Samstag, 13. Februar 2010

Vom Hörsaal ins Köpi

Diese Woche entledigte ich mich endlich meiner drei Klausuren im ersten Berliner Semester: Statistik, Geoinformatik und Stadtwirtschaft. Zum ersten Mal seit - hmmm, wahrscheinleich das erste Mal überhaupt - versuchte ich es mit herrlichen Lernkärtchen. Auch im gesetzten Alter kann man also noch etwas verändern, sagenhaft! Ich musste stolze 26 Jahre alt werden, um erstmals einige Gedanken zu meiner Lernmethodik anzustellen. Das Fazit? Ich glaube, die Kärtchen sind eine durchaus sinnvolle Investition in mein Humankapital. Schööön!

Nach so viel Bildung ist nun jedoch wieder Zeit für Perspektive.

Gestern Nachmittag verlor ich mich sodann in einer ausgedehnten Stadtwanderung in Mitte. Mein Weg führte mich zufällig zur Kunstruine Tacheles. Im Netz ist zu erfahren, dass das Tacheles über die Jahre seiner Existenz zu einem komplexen Gesamtkunstwerk gewachsen sei. "Dafür spricht, dass weit über Berlin hinaus das Kunsthaus Tacheles ein Symbol für die Situation des wiedervereinigten Berlins und den Aufbruch in eine frische, von merkantilen Gesichtspunkten weitgehend befreite künstlerische Gegenwart geworden ist. Das Kunsthaus Tacheles steht als Teil des Images eines neuen, um Profil ringenden, künstlerisch freien Berlins international deutlich da." (http://super.tacheles.de/cms/, 13.02.2010) Ich werde sicherlich bald einmal wieder dorthin fahren und mir eine Ausstellung ansehen.

Übrigens: Im Tacheles lief auf einer maroden Stereoanlage der Extended Mix von A Guy Called Gerald's legendärem 1995-Track "Energy" - mir kamen fast die Tränen ab der Symbiose von Musik und Ruine. Auch jetzt gerade höre ich sein Album "Black Secret Technology" und bereite mich auf ein neues Abtauchen in die Unterwelt Berlins vor. Heute Abend um Mitternacht spielt die Berliner Radau-Punk-Band PeaceBastard in einem besetzten Haus, dem Köpi.

Als Student der Stadtgeographie ist es nur zu naheliegend, eine Stadt möglichst wahrhaftig zu erfassen. Dazu reicht nicht die Lektüre mehr oder weniger anregender Literatur. Nein, all dies Wissen scheint zweifelsohne unvollständig ohne persönliche Erfahrungen in den für eine Stadt wie Berlin charakteristischen und essentiellen Milieus. Konklusion: Punk ist Forschung.