Mittwoch, 2. Juni 2010

I love CPH!

"Your arrival at Kastrup airport will tell you a lot about Copenhagen: it's impeccably designed and impossibly efficient, yet maintains an unflustered air. The standard of living is said to be higher here than in any other capital city, yet life expectancy is, perversely, among the lowest in Europe. The reason for this is that the Danes know how to live, in all senses of the word. Not only do they design handsome buildings, but they eat, drink and inhale with great enthusiasm." Hand aufs Herz, die Leute in der Redaktion der Wallpaper City Guides kennen die Wahrheit.

Letztes Wochenende haben wir eine privat durchgeführte - die Uni bietet leider keine entsprechenden Exkursionen - Studienreise nach Kopenhagen durchgeführt. Wir wollten die Stadt und insbesondere deren neue Architektur erkunden; nach Hamburg die zweite und nördlichste Perle im (meine Hypothese!) geheimen Band einer fabelhaften Städtetrilogie von Amsterdam über Hamburg nach Kopenhagen.

Ich will hier nun nicht zu weit abschweifen sondern bloss ein paar vergleichende Punkte zwischen Kopenhagen und meiner Homebase Berlin aufführen:

1) Eine halbe Stunde nach Ankunft am zentralen Kongens Nytorv wähnte ich mich bereits im Einkaufsparadies. Urban Outfitters, WoodWood, Illums Bolighus, Hardware... In einer Stunde sehe ich hier so viele schöne Geschäfte wie in Berlin in einem halben Jahr nicht.

2) Kopenhagen hat, wie Hamburg und Amsterdam, das Wasser vor der Haustür. Die Fotos zeigen den Nyhavn sowie einen Kanal im herrlichen Christianshavn. In Berlin läuft man Gefahr, die wenigen zentralen Flächen mit Wasseranstoss unsäglich zu verschandeln.


3) Das Badeschiff auf der Spree in Berlin ist super. Aber die Badeanstalten in Kopenhagen sind nicht weniger fantastisch. Das Foto unten zeigt beispielsweise das Seebad von White Arkitekter im Stadtteil Kastrup.

4) Dänisch ist eine herrliche Sprache, insbesondere das Wort 'bagage', Gepäck!
5) Der Flughafen in Kopenhagen ist der wohl einzige Flughafen der Welt, den ich freiwillig und mit Freude möglichst lange vor dem geplanten Abflug aufsuchen würde. Ich würde sogar ohne einen Flug gebucht zu haben nach CPH fahren. Es ist dort schöner und gemütlicher als in manchem Wohnzimmer. Schönefeld hingegen ist eine Schande.
6) Andererseits: Berlins Fast Food Nummer 1, der Döner, ist dem allgegenwärtigen Pölser - okay, das Wort ist Kult (!) - vorzuziehen.
7) Die Preise sind in Kopenhagen einfach übel hoch. Nach ein paar Tagen spätestens beginnt man Berlin diesbezüglich zu vermissen. Und auch die legendären Spätkauf-Läden sind ein erheblicher Standortvorteil Berlins. Ich will auch spätabends ein Pils für wenig Geld kaufen können und nicht vor verschlossenen Regalen oder Ladentüren stehen.
8) Das Nachtleben Berlins ist unschlagbar, auch wenn Kopenhagen eine schöne Mischung aus stilvollen Bars und freiheitlichem Christiania bietet.
Ein Fazit zu ziehen ist schwierig. Für mich ist Kopenhagen eine, wenn nicht die beste Stadt der Welt. Und das nicht erst seit dieser Reise. Für Studenten ist Berlin jedoch kaum zu überbieten. Deshalb lautet meine Empfehlung: Als Student lebe hier. Aber stelle sicher, dass du halbjährlich nach Kopenhagen fährst. Wenn möglich noch vor dem 13. Juni 2010, denn so kannst du noch die wunderbare Ausstellung 'Color in Art' im malerischen Kunstmuseum Louisiana besuchen. Falls dies zeitlich nicht mehr möglich ist, was bemitleidenswert wäre, denn du verpasst die auf dem Foto unten dargestellte Frühlingsszenerie, dann kaufe mindestens den Ausstellungskatalog.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Berlin Plus/Minus

Berlin Plus: Die coolsten Bands und DJs spielen hier in Berlin im Zwei- oder Dreitagesrhythmus. Vor wenigen Wochen war ich zum Beispiel im Westberliner Jazzclub A-Trane auf dem Konzert des Portico Quartet aus London und gestern nun bei den fantastischen Best Coast aus – where else – Los Angeles. Im kleinen aber feinen Magnet Club spielten sie vor mehr als halb leeren Rängen ihren bisher erst auf ein paar Singles und EPs veröffentlichten noisy lo-fi Cali Surf Rock. Einer der komischsten Momente war, als die Sängerin Bethany Cosentino (ihr Blog: hier!) verkündete, sie wolle nach dem Konzert bei Subway essen gehen. Wunderbar wie irritiert das übercoole Berlin-Indie-Publikum reagierte; Subway geht doch gar nicht… Wieso will die denn nun nicht in eine super stilvolle abgeranzte Bar? Jedenfalls, und das zählt: Wenn Bethany ans Mikrofon tritt liegt Magie in der Luft.





Berlin Minus: Ich lebe nun schon seit mehr als einem halben Jahr in dieser Stadt. Trotzdem ging ich gestern alleine aus. Das ist irgendwie bedenklich. Will ich etwas Interessantes erleben bleibt oft nicht viel anderes übrig als eine Tour auf eigene Faust – Ausnahme:

Auf der anderen Seite schadet es auch nicht, Dinge alleine zu tun. Ich muss nur wieder in Übung kommen; so wie damals in Los Angeles, als ich mangels Alternativen auch regelmässig alleine an Konzerte ging. Meine Schulkameraden standen mit einer Ausnahme eher auf Bowling oder so.

Samstag, 15. Mai 2010

Stadterneuerung: HafenCity Hamburg

Heute beginne ich eine in loser Folge erscheinende Serie zum Thema Stadterneuerung. Erstes Anschauungsbeispiel: die HafenCity in Hamburg, Perle des Nordens.

Das erste neue Hafenbecken auf dem Grossen Grasbrook, der Sandtorhafen, entstand 1866. Der Ausbau der Seeschiffhäfen am nördlichen Elbufer dauerte jedoch bis 1887 fort. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die ehemals modernen Dampfkräne durch neuartige Elektrokräne ersetzt. Darin erschöpften sich jedoch die Modernisierungen, denn aufgrund der geringen Wassertiefe waren die Häfen ohnehin nur noch für kleinere Schiffe geeignet. Die grossen Fische landeten zunehmend weiter westlich oder am südlichen Ufer der Elbe, der Grosse Grasbrook verlor an Bedeutung.

1997 wurde dann öffentlich bekannt, dass die Umschlags- und Lageranlagen aufgegeben oder verlagert würden. Das 157 Hektar grosse Areal (davon ein Drittel Wasser) sollte nach einem Masterplan zu einem gemischten Wohn- und Dienstleistungsviertel mit 40‘000 Arbeitsplätzen und zirka 12‘000 Bewohnern entwickelt werden. Dabei wird die Bebauung dem Masterplan entsprechend und aufgrund der dortigen Nachbarschaft zur Innen- und Speicherstadt von Westen und Norden her realisiert.

Das Leuchtturm-Projekt in der HafenCity ist zweifellos die werdende (Eröffnung 2012) Elbphilharmonie! Was Jorn Utzon für Sydney sollen nun also die beiden Basler Herzog & de Meuron für Hamburg erschaffen. Selbstverständlich kommt man in der Gegenwart jedoch nicht ohne die zwecks Renditeoptimierung obligatorische Mantelnutzung herum. Bei der Elbphilharmonie sind dies ein Luxushotel und 47 ebensolche Wohnungen. Ich habe bereits meine Reservation eingereicht. Ein Foto davon gibt es nicht auch noch, ich lege Wert auf Diskretion.

Dafür zeigt das folgende Foto das meines Erachtens sehr schön gelungene Quartier Am Sandtorkai. Am Ende des Wasserbeckens befinden sich die öffentlichen Magellan-Terrassen und gleich anschliessend dahinter die – unglücklicher Name – Coffee Plaza mit dem etwas höher gebauten Hamburg-America-Center von Richard Meier & Partners. In diesem Hochhaus befindet sich der Kaffeehandel. Aber wie gesagt, weshalb es Coffee Plaza und nicht Kaffeeplatz oder Platz des Kaffees oder weiss der Teufel was heissen kann… Advertising-Yuppie-Schwachsinn!


Yuppies leben, und das ist einer der allgemeinen Kritikpunkte am Projekt HafenCity, sicherlich nicht wenige in der neuen HafenCity. Beispielsweise auch in den drei unten folgenden Bauwerken. Die ersten beiden Gebäude stehen im Quartier Dalmannkai auf der Seite zum oben abgebildeten Sandtorhafen. Auf dem letzten der drei Bilder sieht man die direkt an der Elbe gelegene Zentrale von Unilever sowie den Marco-Polo-Turm. Die noch brach liegende Fläche wird in späteren Etappen ebenfalls entwickelt werden.




Vielerorts sieht es natürlich auch noch wie auf dem folgenden Bild aus. Die gesamte HafenCity, welche die Hamburger Innenstadt bezüglich deren Fläche um zirka 40% (!) erweitert, dürfte nicht vor 2020-2025 fertig gebaut worden sein.


Wer sich mit umfangreichen Informationen, Bildern und interessanten Downloads (z. B. Masterplan) versorgen will klicke hier. Mein Fazit für die HafenCity ist - soweit ich es beurteilen kann - sehr gut!

Dienstag, 11. Mai 2010

Psychedelic Berlin

I'm so high I could kiss the sky...

1) Harry Nilsson - Everybody's Talkin'
2) The Superimposers - Special
3) Local Natives - Cards and Quarters
4) Dungen - Det Du Tänker Idag Är Du I Morgon
5) Minnie Riperton & Rotary Connection - Tales of Brave Ulysses
6) Yeasayer - Wait for the Summer
7) Jefferson Airplane - Comin' Back to Me
8) Patti Smith - Birdland
9) The Velvet Underground - Venus in Furs
10) Angelo Badalamenti - The Pink Room
11) Wooden Shjips - Lucy's Ride
12) Moon Duo - Stumbling 22nd Street
13) Singapore Sling - Overdriver
14) Low - (That's how You Sing) Amazing Grace

Sonntag, 9. Mai 2010

It's the Chelsea boys!

Wer weiss, was das Schloss unten mit dem herrlichen englischen Meister - the famous Chelsea FC - zu tun hat, ist Kult!

Rave oder Politik?

Das vergangene Wochenende stand hier in Berlin im Zeichen von Rave & Riot. Jedenfalls wurde dies anlässlich des meines Erachtens oftmals unsäglich missbrauchten Tages der Arbeit von den Vielen so erhofft. Mich interessierte ehrlich gesagt nur ersteres, der ausgedehnte Rave. Am 1. Mai mit Kapuzenpullover bekleidet Steine und Flaschen schmeissen ist etwas für tendenziell Bemitleidenswerte. Aber lassen wir das, ich hatte auch mal Freude an Tränengas in Mailand.

Wie gesagt, ich fokussierte mich an diesem Wochenende auf die unglaublich zahlreich stattfindenden kleinen Raves unter freiem, unvernebeltem Berliner Himmel. Es war herrlich! Den Auftakt machte das Edelweiss im Kreuzberger Görlitzer Park, besser bekannt als "Görli". Was hätte hier und jetzt besser gepasst als träumerischer House und gekühlter Apersol Soda...


Gleich um die Ecke, am Ende des "Görli" auf dem Spreewaldplatz, ging es vor der Kleinen Reise ebenfalls schon bestimmt zur Sache. Für mich war aber Zeit fürs nahe gelegene türkische Restaurant Hasir. Die Döner hier sind fantastisch!

Auf dem Weg zurück in unseren Kiez kamen wir an meinem ewigen Favoriten vorbei, dem Club der Visionäre. Hier waren die üblichen Verdächtigen am Werk. Mit anderen Worten: Ricardo Villalobos & Co.. Der CdV war aber, erwartungsgemäss muss man dazu sagen, übervoll:

Dies war jedoch nicht weiter tragisch; wir wohnen vernünftigerweise fast um die Ecke - ich könnte bei Bedarf auf "auf allen Vieren" vom CdV nach Hause robben. Schön, wie dieses Blatt Papier:

Am Sonntag dann ging das Spiel weiter. Die famose Bar 25 beispielsweise hatte für das Wochenende des 1. Mai von Donnerstag bis Dienstag durchgehend geöffnet. Als ich am Montag Abend im nahen Radialsystem eine Oper von Verdi besuchte hörte ich die Bässe aus der Bar 25 immer noch wummern. In solchen Momenten muss man Berlin einfach lieben! Aber wo war ich? Genau, beim Sonntag. An diesem Tag liessen wir das Wochenende noch im about blank beim Ostkreuz ausklingen. Ein ebenfalls sehr, wie soll ich sagen, berlinerischer Club mit gepflegtem Garten.

Und weil es so schön war möchte ich an dieser Stelle noch zwei Playlists empfehlen. Yeah yeah yeah!

Liste 1 - afternoon relaxation
1) The Hundred in the Hands - Dressed in Dresden (Kyle MF Hall Remix)
2) Floating Points - Vacuum Boogie
3) Herbert - Suddenly
4) Larry Heard - Missing You
5) Virgo - Do you Know who you are?
6) Reggie Dokes - Release Yourself
7) The Revenge - Forever in their Debt (Red Rack'Em Remix)
8) Boo Williams - Day and Night
9) Glass Domain - Interlock
10) Nik Kershaw - Wouldn't it be Good

Liste 2 - late at night darkness
1) Ricardo Miranda - Black Acid
2) Van Rivers - Tough Life
3) DBX - Losing Control
4) Marcel Dettmann - Wound Up (Wincent Kunth Remix)
5) Deuce - Twerp Wiz
6) Mike Parker - Protolanguage
7) Peter van Hoesen - Face of Smoke
8) Drexciya - Black Sea
9) Marcel Dettmann - Vertigo (Wincent Kunth Remix)
10) Tylutki - Abhouse

Samstag, 17. April 2010

Die Checker!

Question: Please, tell our readers something about your style.
Answer: We're wearing all vintage clothing from flea markets in Berlin. And some funky shoes from Aldi, dude. We'd never buy our stuff in chain stores.
Q: Aiight cool! I love your style, it has such an amazing personality.
A: Thanks, we're excited too.
Q: And what's your device in life?
A: Alter, die Streets gehören mir!
Q: Awesome.
A: Yeah! Wir sind die Checker aus Treptow!
Q: Oh my god! I'm like soo glad to meet you guys. Thanks for the interview.
A: Yeah, anyways.

Donnerstag, 15. April 2010

Hamburg lohnt sich!

Vorgestern habe ich behauptet, dass der Fisch auf Usedom nicht selten fettig, in Hamburg hingegen köstlich serviert werde. Diese wertvolle Erfahrung haben wir auch in der Bullerei gemacht. Im neuen Restaurant vom bekannten deutschen Fernsehkoch (Alarmglocke?) Tim Mälzer kommen die Involtini vom Wolfsbarsch mit Kartoffelfenchelpürée und Kräutersalsa für 14 Euro auf den flotten Holztisch. Den meisten Köchen auf Usedom möchte ich herzlich empfehlen, sich diese Freude selbst einmal zum Gaumen zu führen...

Erfreulicherweise, und das ist wirklich aufmunternd, war das Dinieren in der Bullerei von A bis Z eine grosse Freude. Da habe ich im Restaurant eines anderen Kochstars, Ivo Adam, schon deutlich andere Erfahrungen machen müssen. Und überhaupt: Hamburg verwöhnte uns mit vielen Leckereien. Steak & Frites im sensationellen Café Paris waren ebenso vorzüglich wie das arabische Schawarma für 3 Euro im Schanzenviertel.

Voll des Lobes bin ich eigentlich für die ganze Hansestadt. Wir haben sogar mit dem Gedanken gespielt, ob wir nach Hamburg umziehen sollen um von dort nach Berlin an die Uni zu pendeln... Ein Sakrileg? Well, Berlin gilt ja gemeinhin als übercool und superkreativ. Und das ist es ja eigentlich auch. Aber ich hatte den Eindruck, dass Hamburg diese Attribute auch vorweisen kann. Sankt Pauli, die Schanze - allesamt kaum weniger hip als etwa Friedrichshain oder Kreuzkölln. Es soll mir jedenfalls keiner mit der Simon-Dach-Strasse kommen, boring!

Was die Metropole an Elbe und Alster ebenso hat ist Geld. Und das sieht man. Gegenden wie etwa die Viertel an der Aussenalster fehlen mir manchmal in Berlin, welches sich ja gerne mit dem Slogan "Arm aber Sexy" verkauft. Ist dann Hamburg vielleicht "Reich und Sexy"? Wie dem auch sei. Meines Erachtens weist Hamburg momentan eine auf mich ganz anziehende Mischung aus Hipness und Eleganz auf.

Weshalb wir nun trotzdem noch in Berlin leben? Nun, hier ist es halt doch auch nicht sooo übel. Zum Beispiel hat es ganz, ganz viele herrliche Spätis wo man zu praktisch jeder Tageszeit ein Flaschbier kaufen kann. Ein unheimliches Privileg! Und wahrscheinlich bietet die Stadt dem Studenten auf Dauer doch noch mehr als die deutsche Medienhauptstadt Hamburg. Vor allem: sensationell tiefe Preise in allen wichtigen Lebensbereichen wie Wohnen und Döner. Das ist vielleicht das Hauptargument pro Berlin! Und die beiden grossen Fussballclubs Hertha und HSV, ein weiterer wichtiger Aspekt, spielen in beiden Städten in etwa gleich unattraktiv. Das 0:0 in Hamburg gegen den Abstiegskandidaten Hannover 96 war jedenfalls eines der jämmerlichsten Spiele, die ich Zeit meines Lebens habe ertragen müssen. Da lobe ich mir fast schon die Hertha; hier in Berlin spielt immerhin der Gegner oft gross auf...

Eines steht jedoch zweifelsfrei fest: Hamburg ist ein Muss!







Bei Gelegenheit werde ich einen separaten Blogeintrag über das Stadtentwicklungsgebiet der HafenCity verfassen.

Mittwoch, 14. April 2010

Kampftrinken Sylter Art


"Den Blick kämpferisch gen Horizont gerichtet, die Windböen eisern trotzend, keine barbarischen Wikingerboote fürchtend, nahms ein tiefer Schluck vorzüglichen Champagners." Eine typische Sylter Szene?

Nicht ganz. Die meisten Menschen in Kampen auf Sylt gehören nicht zum Stamm der Vielen. Hier verkehrt - bevorzugt im erhöhten, sicheren SUV - eher die Hochbourgeoisie denn der völkische Trunkebold. Erstere sippt auch auf Sylt exklusiven Champagner und schlürft Austern, letzterer legt eine oftmals rohe Haltung an den Tag. Insofern zeigt das Foto oben einen erstaunlichen Hybriden dieser beiden Schichten, mich.

Und wenn ich schon beim Thema Trinken auf Sylt respektive - auf höherer Ebene - in Deutschland bin, möchte ich an dieser Stelle noch ein amüsantes Zitat aus den berühmten Essais von Michel de Montaigne (französischer Philosoph, 1533 – 1592) anfügen: Man darf, so habe ich in diesem Urlaub gelesen, „um ein guter Trinker zu werden, nicht besondere Ansprüche an den Geschmack stellen. Die Deutschen trinken jeden Wein fast gleich gern; ihr Ziel ist, sich volllaufen zu lassen; das ist ihnen wichtiger, als hinter den Geschmack zu kommen. Sie haben es billiger: ihr Genuss ist massiger und bequemer.“ Dem muss ich grundsätzlich sogar zustimmen; manchmal verändert sich auch in über 450 Jahren nicht viel… Herrlich!

Wie dem auch sei. Sylt ist, auch ganz ohne Champagner, eine wunderbare Insel mit nur einem Makel. Sie gehört nicht mehr zu Dänemark. Abgesehen davon herrschte ein Konkurrenzkampf um meine Aufmerksamkeit zwischen dem wundervoll rauen Nordseestrand und seinen Dünenausläufern sowie dem Schaulaufen der Vermögenden in ihren prachtvollen Karossen und standesgemässen Kleidern. Selten habe ich eine so hohe Konzentration von Exemplaren aus den obersten Schichten gesehen wie in Kampen. Nicht einmal in Gstaad, Sankt Moritz, Portofino oder Saint Tropez… Doch gegen die Rauheit der Sylter Dünen verblassen auch ihre Inszenierungskünste.


Was diese Schweizer Flagge, so schön sie auch sein mag, am Strand auf Sylt verloren hat, ist mir leider schleierhaft.



Dienstag, 13. April 2010

Aussagen zu Usedom

Vergangenen Freitag kehrten wir nach einigen Episoden auf dem Lande und in der Hafenmetropole Hamburg nach Berlin zurück. Seither verbrachten wir unsere Zeit mit reizendem Besuch aus der Heimat (vielen Dank für die Visite!) - und nun hat heute auch die Universität wieder ihren Betrieb aufgenommen. Höchste Zeit also, nochmals einen Blick zurück auf die Tour d'Allemagne du Nord zu werfen:

Eine unserer Etappen war die Ostsee-Insel Usedom. Sie zeichnet sich insbesondere durch dreierlei Dinge aus.

Erstens: die mondäne Kaiserarchitektur, denn die Insel war früher einmal Urlaubsdestination für preussische und wahrscheinlich auch andere grössenwahnsinnige Kaiser. Heute sind viele Gebäude prächtig restauriert; jedenfalls was das Äussere betrifft. Im Innern, so wage ich zu vermuten, sind die Häuser wahrscheinlich nicht selten eher geschmacksfrei eingerichtet.

Zweitens: die wunderbaren, ausgedehnten und himmlisch fein-sandigen Sandstrände entlang der Seebäder Ahlbeck und Heringsdorf. Sie laden ein zu jeden gebeutelten Grossstädter kurierenden Strandspaziergängen sowie zum Lesen und Entspannen in einem der zahlreichen Strandkörbe. In den stilvollen Imbissbuden erhält der geneigte Gast ebenso leckere Fischbrötchen wie herbes Pils.

Drittens: stellt die Küche - abgesehen von den nicht gerade kompliziert zu kreierenden Fischbrötchen - eine bemerkenswerte Lächerlichkeit dar. Die See reicht quasi bis an den Kochherd heran, und dennoch ist der Umgang mit dem Fisch hier alles andere als glamourös. Glamourös ist jedoch die Menge Öl und Fett, in welcher die Restaurants die Fische ertränken. Als wären diese herrlichen Kreaturen nicht schon lange genug in reichlich Flüssigkeit geschwommen. Dabei könnte man es sparsam so viel besser machen. Wie beispielsweise in der Bullerei in Hamburg, doch dazu später mehr.