen Vertreter etwas erläutern, fiel im sogleich jemand lautstark und beleidigend ins Wort: Alteingesessene, Hausbesetzer, whatever. Der grüne Bürgermeister erinnerte mich an den Helden einer griechischen Tragödie, und Teile des Publikum wollten seinen Untergang sehen - um jeden Preis.

Zuerst dachte ich: "Herr im Himmel, schenke diesen armen Leuten Gnade! Sie sind offensichtlich unfähig und gehören von ihrem Leid erlöst. Weise ihnen den Weg zur Vernunft. Dann können wir hier vielleicht irgendwann doch noch diskutieren." Doch irgendwann musste ich realisieren, dass diese Menschen eben gerade das zumindest teilweise ausmachen, was den Wrangelkiez im Grunde herrlich macht: Unangepasstheit, Kampf gegenüber den Mächtigen und deren Konventionen, radikales Anderssein, alternative Lebensentwürfe.

Mit der Zeit entstand dann doch eine halbwegs normale Gesprächskultur und es wurde heftig über steigende Mieten, Lärm und Lebenspläne gestritten. Wobei zu beobachten war, dass die Anwesenden gerade beim Thema der Mietproblematik eine annähernd identische Meinung vertraten, nämlich diejenige, welche in der Regel der politischen Linken zugesprochen werden kann. Vertreter von Investoren, welche die lokalen Liegenschaften kaufen, renovieren, aufsplittern und danach mit hoher Rendite wieder an zahlungskräftigere Leute verkaufen, waren jedenfalls keine auszumachen. Sie sind für die meisten Bewohner wahrscheinlich sowieso grundsätzlich unsichtbare und ungreifbare böse Geister, die weit weg in gläsernen Bürotürmen sitzen und dort versuchen, ihre Geschäfte in der Form von Fondsanteilen mit versprochener 10%-Rendite potentiellen Anlegern schmackhaft machen.

Ich war im Angesicht so hoher Komplexität erstmal dem geistigen Knockout nahe. Dann wurde mir aber abermals noch klarer, dass Stadtentwicklung nicht bloss von zentraler Hand geplante Entwicklung nach kapitalistischer Verwertungslogik heissen sollte. Zumindest nicht überall, denn Berlin würde unheimlich viel Qualität und auch Attraktivität (!) verlieren, wenn es all dies der Verdrängung preisgeben würde. Gleichzeitig steht die Stadt unter enormem finanziellen Druck und hat deswegen ganz offensichtlich Anreize, ihre Schuldenlöcher zu stopfen, was zumindest kurz- bis mittelfristig am besten dadurch gelingen dürfte, dass Liegenschaften an meistbietende internationale Investoren verkauft und der Tourismus nahezu uneingeschränkt gefördert wird.

Allgemeiner formuliert bin ich übrigens der Meinung, dass es von erheblichem Wert ist, zumindest ab und zu mit mit fremden und möglicherweise irritierenden Themen und Gedanken in Kontakt zu kommen. So wie beispielsweise an einer Veranstaltung mit Linksextremen oder von mir aus auch mit der SVP. Eine Tagung im Albisgüetli als Schule des Lebens oder Erweiterung des Horizonts - klingt verrückt, ich weiss. Aber im Kern geht es darum, die Positionen von unterschiedlichen sozialen und politischen Gruppen besser verstehen zu können.

Jedenfalls ist die Gemengelage für die Studie eine komplexe, genauso wie 'die Stadt' ein enorm komplexer Gegenstand ist, den radikal zu vereinfachen ganz gewiss grosse Risiken birgt. Wir werden sehen, welche möglichen Empfehlungen die Studie hervorbringen wird.

Montag, 23. Mai 2011

Ambitionierte Business Angels

Neulich traf ich mich mit einer Runde hochkarätiger Business Angels zum stilvollen Dinieren im Berner Tramdepot. Bei köstlichem Cordon Bleu und raffiniertem Hanfbier aus der hauseigenen Brauerei des Tramdepots analysierten und diskutierten wir in lockerer Atmosphäre vielversprechende Start-Up-Chancen. Am selbigen Abend organisierten wir spontan auch ein Angel Network, um sowohl unsere Research als auch das jeweils individuell verfügbare Venture Capital in Zukunft effizienter steuern zu können. Wir verstehen uns als Förderer einer ökonomisch nachhaltigen Gesellschaft und sind immer auf der Suche nach reizvollen Investment Opportunities.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Wenn Sie mit uns zusammen arbeiten wollen wenden Sie sich tunlichst an die BP Venture Capital Partnership Niederlassung ihrer Stadt. Sie finden unsere Räumlichkeiten üblicherweise im höchsten Gebäude der Stadt, Symbol unserer hochfliegenden Ambitionen.





Dienstag, 29. März 2011

Stadtentwicklung: Sankt Petersburg

Sankt Petersburg wurde 1703 von Zar Peter dem Großen als Festung gegen die angriffslustigen Schweden gegründet und bald darauf zur neuen russischen Hauptstadt gekürt. Nach dem Ableben des wissbegierigen, kosmopolitischen und reisefreudigen Herrschers wurde jedoch für relativ kurze Zeit wiederum Moskau die Hauptstadt Russlands. Erst ab den 1740er Jahren – unter Zarin Elizabeth und ihren Nachfolgern Katharina der Großen und Nikolaus I – wurde Sankt Petersburg zur barocken und klassizistischen Residenzstadt.

Auch heute noch beeindruckt das bewundernswert reiche und einheitlich durchdachte Stadtbild, welches insbesondere von der zentralen Admiralität ausgeht. Die Stadt an der Newa-Mündung sollte nicht eng und dunkel, sondern, gemäß Karl Schlögel (‚Petersburg – das Laboratorium der Moderne’), "klar und lichtvoll wie eine Regel" sein. „Es war die Zeit, als Peters fürstliche Kollegen überall in Europa die Geometrie als irdische Entsprechung göttlicher, nunmehr naturwissenschaftlich erforschter Gesetze zum Motiv ihrer Stadtgründungen machten: Absolutismus mit noch einer leichten Verbeugung zum Weltenschöpfer, zur kosmischen Ordnung hin.“ (Der Freitag, 30.03.11)

Karte der Stadtentwicklung von Sankt Petersburg (30.03.11)

Nicht nur der geometrische, rasterartige Grundriss, sondern auch die ihn säumenden Gebäude sind eine Huldigung der Eleganz. Besonders interessant ist auch die oben bereits angedeutete Tatsache, dass Leningrad, wie die Stadt während der Roten Jahrzehnte hieß, zwar eigentlich in Russland liegt, ihr historisches Erscheinungsbild jedoch außerordentlich westeuropäisch ist. Nach Schlögel stand die Stadt "für Aufklärung, Glanz, Disziplin, bürokratisches Reglement und den Geist des Okzidents; Moskau stand für das alte Russland, für Schläfrigkeit, Rechtgläubigkeit, und mit seinen goldenen Kuppeln war es Orient an der westlichen Grenze Eurasiens.“ Kaum verwunderlich, dass die Stadt deshalb in erster Linie von italienischen und französischen Planern und Architekten gebaut wurde. Ob hingegen die für Moskau diagnostizierten Merkmale der Schläfrigkeit und Rechtgläubigkeit (!) heute noch Geltung haben, darf berechtigterweise bezweifelt werden.

Gemälde der Newa mit der unten angesprochenen Börse im Hintergrund (30.03.11)

Während früher auch nicht alles löblich war – die Stadt wurde unter extremen Verlusten menschlicher Leben aus Sümpfen gebaut – ist der heutige Verkehr eine der modernen Schattenseiten. Nicht selten ergriff mich beim unvermeidlichen Anblick gewaltiger Verkehrsströme oder beim erfolglosen Versuch, entlang einer der prächtigen Prospekte meine Gesprächspartnerin zu verstehen, ein Gefühl großer Melancholie und Verabscheuung. Verabscheuung gegenüber dem zeitgenössischen urbanen motorisierten Individualverkehr und den Instanzen, die ihn in Städten wie Sankt Petersburg nicht besser zu kontrollieren gewillt sind.

Hauptachse Newski-Prospekt: vom Prachtsprospekt zur Rennstrecke

Mir ist dabei aber natürlich auch bewusst, dass ebenfalls eine große Ohnmacht existieren muss. Eine Stadt mit einem derartig reichen Kulturerbe wird auch gewaltig zur Kasse gebeten bezüglich der Instandhaltung aller ihrer Preziosen. Ich vermute, dass die städtischen Behörden nicht nur wenig Interesse an einer aus meiner Sicht sinnvollen und modernen Verkehrsberuhigung haben, sondern dass vor allem auch kein Geld zur Verfügung steht für dichte Netze an öffentlichem Verkehr und Entlastungs- und Umfahrungsrouten. Darüber hinaus haben wir ja bereits gelernt, dass das Auto für viele Russen ein unbedingt erstrebenswertes Statussymbol darstellt.

Nun möchte ich nicht falsch verstanden werden. Ich fluche nicht gegen ‚das Auto’, keineswegs. Auch müssen Städte keine gigantischen Freilichtmuseen sein. Beides sind respektive wären meines Erachtens wohl falsche Extreme. Stattdessen schwebt mir vielmehr eine aristotelische, goldene Mitte vor. Eine Mitte, die der Eleganz und Anmut dieser Stadt noch den Raum zum Atmen gibt. Wie das zu erreichen wäre? Wahrscheinlich durch eine Mischung von Instrumenten: neue Infrastrukturen, Verbote, (finanzielle und andere) Anreize, Sensibilisierung durch Bildung sowie vor allem... Zeit. Eines jedenfalls ist naheliegend: Peter der Große und seine Nachfolger würden sich im Grabe umdrehen wenn sie sehen würden, was in ihrer an göttlichen Gesetzen orientierten Stadt heute alles die Straßen verstopft. Und es bleibt zu hoffen, dass ihnen niemand etwas von der ‚Autobahn’ zu Ohren trägt, welche zivilisierterweise unmittelbar vor der klassizistischen Börse angelegt wurde. Eine ‚Autobahn’, die wahrscheinlich nur für diese Luftaufnahme für den Verkehr gesperrt wurde, was irgendwie auch typisch Russisch sein könnte.

Skandal (30.03.11)

Dienstag, 1. März 2011

Doma

Seit Sonntag bin ich für vier Wochen in Moskau. Schön - könnte man meinen. Naja. Zurzeit kämpfe ich, als sozial leicht phobischer Opa, mit erheblichen Startschwierigkeiten. Heute konnte ich mich nach zwei Nächten aus dem ultimativen Party-5er-Zimmer in ein hoffentlich seniorenhafteres 2er-Zimmer versetzen lassen. Denn nein, ich will keine 4 Wochen auf Schulreise gehen. Das raubt mir den Schlaf, und zwar so sehr, dass ich meine gestern auf dem Markt gekaufte Tasse am selben Abend schon verloren habe im 15-stöckigen Wohnhaus. Geistige Erschöpfung nennt man das. Bereits das Schreiben solch simpler Geschichten wie dieser überfordert mich geistig fast vollkommen. Herr hilf.

Wie dem auch sei. Die Stadt habe ich noch nicht gesehen, jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Die Fahrt mit dem Bus vom Flughafen zum Institut war jedoch schon eindrücklich und abenteuerlich. Bis wir den Bus vor dem Flughafen fanden verging mindestens eine halbe Stunde: angeschrieben war die Bushaltestelle in linker Richtung, gefunden haben wir sie schlussendlich in entgegengesetzter Richtung hinter einer undurchsichtigen Häuserzeile.

Gestern war ich auf einem Markt in einem Vorort. Dort kann man Töpfe, Pfannen und so weiter kaufen; deutlich günstiger als im Supermarkt. Die Leute die dort arbeiten scheinen überwiegend aus dem Kaukasus zu kommen. Die Konsumenten ebenfalls. Ich nicht. Aber who cares.

Der Unterricht ist sehr anstrengend, das Tempo hoch. Wenn man mehr oder weniger schlaflos ist wird das zu einer echten Herausforderung. Dafür habe ich den Eindruck, dass ich hier wahrscheinlich einiges lernen kann, sofern ich denn einen geistigen Zustand erreiche, der dieses Vorhaben erlaubt.

Nun schliesse ich mit ein paar Impressionen von meiner Unterkunft und vom Ausblick aus den Fenstern des Wohnheims:





P.S. Internet habe ich bei einem Ägypter im 10. Stock gekauft. Der sitzt dort in einem 2-Zimmer-Raum, schaut arabisches Fernsehen und verkauft Internetzugang. Skurril.

Montag, 10. Januar 2011

High Potentials in Berlin

Spektakuläre Bilder von einem ungeheuerlich exklusiven, geheimen Anlass in Berlin!

Die High Potentials (v.l.n.r.) im Bild unten: C aus der Schweiz, in Zukunft vermutlich revolutionärer Städtebauer und bereits heute Szenekenner, verkehrt oft in den Kreisen der russisch-stämmigen Intelligenzija Berlins. Säuft Gerüchten zur Folge Zubrowka wie ein Stier. Man sieht es. Die Flasche auf dem Tisch benutzt er zum Zähneputzen, was er, hygienisch wie er ist, zweimal die Woche tut und damit bei den Damen prahlt. Daneben: Z aus Polen, potentiell weltberühmte Pianistin. Übt jeden Tag 1 Stunde; weil: kann schon alles. Fantastisch. Lang Lang macht sich in die Hose. Schlussendlich rechts im Bild, U aus Mecklenburg-Vorpommern, zukünftige Königin dieses noch republikanischen Landes. Revolutionäre Schritte sind in Planung, die Krone hat sie seit dem 6. Januar schon (siehe zweites Foto unten, skandalös); der rote Teppich wurde schon ausgerollt zwecks Üben angehender gesellschaftlicher Repräsentationsverpflichtungen. Fotografiert wurde der illustre Kreis von B aus der Schweiz, Koryphäe auf auf dem Gebiet der Botanik. Singt unter der Dusche zur persönlichen Erheiterung Hymnen auf die Aristotelische Systematik der Biologie, rückwärts. Beneidenswert.


Montag, 18. Oktober 2010

Was hat Nivea mit Mercer zu tun?

Als ich kürzlich in der Heimat Urlaub gemacht habe, stellte sich mir nach nunmehr einem Lebensjahr in Berlin abermals die Frage: Was vermisse ich an Berlin wenn ich in der Schweiz bin? Dann habe ich lange studiert. Und nochmals von vorne angefangen. Klar, man kann vieles vermissen, zum Beispiel die liberalen Öffnungszeiten von Bars oder das immense Angebot an kulturellen Ereignissen. Aber entscheidende Dinge sind das nicht unbedingt für mich, jedenfalls nicht mehr - mit 22 Jahren hätte ich sicherlich noch anders argumentiert. Mir reichen eigentlich ein paar wenige aber qualitativ schöne Ausstellungen oder Konzerte. No need for the overkill. Schön ist es aber trotzdem, klar.

Was hingegen wirklich manchmal fehlt in Bern sind die folgenden zentralen Errungenschaften: a) Pils und b) in Flaschen! Klingt lächerlich. Aber die Bierkultur ist hier eindeutig viel weiter entwickelt. Schweizer Bier schmeckt im Allgemeinen wie Wasser. Deutsches Pils und Weizen hingegen ist herrlich.

Ferner fehlen in der Schweiz die günstigen Imbisse. Das beste Beispiel neben dem klassischen Döner ist der Burger. Ich schwöre in Berlin zählt Burger King zur untersten Schublade. Hier gibt es fantastische Burger (beispielsweise beim Burgermeister, Burgeramt oder auch Room 77) zu fairen Preisen. Generell bereitet mir das Thema Preise leider doch immer wieder Kopfschmerzen. Wieso kostet ein Haarschnitt hier 10 Euro und in der Schweiz über 40 Franken? Noch extremer sind die Unterschiede bei den Frauen: Auch sie bezahlen 10 Euro beim Frisör um die Ecke. Während für den Haarschnitt jedoch immerhin teilweise die gewaltigen Unterschiede bei den Lohnkosten aufgeführt werden können (P.S. Angestellte von Frisörsalons scheinen hier sklavenartig ausgebeutet zu werden), verhält sich die Preisgestaltung bei Pflegeprodukten noch merkwürdiger. Beispiel Nivea Deo for Men, der langweiligste Gegenstand der Welt. Im deutschen Supermarkt bezahlt der Kunde weniger als 2 Euro, in vergleichbaren Geschäften in der Eidgenossenschaft 6 Franken. Aha.

Ich muss deshalb mangels besseren Wissens zum Schluss kommen, dass die Schweiz einfach zu teuer ist. Diese Vermutung stützt auch die folgende Abbildung:

Wir sehen, dass zwei der drei untersuchten deutschen Städte ausgezeichnet abschneiden. Frankfurt und München erscheinen als urbane Schnäppchen. Lässt man den Blick endlos lange nach Osten schweifen, erblickt man kurz vor dem Einschlafen am Ende des Horizontes Zürich und Genf. Wen wundert diese relative Lage bei einem Preis von 6 Franken für ein Nivea Deo for Men? A propos: Berlin würde bezüglich Lebenshaltungskosten Frankfurt und München noch weit unterbieten und den Abstand zu den Städten der Schweiz noch majestätisch vergrössern.

Langer Rede kurzer Sinn: Preise runter, Pils rein, Burger auf den Rost. Dann grüssen Zürich und Genf in Zukunft strahlend von zuoberst:

P.S. Berlin wollen wir nicht unnötig schlecht machen. Die Stadt ist in vielerlei Hinsicht lobenswürdig, für Studenten bietet sie meiner bescheidenen Meinung nach sogar ein fabelhaftes Pflaster. Ich als Spiesser möchte die Erfahrung dann doch auch keines Falls missen!

Mittwoch, 19. Mai 2010

Berlin Plus/Minus

Berlin Plus: Die coolsten Bands und DJs spielen hier in Berlin im Zwei- oder Dreitagesrhythmus. Vor wenigen Wochen war ich zum Beispiel im Westberliner Jazzclub A-Trane auf dem Konzert des Portico Quartet aus London und gestern nun bei den fantastischen Best Coast aus – where else – Los Angeles. Im kleinen aber feinen Magnet Club spielten sie vor mehr als halb leeren Rängen ihren bisher erst auf ein paar Singles und EPs veröffentlichten noisy lo-fi Cali Surf Rock. Einer der komischsten Momente war, als die Sängerin Bethany Cosentino (ihr Blog: hier!) verkündete, sie wolle nach dem Konzert bei Subway essen gehen. Wunderbar wie irritiert das übercoole Berlin-Indie-Publikum reagierte; Subway geht doch gar nicht… Wieso will die denn nun nicht in eine super stilvolle abgeranzte Bar? Jedenfalls, und das zählt: Wenn Bethany ans Mikrofon tritt liegt Magie in der Luft.





Berlin Minus: Ich lebe nun schon seit mehr als einem halben Jahr in dieser Stadt. Trotzdem ging ich gestern alleine aus. Das ist irgendwie bedenklich. Will ich etwas Interessantes erleben bleibt oft nicht viel anderes übrig als eine Tour auf eigene Faust – Ausnahme:

Auf der anderen Seite schadet es auch nicht, Dinge alleine zu tun. Ich muss nur wieder in Übung kommen; so wie damals in Los Angeles, als ich mangels Alternativen auch regelmässig alleine an Konzerte ging. Meine Schulkameraden standen mit einer Ausnahme eher auf Bowling oder so.

Dienstag, 11. Mai 2010

Psychedelic Berlin

I'm so high I could kiss the sky...

1) Harry Nilsson - Everybody's Talkin'
2) The Superimposers - Special
3) Local Natives - Cards and Quarters
4) Dungen - Det Du Tänker Idag Är Du I Morgon
5) Minnie Riperton & Rotary Connection - Tales of Brave Ulysses
6) Yeasayer - Wait for the Summer
7) Jefferson Airplane - Comin' Back to Me
8) Patti Smith - Birdland
9) The Velvet Underground - Venus in Furs
10) Angelo Badalamenti - The Pink Room
11) Wooden Shjips - Lucy's Ride
12) Moon Duo - Stumbling 22nd Street
13) Singapore Sling - Overdriver
14) Low - (That's how You Sing) Amazing Grace